Sicher sei es noch nicht, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Paul Lehmann. Aber es gebe Anlass zur Hoffnung, dass sich zumindest für den Real-Markt in Kulmbach eine Lösung abzeichnen könnte. Der soll, wie bekannt wurde möglicherweise von Kaufland übernommen werden. Die Lebensmittelkette hatte sich im vergangenen Jahr aus dem "Fritz"-Einkaufszentrum in Kulmbach zurückgezogen, aber Interesse gezeigt, nach Kulmbach zurückzukehren. Nun plant im Zuge des Verkaufs der bislang zur Metro-Gruppe gehörenden Real-Märkte offenbar Kaufland, das Real-Signet an dem großen Einkaufsmarkt in der Albert-Ruckdeschel-Straße in Kulmbach durch sein eigenes Logo zu ersetzen.

Noch sei es zu früh, um endgültig Stellung zu nehmen, sagt Paul Lehmann. Auch er wisse nur, was man im Netz lesen kann. Dass es noch nicht offiziell bekannt gegeben wurde, liegt nach Lehmanns Ansicht daran, dass erst das Kartellamt prüfen muss, ob die Übernahme durch Kaufland statthaft ist. "Erst wenn es von dort grünes Licht gibt, kann es bestätigt werden. Bis dahin bleibt es in der Schwebe."

Kaufland, betont Paul Lehmann, wäre aber eine gute Option für den Kulmbacher Markt. Er selbst habe schon für dieses Unternehmen gearbeitet, das als guter Arbeitgeber bekannt sei. "Ich fände es gut, wenn Kaufland wieder nach Kulmbach kommt." Man müsse sehen, wie sich diese mögliche Übernahme dann konkret gestalte. Unter anderem sei die entscheidende Frage, ob die Belegschaft von mehr als 100 Personen übernommen wird. Fakt sei: "Kaufland ist gut organisiert, zahlt Tarif und teilweise sogar etwas darüber und sie sind an Betriebsratsgremien gewohnt. Die Zusammenarbeit funktioniert recht gut."

In einem Telefonat mit der Kaufland-Geschäftsführung habe diese signalisiert, dass sie an Kulmbach dran seien. "Aber bevor es wirklich konkret werden kann, müssen wir erst abwarten, was das Kartellamt sagt. Erst dann haben wir Gewissheit."

Auf die Metro-Gruppe ist Paul Lehmann weiterhin nicht gut zu sprechen. Von Anfang an habe diese ihre Mitarbeiter schlecht informiert. "Die Beschäftigten werden völlig hängen gelassen. Was diese Menschen gerade mitmachen müssen, ist enorm. Das geht ja nun seit zwei Jahren so. Mit den Mitarbeitern wird gespielt, keiner erfährt etwas."

Auch wenn es, was die Zukunft des Kulmbacher Marktes angeht, zumindest nun eine grobe Richtung gibt, kann man das laut Paul Lehmann für die anderen Märkte in Oberfranken momentan noch nicht sagen. Für Kronach, einem Markt mit etwa 70 Beschäftigten, erklärt Lehmann, habe wohl Edeka Interesse gezeigt. Was aus den beiden Märkten in Bayreuth und ihren insgesamt fast 200 Mitarbeitern wird, wisse noch keiner. Allerdings sei von einem der beiden Märkte in Bamberg bislang bekannt geworden, dass er geschlossen wird.

Angela Schirmer ist die Betriebsratsvorsitzende des Kulmbacher Real-Markts und in hohen Positionen bei der Gewerkschaft Verdi. Sie hatte bereits Ende Juni die Befürchtung gehabt. "Wahrscheinlich kommt irgendwann eine einzige Mitteilung, und dann ist es passiert." Oft genug sei es bereits vorgekommen, dass die Mitarbeiter von Real erst aus den Medien erfahren, was in ihrem Unternehmen geplant ist.

"Wir sind fassungslos, was die mit uns machen", hat Angela Schirmer gesagt und von großer Verunsicherung unter ihren Kolleginnen und Kollegen berichtet. Durch die Corona-Krise sei es zudem unmöglich, größere öffentlichkeitswirksame Aktionen zu machen. Mit einer Übernahme des Real-Marktes konnte sich Angela Schirmer bereits vor einigen Wochen anfreunden. Sie wird nun, wie die gesamte Belegschaft, abwarten müssen wie das Kartellamt entscheidet und ob es tatsächlich und wenn ja unter welchen Bedingungen zu der Übernahme durch Kaufland kommt.

Der Kulmbacher Real-Markt war schon einmal unter einer anderen Flagge gestanden. Angefangen hatte es mit dem "Meisterkauf". Doch der zog sich in den 1990-er Jahren aus Kulmbach zurück, nachdem die Metro die gesamte Supermarkt-Kette von Ludwig Meister aus Tirschenreuth gekauft hatte. Aus dem "Meisterkauf" wurde Real. Nun steht möglicherweise bald wieder ein neuer Firmenname an dem großen Gebäude.