Peter Handke im Interview Kein Vertrauen in die aktuelle Literatur

Peter Handke hat mehr als 20 Theaterstücke geschrieben. Foto: Kerstin Joensson/AP/dpa

WIEN. Literaturnobelpreisträger Peter Handke kennt nach eigenem Bekunden wenig von der aktuellen Literatur. „Fast eine Schande von mir, dass ich so wenig lese, was heutzutag' geschrieben wird, weil ich kein rechtes Vertrauen habe“, sagte der 76-Jährige dem österreichischen Magazin „News“.

So kenne er die Werke der ebenfalls vergangene Woche mit dem nachgeholten Nobelpreis für 2018 ausgezeichneten Olga Tokarczuk gar nicht. In dem Gespräch, das vor einer Woche geführt und am Freitag veröffentlicht wurde, unterstreicht Handke seine Medienkritik. Er habe den Eindruck gehabt, dass kaum einer der Journalisten, die nach der Preisverkündung vor sein Haus bei Paris gekommen seien, je etwas von ihm gelesen habe. Es seien sofort provokative Fragen zu seiner umstrittenen Haltung im Jugoslawien-Konflikt gestellt worden. „Im Nachhinein habe ich mir gedacht, ich hätte ein paar Fußtritte austeilen sollen.“

Handke ist für seine proserbische Haltung erneut stark in die Kritik geraten. Unter anderem der Gewinner des Deutschen Buchpreises, der gebürtige Bosnier Sa?a Stani?ic, hatte Handke ein Ausblenden serbischer Gräueltaten vorgeworfen. Regie-Altmeister Claus Peymann (82) hat Handke dagegen verteidigt. Der Konflikt um Handke sei „sehr aufgeblasen“, letztlich spiele auch sein ungewöhnlicher Charakter eine entscheidende Rolle: „Er ist kein Opportunist, er richtet sich nicht nach der Mehrheit, sondern spricht seine eigene Meinung aus, wie das Schriftsteller machen sollten“, sagte Peymann der „Rhein-Neckar-Zeitung“ (Heidelberg/Freitag). Der vielfach preisgekrönte Regisseur hat zahlreiche Handke-Stücke auf die Bühne gebracht, darunter auch „Die Fahrt im Einbaum“ über den Jugoslawien-Krieg.

Handke hatte zuletzt einen Medientermin in seiner österreichischen Heimat Griffen abgesagt. Als Grund gilt ein ungeplantes Zusammentreffen mit Journalisten am Vorabend des Termins, bei dem er erneut nach seiner Haltung im Jugoslawien-Konflikt gefragt worden war.

Ein neues Handke-Stück wird 2020 bei den Salzburger Festspielen zu sehen sein. Es geht dabei um den jungen Tschechen Zdenek Adamec, der sich 2003 aus Protest gegen die Verhältnisse anzündete. Es sei kein Auftragswerk für die Salzburger Festspiele, sagt Handke dem Magazin „News“. „Die Festspiele haben es sich halt geschnappt. Es war ein schöner Streit zwischen Burgtheater und Salzburg.“

 

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