Hausärztechefin versteht Kollegen
Wir baten den Bayerischen Hausärzteverband um eine allgemeine Stellungnahme. Es sei richtig, dass die Heilmittelverordnung derzeit gewisse Restriktionen vorsehe, erläuterte Bezirksvorsitzende Dr. Petra Reis-Berkowicz. Sie praktiziert als Allgemeinärztin in Gefrees. Im Heilmittelkatalog sei festgelegt, welche Patienten wie lange bestimmte Hilfsmittel verordnet bekommen. Wenn ein Arzt nun mehr Hilfsmittel pro Quartal verordnet als sein Budget vorsieht, drohe ihm Regress, der von wenigen 100 Euro bis zu 30 000 bis 40 000 Euro reichen kann. Aber: Der Arzt kenne sein fiktives Budget nicht einmal, er könne nur aus Erfahrungswerten schätzen, wann es überschritten sein könnte. Beim Hilfsmittelbudget seien alle Ärzte „an der Grenze“. Damit jeder Patient die Hilfsmittel bekommt, die er für das Gesundwerden braucht, schlug die Vorsitzende ein Modell vor, das es seit 2014/15 für das Verschreiben von Arzneimitteln gibt: Keine feste Budgetgröße, dafür eine krankheitsbezogene Verschreibung. Aktuell werde über eine effektivere Heilmittelverordnung verhandelt. Reis-Berkowicz zeigte Verständnis für das Verhalten der Kollegen, am Ende des Quartals keine Hilfsmittel mehr zu verordnen. Es sei aber auch verständlich, dass sich die Patientin darüber aufregt, und Krankengymnastik und Lymphdrainage nicht aus eigener Tasche zahlen könne.