„Beide Bewerber sind geeignet“, sagte dritter Bürgermeister Stefan Schuh (JB), der die Sitzung leitete. Nina Hellbach (Frauenliste) betonte: „Wir haben ein Luxusproblem.“ Xhavit Mustafa (Grüne) sagte: „Schwierige Entscheidung.“

Angebote haben die evangelische Familienbildungsstätte und das Kinder- und Elternzentrum Mama Mia abgegeben. Der Unterschied: Die Bildungsstätte hat in ihrer Bewerbung neue Räume in der Ludwig-Thoma-Straße in Aussicht gestellt; 80 Quadratmeter inklusive Küche. Sie will sich auch in andere Stadtteile mit Beratung an anderen Standorten vernetzen.

Der Verein Mama Mia zeichnet sich an seinem Standort in Moritzhöfen durch ein offenes Beratungsangebot aus. Die Mitarbeiter wollten ihre Präsenzzeiten dort ausweiten. Sozialreferentin Manuela Brozat und die Verwaltung schlugen die Bildungsstätte vor.

Zielgruppe sind Eltern vom Säugling bis zum Hortkind

Was macht so ein Familienstützpunkt? Experten beraten dort Eltern in einer wohnortnahen Kontakt- und Anlaufstelle, in der unkompliziert auf Fragen des Erziehungsalltags eingegangen wird. Zielgruppe sind Eltern vom Säugling bis zum Hortkind. Zum Beispiel soll es um Themen wie das Stillen oder den Umgang mit Schreikindern gehen. Gefördert wird das Projekt durch den Freistaat Bayern. Es kostet 40.200 Euro. Wie hoch die Förderung ist, hängt von der Geburtenzahl des Vorvorjahres ab. Für den jetzigen Antrag ist 2019 entscheidend. Da gab es in Bayreuth 517 Geburten. Pro Kind fließen 30 Euro aus München.

Ingrid Heinritzi-Martin (CSU) betonte den Nutzen der Familienstützpunkte. „Das sind segensreiche Einrichtungen.“ Es gebe in Bayreuth viele, die wegen dem Beruf hergezogen sind und nicht auf Unterstützung von Großeltern bauen könnten. SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Bauske sprach sich für die Bildungsstätte aus. „Dadurch bekommen wir ein zusätzliches Angebot als Mehrwert für die Stadt.“ Halil Tasdelen (SPD) war für Mama Mia. „Dort wird viel ehrenamtlich gemacht und es wäre eine Aufwertung, wenn wir die Stelle dorthin geben würden.“

Neuer Anlaufpunkt in der Stadt

Luisa Hübner (Grüne) war „von beiden Bewerbungen begeistert“. Jedoch habe sich ihre Fraktion für Mama Mia entschieden. „Der Verein leistet im Bereich Migration tolle Arbeit und hätte durch das Geld die Chance, erheblich professioneller zu arbeiten.“ Auch sei eine konfessionell unabhängige Stelle besser. Hellbach (Frauenliste) sagte, durch die „offene und unorganisierte Struktur“ des Mama Mia falle es Familien leichter, Angebote zu nutzen.

JB-Fraktionsvorsitzender Christopher Süss sah die Bildungsstätte im Vorteil, da sie einen neuen Anlaufpunkt in der Stadt bringe und Erfahrungen aus anderen Städten nutzen könne. Auch Elmar Fertig-Dippold vom evangelischen Jugendwerk, Kirchenvertreter im Ausschuss, war für das Bildungswerk. „Dort gibt es mehr Erfahrung in verschiedenen Bereichen.“

Sozialreferentin Brozat betonte, dass zwei Familienstützpunkte „für Bayreuth optimal“ wären. „Wir starten mit einem und können aufstocken, wenn das Projekt gelingt.“ Jugendamtsleiter Peter Krodel sprach von einer „Testphase“. Ob es einen zweiten Stützpunkt gebe, sei nicht sicher. Die Gelder würden befristet auf ein Jahr gezahlt.

Letztlich setzte sich der Verwaltungsvorschlag pro Bildungsstätte knapp durch. Bei zwölf Abstimmenden waren Hellbach, Hübner, Mustafa, Tasdelen und Marion Tost (Arbeiterwohlfahrt) dagegen.