Pendler, Hausbesitzer, Heizölhändler und Busunternehmer profitieren vom niedrigen Ölpreis Billiger Sprit: Das geht runter wie Öl

Von Carolin Grotjahn

Der Ölpreis ist so niedrig wie seit Jahren nicht mehr. Das liegt daran, dass Ölförderländer wie die USA oder Saudi-Arabien immer größere Mengen fördern. Das Angebot steigt, gleichzeitig sinkt die Nachfrage wegen der schwachen Konjunktur in vielen Ländern. Der Kurier hat sich in der Region umgehört, wer wie stark vom niedrigen Ölpreis profitiert.

 Foto: red

Der Heizölhändler: Hat zahlungswilligere Kunden

„Viele Kunden, die ihre Öltanks im vergangenen Jahr nur teilweise vollgemacht haben, tanken jetzt ganz voll“, sagt Robert Raimund, Geschäftsführer der Firma Raimund in Creußen. Der Heizöllieferant hat im Dezember 2014 insgesamt 40 Prozent mehr Heizöl verkauft als im Dezember 2013. „Wir haben zwar nicht mehr Kunden bekommen, aber die existierenden Kunden sind zahlungswilliger.“ Im Dezember 2014 hat ein Haushalt bei ihm im Durchschnitt 500 Liter mehr getankt als im Dezember 2013. Allerdings profitiert der Händler nicht direkt vom niedrigeren Ölpreis: Die Kunden bekommen das Heizöl zum Tagespreis. Der Prozentsatz, den die Firma pro gekauftem Liter verlangt, ist immer derselbe, egal, wie hoch der Preis pro Liter ist.

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Die Pendlerin: Kann vom gesparten Geld essen gehen

„Im Oktober 2014 habe ich über 90 Euro im Monat fürs Pendeln ausgegeben“, sagt Silvia Roß aus Escherlich bei Bad Berneck. „Gerade liegen die Kosten bei 70 bis 75 Euro im Monat. Von dem gesparten Geld könnte einmal essen gehen.“ Roß pendelt unter der Woche für ihre Arbeit nach Bindlach. Ihr Arbeitgeber zahlt ihr nichts zum Sprit dazu, aber sie kriegt ein bisschen Geld von der Steuer zurück. Dieser Betrag variiert. „Gerade bin ich im Vorteil, ich zahle weniger Geld für den Sprit, aber kriege deswegen nicht weniger von der Steuer raus.“

Der Busunternehmer: Investiert in die Firma

„Wir haben in der letzten Zeit beim Sprit ein paar tausend Euro gespart“, sagt Peter Heser, Geschäftsführer des Busunternehmens. „Aber wenn der Spritpreis sinkt, wird das durch andere Kostensteigerungen aufgefressen.“ Das Busunternehmen hat drei Kostenblöcke: Personal, Fahrzeuge und Kraftstoff. Das Geld, das momentan beim Kraftstoff gespart wird, fließt ins Personal und in die Fahrzeuge. Das Unternehmen hat zum Beispiel vor kurzem erst Geld für drei neue Busse ausgegeben, und bald stehen Lohnerhöhungen für das Personal an. „Aber wenn der Sprit irgendwann die Hälfte vom jetzigen Stand kostet, dann bleibt vielleicht was als Gewinn übrig, das nicht sofort investiert werden muss“, sagt er.

Der Hausbesitzer: Will in die Toskana

„Bei meiner letzten Lieferung im Oktober 2013 habe ich 2548 Euro gezahlt“, sagt der Hauseigentümer. „Jetzt wären es ungefähr 1710 Euro. Das ist eine Differenz von etwa 840 Euro, davon würde ich glatt drei statt zwei Wochen in die Toskana fahren.“ Herrmanns Tank fasst 8500 Liter, was für drei Jahre reicht. Allerdings leert er seinen Tank normalerweise nicht komplett und tankt nur etwa 3000 Liter, genug für ein Jahr. „Ich denke, dass die Preise noch weiter fallen werden. Wenn das wirklich so ist, werde ich meinen Tank dieses Jahr erst komplett leer und dann ganz voll machen“, sagt Herrmann.

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Fotos: Wittek (3), Münch (1)