Pandemie Spahn zu Ungeimpften: "Was muss eigentlich noch passieren?"

Jens Spahn will die Schließung von Kitas und Schulen unbedingt vermeiden. Foto: Michael Kappeler/dpa Foto: dpa

Was eigentlich noch passieren müsse, bis sie es kapieren, fragt Spahn in Richtung Ungeimpfter. Die Corona-Lage heizt politische Debatten an. Es geht um schärfere Maßnahmen - und eine Impfpflicht.

Berlin - Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat angesichts der Corona-Lage das Verhalten von Ungeimpften beklagt.

"Es gibt immer noch diejenigen, die glauben, das Virus können ihnen nichts anhaben. Diese Menschen würde ich am liebsten auf eine Intensivstation zerren und sie im Angesicht des Leids fragen: Was muss eigentlich noch passieren, damit ihr es kapiert?" sagte Spahn der "Rheinischen Post".

Spahn: Schärfere Maßnahmen müssen geprüft werden

Der CDU-Politiker hält es für möglich, die für den 9. Dezember geplante nächste Ministerpräsidentenkonferenz vorzuziehen. "Wir werden früher handeln müssen. Wir sehen ja, dass in Sachsen, Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen die Lage sehr ernst ist. Wir müssen wohl erstmals Patienten in großem Stil innerhalb Deutschlands verlegen." Schärfere Maßnahmen für Veranstaltungen, Bars und Clubs müssten geprüft werden.

Auf die Frage, ob er einen Teil-Lockdown ausschließe, sagte Spahn: "Ausschließen sollte man in dieser Lage gar nichts, so bitter das ist." Wichtig sei allerdings, dass alles getan werde, um Schließungen von Kitas und Schulen zu vermeiden.

Müller spricht sich für allgemeine Impfpflicht aus

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller sprach sich währenddessen erstmals für eine allgemeine Impfpflicht gegen das Coronavirus aus. "Ich glaube, wir werden um eine Impfpflicht nicht mehr drumherum kommen", sagte der SPD-Politiker am Dienstag in der RBB-"Abendschau". "Denn nur die Impfung sichert dauerhaft ab, dass wir alles so erleben können, wie wir es wollen. Die hohe Anzahl der Ungeimpften verhindert immer wieder diesen Schritt der Normalität."

Müller, der eine Impfpflicht bisher abgelehnt hatte, sprach von einer schwierigen Abwägung. "Ich bin fest der Überzeugung, es wird zum Schluss immer noch ein paar geben, die alles versuchen, sich der Impfung zu entziehen", sagte er. "Aber ich glaube, es ist nicht mehr tragbar, immer wieder die Geimpften mit zu bestrafen für die Unvernunft der Ungeimpften. Und wir müssen jetzt irgendwann diese Impfquote wirklich so durchsetzen, dass wir alle miteinander sicher leben können."

Das Land sei durch die vielen Ungeimpften in der aktuellen Situation mit vielen Infektionen und vollen Kliniken. "Es ist zwingend, auf das Gesundheitsrisiko zu reagieren", so Müller. "Und die Impflicht oder die Durchsetzung dieser ganzen Impfangebote ist, glaube ich, jetzt das Gebot der Stunde. Ich muss es so sagen, auch wenn es mir schwerfällt."

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