Ostersonntag glüht der Drückofen

Von Peter Engelbrecht

Am Ostersonntag wird der Drückofen im Glas-Knopf-Museum in Weidenberg wieder glühen. Die nun beginnende Saison bis Oktober 2018 ist allerdings die letzte. Denn das Museum wird dann schließen und in ein paar Jahren in das geplante erweiterte regionale Glasmuseum in Warmensteinach integriert werden.

Alte Maschinen sind im Glas.Knopf-Museum in Weidenberg zu bestaunen. Unser Foto zeigt Trägervereinsvorsitzende Brigitte Hadlich und Kassier Herbert Hadlich. Foto: Andreas Harbach Foto: red

Kein Wunder, dass Brigitte Hadlich voller Wehmut ist. „Ein Stück Geschichte geht zu Ende“, sagt die Vorsitzende des Trägervereins Werksiedlung Weidenberg. Das Besondere an dem kleinen Museum im sogenannten Bernt-Haus ist, dass dort ab den 1950er Jahren lange Glasperlen produziert wurden. Immer am ersten Sonntag des Monats, also auch am Ostersonntag, gibt es „heiße Führungen“, bei denen der Drückofen angeheizt wird, um das Herstellen von Perlen und Glasknöpfen zu zeigen. Die Besucher können die schweißtreibende Arbeit der Glasmacher hautnah erleben: Glasknöpfe werden gedrückt, geschert, geschliffen und dann feuerpoliert. Ein wahrlich heißer Job bei Temperaturen zwischen 800 und 1000 Grad Celsius. Und am Perlenwickelplatz kann jeder Besucher sein Geschick beweisen und eines der Schmuckstücke selbst herstellen und gestalten.

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Alte Maschinen sind noch da

Die frühere Druckhütte im Bernt-Haus sowie alle Maschinen und Werkzeuge sind nahezu noch im Originalzustand erhalten. An der Wand hängen rund 100 schwere Drückzangen, mit denen die Glaswaren einst hergestellt wurden. Schon im 15. Jahrhundert wurden im Fichtelgebirge in Waldglashütten Perlen und Knöpfe aus Grünstein produziert. Nach dem Zweiten Weltkrieg brachten die Vertriebenen aus dem Sudetenland ihr Wissen zur Glasveredelung mit. Anfang der 1950er Jahre entstand mit Hilfe des Marshallplans die Werksiedlung in Weidenberg. Mit ihrer industriellen Produktion schufen die „Gablonzer“ Arbeitsplätze, auch für Heimarbeiter. Die bunten Knöpfe und Perlen wurden bis in die USA exportiert. Doch Billigimporte und Kunststoffe führten zum Niedergang. „Es ist schade, dass wir die Original-Drückhütte aufgeben müssen, aber es gibt keine andere Lösung“, sagt Brigitte Hadlich. Der Trägerverein ist überaltert, hat kaum junge Kräfte, die Führungen ehrenamtlich übernehmen. Das Museum muss die Räumlichkeiten Ende 2019 verlassen, der Mietvertrag läuft aus. In Zukunft sollen die Ausstellungsstücke – oder zumindest ein Teil von ihnen – im neuen regionalen Glasmuseum in Warmensteinach gezeigt werden, das ins sogenannte Eisenbahnerhaus oder ins Freizeithaus kommen soll.

Vier Jahre bis zur Eröffnung

Peter Fülle schätzt, dass sich die Eröffnung noch vier Jahre hinziehen wird. Der Vorsitzende des Glasmuseumsvereins Warmensteinach hofft auf „80 Prozent plus x“ Zuschüsse aus der Städtebauförderung für die Sanierung. Das neue Zentraldepots mit einer Nutzfläche von rund 1800 Quadratmeter könnte in einer leer stehenden Produktionsstätte im Ort unterkommen. Unklar sei, wer die Betriebskosten für das neue Museum von 120 000 bis 130 000 Euro jährlich über 20 Jahren hinweg übernimmt. Auch die anderen Fichtelgebirgsgemeinden sollten sich beteiligen, schlägt Fülle vor. Die Gemeinde Warmensteinach lässt derzeit den Raum- und Flächenbedarf ermitteln. Der Regierung von Oberfranken kann aktuell keine Aussagen zur Förderfähigkeit des Vorhabens und zur Höhe möglicher Zuschüsse treffen. Auch ein Zeitplan für die Eröffnung des Museums liegt noch nicht vor.

Info: Das Glas-Knopf-Museum in Weidenberg in der Kristallstraße 5 öffnet am Ostersonntag von 14 bis 17 Uhr. Es ist jeden Sonntag in dieser Zeit zu besichtigen. Der letzte Öffnungstag ist Sonntag, 7. Oktober. Jeden ersten Sonntag im Monat finden „heiße Führungen“ statt. Weitere Informationen gibt es bei Brigitte Hadlich unter Telefonnummer 0 92 78/3 19.