Die Pailletten auf dem Kleid funkeln mit den Augen von Thomas Rainer um die Wetter. Rainer, der für Bayreuth zuständige Museumsreferent der Bayerischen Schlösserverwaltung, sprüht vor Begeisterung, wenn er über das Bühnengewand spricht, in dem mehr als ein Dreivierteljahr Vorbereitungs- und Umsetzungszeit stecken. Und viel Wissen, Arbeit - und Geld. "Billig war das nicht", sagt Rainer. Heute nicht. Und damals, im 18. Jahrhundert auch nicht. Stoff war fast mit Gold aufgewogen worden, wenn man einen Vergleich aus der heutigen Zeit bemühen will. "Die Kollegen in Potsdam haben einmal eine Aufstellung der Rechnungen aus - wenn ich mich recht erinnere - Sanssouci gemacht", sagt die Textilrestauratorin Klaudia Pontz, die eng in die Entstehung des Bühnengewands eingebunden war. "Zwei Drittel der Kosten entfielen auf die Textilausstattung."

Die Pracht des Hofes fand sich auf der Bühne wieder

"Ganz sicher", sagt Rainer, "war auf den Bühnen der Opernhäuser die Pracht des Hofes ablesbar. Das war bei Markgraf Georg Wilhelm so. Und bei Wilhelmine war das sicher auch nicht anders." Peneolpes Bühnen-Gewand in einem kräftigen Grünton, der mit einem gelben Schurz konkurriert, auf dem leicht erhabene Ornamente in einem Fliederton aufgestickt sind, muss auf der Bühne des Opernhauses und der Markgräflichen Komödie, dem Vorläuferbau des Weltkulturerbes, zu sehen gewesen sein. Denn: "Der Rüstkämmerer des Markgrafen Georg Wilhelm hat 1723 eine Publikation mit 200 Stichen herausgebracht", sagt Rainer. "Gemacht für die Praktiker, die am Theater arbeiten und Kostüme herstellen. Explizit nicht für die Gebildeten, für die das eher ein Bilderbuch gewesen wäre." Zeitgleich habe der Rüstmeister ein Inventar angelegt, "weil er schließlich auch für die Requisite zuständig war", wie Rainer sagt. Das Inventar, das im Staatsarchiv in Bamberg liegt, weise für die Zeit um 1720 rund 1000 Requisitenstücke aus.

Rüstkämmerer lieferte 1723 die Vorlage

Aus dem Buch des Rüstkämmerers stammt die Vorlage für das Kostüm der Penelope. Was aber, wie Rainer und Pontz am Freitag im Gespräch mit unserer Zeitung sagen, nicht die Lösung, sondern der Anfang aller Herausforderungen war: "Die Schwierigkeit war: welche Materialen waren verwendet worden? Wie sah die wirkliche Farbigkeit aus? Zusammen mit einer Gewandmeisterin aus Düsseldorf, die das Kostüm schließlich gefertigt hat, haben wir uns sehr lange den Kopf zerbrochen. Nicht zuletzt auch, wie die Form umzusetzen ist", sagt Rainer. Trotz der mehr als 20-jährigen Erfahrung von Klaudia Pontz, die unter anderem bereits ein höfisches Kostüm aus Bayreuth restauriert hatte.

Stoff aus Frankreich

Doch Stück für Stück fügte sich das prachtvolle Kleid zusammen: Der Seidendamast, der in seiner Machart einwenig an die teuren Wandbespannungen der damaligen Zeit erinnere, stamme zum Beispiel "aus Frankreich, von einer Firma, die es seit dem 18. Jahrhundert gibt". Taft, Samt, sorgsam auf dem Schurz verteilte Pailletten ergänzen das Bild. "Wie müssen sie damals bei Kerzenlicht gefunkelt haben", sagt Rainer. Auf der Bühne des Opernhauses zeigt sich: Die Wirkung funktioniert immer noch, gerade bei wenig Licht. Rainer sagt, das Kostüm sei ganz klar "für eine Hauptrolle geschaffen worden. Wir dachten, die Penelope passt auch ganz gut hier ins Konzept".

Weitere Kostüme sollen folgen

Das Kostüm soll nicht das Einzige bleiben, das im Redoutenhaus zu sehen sein wird, wenn die Schlössverwaltung das Konzept des Welterbe-Zentrums bis spätestens 2021 umgesetzt hat. "Zwei, drei Kostüme wollen wir nach der Stich-Sammlung noch rekonstruieren, vielleicht ergänzt durch Kostüme, die bei der Eröffnung getragen wurden, um den Bogen zum Heute zu spannen."


Info: Thomas Rainer zeigt am Samstag in zwei - fast ausverkauften - Führungen um 11 und um 15 Uhr speziell das Kleid und seine Entstehungsgeschichte im Opernhaus. Am Samstag und Sonntag ist das Kleid aber auch außerhalb der Führungen auf der Bühne zu bewundern.