Pfarrerin Gerlinde Lauterbach zur Adventszeit Advent ist Ankommen – doch wer oder was kommt an?

red

Selige Worte zur Adventszeit

Morgen wird die erste Kerze am Adventskranz angezündet. Pfarrerin Gerlinde Lauterbach Foto: Archiv/Brigitte Grüner

Pegnitz - Die diesjährige Adventszeit ist abermals geprägt von der anhaltenden Corona-Pandemie. An diesem und ebenfalls an den kommenden drei Samstagen wird die Redaktion jeweils eine Kerze am Adventskranz anzünden und das Bild mit einigen geistlichen Worten untermalen. An diesem Samstag lesen Sie einen Beitrag von Pfarrerin Gerlinde Lauterbach von der evangelisch-luthe-rischen Kirchengemeinde Pegnitz.

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„Ich bin noch nicht ganz da. Lass mich doch erst mal ankommen!“ Diesen Satz haben Sie wahrscheinlich auch schon gehört oder selbst gesagt. Kaum zum Besuch angekommen, schon die Frage: „Was willst du trinken, kann ich dir etwas anbieten?“ „Jetzt lass mich doch erst mal ankommen!“ Kaum aus dem Sommerurlaub zurück (wenn er denn stattgefunden hat), schon sehen wir Lebkuchen und Spekulatius in den Geschäften gestapelt. „Ich bin doch mit meinen Gedanken noch ganz woanders.“ Wir sind dann meistens nicht dort, wo wir sind. Wir sind mit unserer Seele noch nicht angekommen.

Advent ist eine Chance, die Seele nachkommen zu lassen. Bei mir daheim zu sein.

Ankommen, das richtet sich nicht nur auf das Fest aus, nicht nur auf das nächste Jahr.

Ankommen auch im Sinn von: Wo bin ich ganz bei mir? Was ist mein Lebensziel? Was ist der Sinn in meinem Leben? Das ist das sich Besinnen, das Nachsinnen des besinnlichen Advents.

Was ist meine Lebensaufgabe, was ist mein Lebensziel? Bedeutet das nicht, den Herzensfrieden zu finden? Sich mit sich selbst und der Welt zu versöhnen?

Aber weil wir oft nicht bei uns sind, erleben wir Christus als den Kommenden. Er ist jedoch schon längst bei uns. Vor 2000 Jahren ist er als Mensch auf diese Erde gekommen – um mit uns zu sein. Die Frage ist, ob Jesus auch wirklich bei uns ankommt, ankommen kann, ob wir bereit sind? Gott kommt in jedem Augenblick. So sagen es die Mystiker.

Gott kommt in vielerlei Weise zu uns. Gott kommt in den notleidenden Menschen zu uns. Er kommt in der Pflegekraft im Krankenhaus und im Pflegeheim zu uns, der es das Herz zerreißt beim Anblick des Leides, das sie tagtäglich mit ansehen muss. Gott kommt in Gestalt der Verkäuferin im Supermarkt zu uns, die immer noch freundlich ist, obwohl sie sich so manches anhören muss. Gott kommt in jedem Lächeln, das wir hinter der Maske erahnen. Aber wir sind so sehr auf unsere Bilder von Gott fixiert, dass wir sein Kommen oft übersehen. Wir warten immer auf etwas Außergewöhnliches und merken nicht, wie Gott täglich zu uns kommt in Menschen, die uns um etwas bitten, Menschen die uns ein Lächeln schenken.

Jede Begegnung mit einem Menschen kann ein Ankommen Gottes sein, ein besonderes Ereignis werden, wenn wir offen dafür sind. Nutzen wir die Adventszeit, um bei uns anzukommen, damit Gott ankommen kann in jedem Augenblick unseres Daseins. red