Peter Maffay rockt drei Stunden durch Bayreuth ist wieder Open-Air-Stadt

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Stühle, 10.000 Stück, sieben Brücken und ein Peter Maffay: Der verknitterte Gefühlsrocker bringt die Massen auf den Volksfestplatz. Bayreuth ist wieder Open-Air-Stadt.

 Foto: red

Maffay zeigt gleich beim Soundcheck, wer musikalisch die Lederjacke anhat: „Mir ist alles scheißegal, Hauptsache der Bass stimmt.“ Der Altrocker, immerhin wird er heuer 64 Jahre, übt mit seinen Musikern fast anderthalb Stunden vor dem Auftritt. Bei ein paar Liedern schmeißt er den kompletten Schluss um. Es sind zwar nur Feinheiten, aber er will eben, dass der Chor entspannt und nicht „kaninchenhaft“ rüberkommt.

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Und das Üben fruchtet. Später beim Auftritt klappte es genauso, wie Maffay es vorgeschrieben hatte. Den Fans gefällt’s. Immer wieder kokettiert Maffay mit seinem Alter – und dem seiner Fans. Wundert sich über die vielen „faltenfreien Gesichter“. Aber auch über jugendliche Zuhörer, deren Mütter gute „Basisarbeit geleistet“ hätten.

Eigentlich ist er viel zu groß, der Volksfestplatz, es bleibt noch viel Platz um die Stuhlreihen. Aber er ist fast ausverkauft. Nur drei-, vielleicht vierhundert Stühle bleiben unbesetzt. Aber die meisten sind dauerbesetzt. Nur vorne, direkt vor der Bühne sind sie aufgestanden. „Arme nach oben“, ruft Maffay, und vorne gehen sie nach oben. Je vorne, desto oben. Aber dann kam das Lied der Lieder „Und es war Sommer“ und dann standen auch die hinten von ihren Stühlen auf. Es sind eben doch seine alten Lieder, für die sie ihn lieben. Es glühen die Wunderkerzen und die Erinnerungen. „Und ich bin 60, und sie ist ...“, nein, das wolle er jetzt nicht ausrechnen. Maffay weiß, was er seinen Fans schuldig ist. Nachdem er dann doch 16 und sie 31 war, brauste zum ersten Mal so richtiger Applaus über den Volksfestplatz. Mit seinem anderen Gassenhauer „Über sieben Brücken musst du geh’n“ übergibt er für ein paar Lieder an Laith al Deen. Open-Air war es nicht nur für die Besucher direkt auf dem Platz. Vor der Absperrung standen die Kiebitze und hörten, um ehrlich zu sein, ziemlich gut. Ebenso auf den Balkonen ringsum und in den Gärten.

Obwohl er vor dem Konzert dem Kurier sagte, er müsse mit der Kraft seiner Stimme haushalten, zog Maffay das Konzert mit voller Kraft durch. Nach drei Stunden und einem Geburtstagsständchen und drei Zugaben schaltete er punkt 23 Uhr die Mikrofone aus. Noch immer ist er vor den Konzerten aufgeregt, nach all den Jahren auf der Bühne. „Aber wenn du dann rausgehst und die Leute siehst ...“ Gestern waren es die Bayreuther, diese „freundlichen Menschen“. Heute früh fährt er gleich zum nächsten Konzert. „Meistens ist es nur Leidenschaft“, hatte er vorher gesagt.

Fotos: Kolb