„PegnitzDialog“ zur Lage der Asylbewerber: Sie engagieren, sich, sie integrieren sich Flüchtlinge sind angekommen in Pegnitz

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Integration durch Sport: Auch eine Fußballmannschaft haben die Flüchtlinge gegründet und damit schon an zwei Turnieren teilgenommen. Foto: Archiv/Marcel Staudt Foto: red

Zwei Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge gibt es derzeit in Pegnitz, dazu noch drei Wohngruppen in zwei Einrichtungen der Jugendhilfe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die der Verein Condrobs betreut. Ein Austausch zwischen Bürgern und Betroffenen fand nun im Zuge der Reihe PegnitzDialog unter dem Motto „Vom Ankommen zur Integration“ im Altenstädter Schloss statt. Es ging um die aktuelle Lage, um Ängste, um Zuversicht.

Bürgermeister Uwe Raab hatte dazu die geflüchteten Menschen wie die Bevölkerung eingeladen, um über offene Fragen miteinander ins Gespräch zu kommen. Weit über 50 Zuhörer kamen. Die Integration in einer Kleinstadt wie Pegnitz biete weitaus bessere Voraussetzungen als in den großen Ballungszentren, so Raab. Nur über den ständigen gemeinsamen Austausch könne Vertrauen entstehen. Mit ihren Taten und Worten hätten die geflüchteten Menschen in Pegnitz bereits gezeigt, dass sie den Willen besitzen, sich in Pegnitz zu engagieren und zu integrieren.

Die ersten Erfolge

Veronika Kobert, die Integrationsbeauftragte für Pegnitz, sagte, dass aktuell 105 Geflüchtete aus elf Ländern Afrikas und des Nahen Ostens in den Gemeinschaftsunterkünften sowie 25 unbegleitet minderjährige Flüchtlinge in den Wohngruppen im ehemaligen Milchhof und im Kleinen Johannes leben. Erste Erfolg ihrer nunmehr viereinhalb monatigen Arbeit seien die Gründung der Mittwochs- und Freitagstreffs im Schülercafé Bartl. Weiter haben sich eine Trommelgruppe und eine internationale Fußballmannschaft gegründet. Die Fußballer beteiligten sich schon am Fußstockturnier und am Kappelberg-Cup anlässlich des Buchauer Dorffestes. Ihre eigene Wohnerfahrung als Aussiedlerin im Blauen Haus sei „ein Türöffner bei den heutigen Flüchtlinge“.

Spenden sichern Job

Dekan Gerhard Schoenauer erläuterte, wie mit dem Pegnitzer Integrationskonzept „Lehrpfade in die Stadtgesellschaft“ die Verantwortlichen der Landeskirche überzeugt werden konnten, einen erheblichen Geldbetrag, ergänzend zu den Einlagen aus der Pegnitzer Wirtschaft, der Stadt Pegnitz und vieler weiterer privater Spenden, dafür zur Verfügung zu stellen. So könne eine mehrjährige Beschäftigung von Veronika Kobert finanziert werden.

Beim FC Pegnitz als Spieler dabei

Der 30-jährige Aziz Waraba bedankte sich in gutem Deutsch im Namen aller in Pegnitz untergebrachten Menschen für die herzliche Aufnahme und die Hilfsbereitschaft, die ihnen vom Unterstützerkreis und Stadt entgegen gebracht wird. Man fühle sich in Pegnitz bestens aufgenommen, so Waraba. Er selbst spielt mittlerweile beim FC Pegnitz Fußball.

Wohnungen bald fertig

Ursula Reinhardt, Kirchenpflegerin in der katholischen Pfarrei Herz Jesu, gab bekannt, dass in Kürze mit der Fertigstellung zweier Wohnungen im Pfarrhaus Pegnitz zu rechnen ist, die mittels der Unterstützung eines erzbischöflichen Fonds aufwendig renoviert werden konnten. Diese stünden ausdrücklich anerkannten Flüchtlingsfamilien zur Verfügung.

Bitte gleich melden

Die Sorge eines Bürgers, dass die Toleranz gegenüber dem Christentum in den Flüchtlingskreisen nicht sehr ausgeprägt sei, wurden von anderen Gesprächsteilnehmern vehement verneint. Bürgermeister Raab appellierte an die Flüchtlinge, bei Hinweisen auf mögliche Radikalisierung, Gewalt oder terroristischer Tendenzen von Einzelnen diese weiterzugeben und sich an Vertrauenspersonen oder die Polizei zu wenden. Veronika Kobert schilderte dazu aus ihren Gesprächen nach den Anschlägen von Würzburg, München und Ansbach, dass von den Flüchtlingen Leid und Schmerz erlebt wird, wenn im Namen des Islam Terrorakte geschehen. Das schade auch ihrer Integrität und ihrem Vertrauen, so die Flüchtlinge. Ebenso gäbe es bereits einige Geflüchtete, die vom Islam zum Christentum konvertiert sind.

Die Sprache lernen!

Renate Steinhagen vom Pegnitzer Unterstützerkreis berichtete, dass bereits sechs Wohnungen, zwei in Pegnitz und vier in Bayreuth, mit gespendeten Möbeln komplett eingerichtet werden konnten. Sie äußerte den Wunsch, dass die Geflüchteten in Pegnitz bleiben, auch wenn die Sehnsucht nach der Großstadt bei vielen vorhanden sei. Die gebürtige Berlinerin kennt die Probleme in einer Metropole . Die Geflüchteten rief sie auf, auch das deutsche Essen hier und da wenigstens mal zu probieren. „Ihr werdet sehen, so schlecht ist das gar nicht“.

Kaum Probleme, sagt die Polizei

Roman Markert, stellvertretender Dienststellenleiter der Pegnitzer Polizeiinspektion, bestätigte, dass in Pegnitz keinerlei Sicherheitsprobleme erkennbar seien. Es gäbe zwar ab und an Reibereien innerhalb der Unterkünfte, aufgrund der Situation und des beengten Zusammenlebens sei dies aber nachzuvollziehen.

Noch mehr Vereinskontakte sollten sein

Charly Rotmann vom Verein Condrobs, der die minderjährigen Flüchtlinge in der Einrichtung im Kleinen Johannes betreut, berichtete von einer gewissen Zurückhaltung, Scheu und Scham der Jugendlichen unbeschwert und befreit in die Pegnitzer Welt hinaus zu gehen. „Wenn sie aber mal aufgetaut sind, haben sie hier große Freude“. Sie bräuchten aber noch mehr Vereinskontakte. Abschließend forderte Bürgermeister Raab die Geflüchtetn noch einmal eindringlich auf, die deutsche Sprache als Schlüssel zur Integration zu lernen.

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