Party eskaliert Eine Ohrfeige und Tritte gegen das Knie

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Wegen Körperverletzung gegen Polizisten müssen sich drei Studierende vor dem Amtsgericht Bayreuth verantworten. Foto: David Ebener/dpa

Eine Party ist in einer Nacht im Dezember 2019 aus dem Ruder gelaufen. Als wegen Ruhestörung herbeigerufene Polizisten einschreiten, finden sie eine geringe Menge Marihuana. Die Situation eskaliert.

Bayreuth - Sie sollen auf Polizisten eingeprügelt, eine Polizistin an den Haaren gezogen und sich vehement gegen die Mitnahme gewehrt haben: Drei Studierende, damals knapp über 20 Jahre alt, müssen sich vor dem Bayreuther Amtsgericht verantworten. Stein des Anstoßes: 1,27 Gramm Marihuana.

1,27 Gramm Marihuana

Was genau in jener Nacht im Dezember 2019 passiert ist, hat die Staatsanwaltschaft ausführlich in ihrer Anklageschrift aufgeführt. Wegen fortdauernder Ruhestörung in einer Location im Gewerbegebiet Glocke rückt gegen 2.20 Uhr die Polizei an. Im Nebenraum des Gebäudes finden die Polizeibeamtin und ihr Kollege ein kleines Schraubverschlussglas. Darin: 1,27 Gramm Marihuana. Ein Partygast nimmt das Glas an sich, die Polizisten nehmen es ihm wieder ab. Warum? Er habe nicht, schreibt die Staatsanwaltschaft, über die für den Umgang mit Betäubungsmitteln erforderliche Erlaubnis verfügt. Daraufhin sei der Mann als Beschuldigter im Strafverfahren belehrt worden.

Mann meldet sich freiwillig

Die Situation eskaliert. Die Polizisten beschreiben den Fortgang. Der Mann wird aggressiv, ballt die Fäuste. Er wird am Arm fixiert, um ihn zur Identitätsfeststellung nach draußen zu bringen. Er will sich befreien, schlägt um sich. Es gelingt ihm zwar, sich der Festnahme zu entziehen. Doch wenig später meldet er sich bei der Einsatzzentrale der Polizei und nennt seinen Namen. Jetzt sitzt er auf der Anklagebank.

An den Haaren gezogen

Dieses Schicksal teilen zwei Studentinnen mit ihm. Ihr Vergehen: Tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung. Sie sollen, hat die Staatsanwaltschaft aufgrund der Aussage der Polizeibeamten notiert, sich ihnen in den Weg gestellt, einer Beamtin eine Ohrfeige verpasst und an den Haaren gezogen und um sich getreten haben. Beweise: eine Rötung auf der Wange, ein Hämatom am Knie und länger andauernde Schmerzen. Einer der beiden Frauen gelingt es zu fliehen. In einer Tiefgarage wird sie von Polizisten eingeholt und festgenommen. Ob sie dabei Verletzungen erlitten hat, steht nicht in der Anklageschrift.

Übertriebener Einsatz

Denn die drei Polizisten scheinen nicht zimperlich vorgegangen zu sein. Sagt ein Zeuge, den Amtsrichter Holger Gebhardt befragte. Er hatte die Party verlassen, um eine Freundin abzuholen, sagte der Mann. Als beide zurückkommen, seien „gefühlt 40 Polizisten vor Ort gewesen und zehn Polizeiautos vor der Tür gestanden haben. Es sei turbulent zugegangen, aus dem Nebenraum sei eine „rege Diskussion“ zu hören gewesen. Aber Handgreiflichkeiten habe er nicht beobachtet. Eine Stimme habe laut gerufen, das sei legal und damit wohl den Inhalt des Glases gemeint. Eine andere Stimme habe gerufen: „Fassen sie mich nicht an.“ Er und seine Begleiterin beschließen, den Ort des Geschehens zu verlassen. Unweit entfernt hören sie Hilferufe. Sie gehen der Stimme nach und werden Zeugen, wie eine der beiden Frauen festgenommen wird. Sie liegt am Boden, die Hände mit Handschellen auf dem Rücken fixiert. Ein Polizist habe auf ihrem Rücken gekniet. Man solle sie loslassen, sie habe Schmerzen, habe die Frau gerufen. Beide Zeugen, aufgebracht vom Vorgehen der Polizei, beschließen sofort, sich als Zeugen anzubieten. Das Auftreten der Polizei sei nicht „harmoniebedürftig“ gewesen, sagt der Zeuge. Die Frau wird ins Polizeiauto gebracht. Als eine Polizistin die Tür schließt, soll sie laut gesagt haben: „Die geht mir auf die Nerven.“ Der Zeuge ist sich sicher: „Der Polizeieinsatz gegen die Angeklagte war übertrieben.“

Info: Der Prozess wird am Freitag, 5. November, um 9.30 Uhr mit der Befragung eines Polizisten fortgesetzt.

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