Der Entscheidung war bekanntlich eine intensive Kommunikation mit den Vereinen vorausgegangen und letztlich wurde auch ein Meinungsbild eingeholt. Dort stimmten 68,13 Prozent und damit über zwei Drittel der Klubs, die an der Abfrage teilgenommen hatten, für den vom Vorstand vorgeschlagenen und jetzt auch so beschlossenen Weg. In absoluten Zahlen ausgedrückt hatten 2178 Vereine für „Ja“ gestimmt, 1019 (31,87 Prozent) sprachen sich dagegen aus. Jeder am Spielbetrieb in Bayern teilnehmende Klub hatte dabei eine Stimme. Die Abstimmungsbeteiligung lag bei 73,53 Prozent.

Bildung von Arbeitsgruppen

Auf den Verband, dem rund 4600 Vereine mit insgesamt mehr als 1,6 Millionen Mitgliedern angehören, wartet in den nächsten Wochen jede Menge Arbeit. Unter Berücksichtigung rechtlicher und spieltechnischer Aspekte müssen nun Anpassungen in den Verbandsstatuten vorgenommen werden. Dafür setzt der Vorstand fünf sogenannte „Lösungs-Arbeitsgruppen“ ein. Diese befassen sich mit den Themen Vereinswechsel, Spielbetrieb Erwachsene, Spielbetrieb Juniorinnen und Junioren, Meldungen und Fristen sowie Einbettung in Regularien.

Dabei werden die Arbeitsgruppen personell mit ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern besetzt, hinzu kommen Funktionsträger mit Spielbetriebs-Erfahrung aus den Bezirken und Kreisen sowie hauptamtliches Personal aus den zuständigen Fachabteilungen der BFV-Zentrale in München. Auch Vereinsvertreter, die den Querschnitt der Mitgliedsvereine unter dem Verbandsdach abbilden, sollen gemäß dem Vorstandsbeschluss in diesen Arbeitsgruppen mitarbeiten. Die komplette personelle Besetzung wird der Verband in der kommenden Woche veröffentlichen.

An schnellen Lösungen interessiert

„Wir haben immer klar betont, dass auch unser Weg Probleme mit sich bringen wird, die uns vor eine große Herausforderung stellen. Das wissen wir und so handeln wir jetzt“, sagt Jürgen Igelspacher. Der hauptamtliche Geschäftsführer des größten der 21 Landesverbände des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zeichnet für die Umsetzung des Vorstandsbeschlusses verantwortlich und hatte diesen federführend vorbereitet. Ein Stimmrecht besitzt der Jurist nicht: „Es gibt viele Fragen zu klären, unser Ziel ist es, schnellstmöglich fundiert zu Ergebnissen zu gelangen. Wir wollen und werden Antworten liefern. Wir werden aber alles feinsäuberlich abarbeiten müssen und wir werden keine Was-Wäre-Wenn-Diskussionen in der Öffentlichkeit führen.“ Igelspacher stellt eines klar: „Gründlichkeit geht vor Geschwindigkeit. Trotzdem wollen wir möglichst rasch liefern, denn die Fragen sind drängend. Jeder will wissen, woran er ist. Und wir wollen mit unseren Antworten auch möglichst viele von denen überzeugen, die jetzt mit ,Nein’ gestimmt haben. Auch wenn wir wissen, dass am Ende nicht alle jubeln werden.“

Neudrossenfelds Vorsitzender gelassen

Der Vorsitzende des Nordost-Landesligisten TSV Neudrossenfeld, Gerald Weinrich, sieht den Verbandsbeschluss eher gelassen. „Wir haben ja mit Auf- und Abstieg nichts mehr zu tun, daher sehen wir die ganze Sache recht gelassen. Aber ich kann mir nicht so recht vorstellen, wie das Ganze dann ab 1. September, so es denn bei diesem Termin bleibt, weitergehen soll. Richtig emotional wird man in diese Spielzeit nicht mehr einsteigen.“ Sein Wunsch wäre es gewesen, die Saison abzubrechen, zu annullieren und im September neu zu starten. „Dann hätte man die wenigsten Probleme, die Ligen stünden bereits fest. Bis Weihnachten hätte man die Vorrunde sicherlich irgendwie durchgebracht und dann im nächsten Jahr die Saison zu Ende spielen können.“ Bei dem jetzt angedachten Modell könnte es schwierig mit der kommenden Saison werden. „Da könnte nur ein Ganzjahresspielplan Abhilfe schaffen. 34 Spiele in ein halbes Jahr packen ist ein Ding der Unmöglichkeit.“

Saaser Coach glaubt nicht an 1. September

Für den Trainer des Bezirksligisten BSC Bayreuth-Saas, Jörg Pötzinger, geht die Verbandsentscheidung in Ordnung. „Rein sportlich ist es das Beste, wenn man etwas zu Ende spielen kann.“ Doch was macht er mit seinem Team bis zum Stichtag? „So lange man nicht gemeinsam trainieren kann und die Fußball- und Bolzplätze gesperrt sind, brauchen wir über dieses Thema gar nicht zu reden.“ Natürlich hat er seinen Schützlingen Hausaufgaben gegeben, „und die Jungs haben ihre Laufapps in die Gruppe gestellt. Mehr geht momentan aber nicht.“

Pötzinger zweifelt den 1. September als Starttermin ohnehin an: „Dazu brauchst Du erst einmal eine sehr hohe Immunität in der Bevölkerung und einen Impfstoff. Ob das bis dahin gegeben ist? Und wenn man die Saison, aus welchen Gründen auch immer, in diesem Jahr nicht mehr zu Ende spielen kann, muss es ja im nächsten Jahr weitergehen.“ Doch ob es dann eine Saison 2020/21 geben wird? „Vielleicht schafft das Virus das, was viele Funktionäre nicht geschafft haben: Vielleicht gibt es dann endlich einen Ganzjahresspielplan. Damit man zur schönsten Jahreszeit auch einmal Fußball spielen kann“, nimmt Pötzinger kein Blatt vor den Mund.