Physiker Harald Lesch "Der Natur ist Politik egal"

BAYREUTH. Kaum einer kann Wissen so humorvoll und verständlich vermitteln wie er. Und natürlich schafft es der Astrophysiker Harald Lesch mit Leichtigkeit, zwei Hörsäle voller Studenten, 1000 an der Zahl, spielend zu unterhalten. Im Audimax der Universität Bayreuth war er am Montagabend zu Gast bei der wenige Wochen alten Gruppe Students for Future.

Denn der Münchner Hochschullehrer, Mitglied im Bayerischen Klimarat und ZDF-Moderator („Leschs Kosmos“), spricht frei, ist locker, witzig und überzeugend.

Der Naturwissenschaftler setzt sich wie die Studenten und die demonstrierenden Schüler mit anderen Wissenschaftler für mehr Klimaschutz ein. Das Pariser Klimaschutzabkommen aus dem Jahr 2015 verpflichtet 195 Staaten, die globale Erwärmung verbindlich unter zwei Grad Celsius zu halten. Darüber hinaus haben alle Länder versprochen, die Erwärmung dauerhaft auf 1,5 Grad zu begrenzen. „Macht unsere Zukunft nicht kaputt“, fordert Lesch die Politik auf und erhält Applaus von den Studierendem im voll besetzten Audimax. „Das kann doch von keinem, der bei Verstand ist, abgelehnt werden.“

Klimaschutz kein Thema für Parteien

Umwelt- und Klimaschutz seien im Grunde keine Themen für Parteien. Denn: „Die Natur hat keine politischen Interessen“, sagt Lesch. An ausgewählten Beispielen wie Sibirien und Alaska zeigt er auf, wie dramatisch die Situation bereits ist. Von 1906 bis 2016 sei es immer heißer geworden, wie die Daten einer Studie belegen.

Noch immer würden Milliarden von Subventionen für Umweltschutz falsch ausgegeben. Die Gesellschaft müsse ökologischer werde. „Und wir müssen uns immer wieder selbst motivieren, dran zu bleiben“, appelliert Lesch an die Zuhörer. „Wir müssen quasi die Hämorride am Hintern der Regierung sein.“ Oder anders gesprochen: So lange nerven und Fakten wiederholen, bis der Klimawandel nicht mehr geleugnet werden könne. „Die Natur selbst nimmt nichts persönlich“, sagt Lesch. „Sie funktioniert nach Gesetzen.“

Hannes Kohlhoff und Sophia Appl Scorza sind Mitbegründer der Bayreuther Students for Future. Sie haben sich die protestierenden Schüler der Fridays for Future zum Vorbild genommen und vor gut vier Wochen eine Hochschulgruppe als Bindeglied zu ihnen gegründet. „Das hat noch gefehlt“, sagt Kohlhoff, der zu der Studierendenversammlung eingeladen hat, die laut bayerischem Hochschulgesetz nicht rechtlich bindend sei.

Fünf-Punkte-Katalog aufgestellt

„Für uns hat das symbolischen Charakter, weil wir über unsere Forderungen zum Klimaschutz abstimmen lassen wollen.“ In Berlin, München und an anderen Universitäten des Landes formierten sich ähnliche Gruppen, die auf Facebook zu finden seien. „Der Klimanotstand lässt sich nicht mehr leugnen. Wir müssen die Klimakrise endlich anerkennen.“

Das fordern die Students for Future nun in ihrem Fünf-Punkte-Katalog von der Hochschulleitung. Die soll bis 2023 einen klimaneutralen Unibetrieb ermöglichen und die Netto-CO2-Emissionen bis dahin senken. Nachhaltigkeit sollte in Bildung und Forschung oberstes Ziel sein, was regelmäßig zu prüfen sei.

Dass die Uni das Thema keineswegs verschlafen hat, verdeutlicht Prof. Christian Laforsch, Vizepräsident für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs. Hierfür stünden das Profilfeld Ökologie und Umweltwissenschaften, das Bayreuther Zentrum für Ökologie und Umweltforschung (Bayceer) und die Initiative Green Campus. Die Uni verleihe zudem einen Nachhaltigkeitspreis für die beste Abschlussarbeit zum Thema nachhaltige Entwicklung.

 

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