Operette auf der Luisenburg Die Tragik der Lotosblume

Kerstin Starke
„Immer nur lächeln“: Noch ist die Lotosblume perfekt, die Liebe neu und ungetrübt zwischen der Wiener Komtess Lisa (Esther Hilsberg) und dem chinesischen Prinzen Sou-Chong (Burkhard Soll).                                                           Foto: Luisenburg-Festspiele/Christoph Kaldonek

Die Kammeroper Köln feiert mit Franz Lehárs Erfolg „Land des Lächelns“ einen gelungenen Einstand auf der Luisenburg-Bühne in Wunsiedel. Bis zum Dienstag sind noch fünf Vorstellungen geplant. Es gibt noch Karten.

Das Land des Lächelns“ liegt in diesem Sommer zwischen den Felsen hoch über Wunsiedel. Mit dem Operetten-Hit von Franz Lehár gibt das Ensemble der Kammeroper Köln seine Visitenkarte auf der Luisenburg ab. Die Premiere am Donnerstagnachmittag ging als exklusive Vorstellung für die Mitglieder des oberfränkischen VdK über die Bühne. Und das operettenerfahrene Publikum im fast vollbesetzten Zuschauerraum bewies mit viel Szenenapplaus und seinem begeisterten Schlussbeifall, dass Regisseur Joachim Goltz und der musikalische Leiter Jan Michael Horstmann am Pult der Kölner Symphoniker buchstäblich den richtigen Ton getroffen haben.

Musikalischer Volltreffer

Apropos richtiger Ton. Musikalisch ist die Inszenierung ein Volltreffer. Die Sänger – allen voran Burkhard Solle als Sou-Chong und Esther Hilsberg als Lisa – hauchen den schönen Melodien genau die Romantik, den Schwung und die Tragik ein, die die fast hundert Jahre alte Operette zum Welterfolg gemacht haben. Wie schön, dass man Lieder und Duette wie „Freunderl, mach dir nix draus“, „Bei einem Tee à deux“, „Wer hat die Liebe uns ins Herz gesenkt“ oder „Meine Liebe, deine Liebe“ und „Wenn die Chrysanthemen blühen“ wieder einmal zu hören bekommt. Und natürlich die Hits, die einst für Richard Tauber komponiert wurden und die jeder Tenor, der etwas auf sich hält, bis heute im Repertoire haben muss: „Immer nur lächeln“ und „Dein ist mein ganzes Herz“; Letzteres wird vom Publikum mit Bravos bedacht. Beide Arien sind bei Burkhard Solle in den besten Händen. Dass Lehár das Werk ursprünglich als Komische Oper geschaffen hatte, scheint da noch immer durch wie auch in den leidenschaftlichen, teilweise durchkomponierten Passagen der Duette.

Seitenhiebe auf die Gegenwart

Doch selbstverständlich dürfen auch die schwungvollen Buffo-Szenen nicht fehlen. Sie werden von Hannah Rühl als reizender Prinzessin Mi und Tyler Steele als forschem Graf Gustl mit viel Spiellust und Leichtigkeit gesungen und – unterstützt vom Chor der Kammeroper Köln – getanzt. Diese beiden und der Eunuch sorgen auch für viele Lacher im Publikum. Ben Ossen, den das Luisenburg-Publikum bereits aus der Produktion „Zeitelmoos“ kennt, besetzt diese Rolle des Eunuchen – eine Sprechrolle; und das ist schade, denn, wie er in einer der witzigen Ansprachen ans Publikum beweist, hat er eine wirklich schöne Tenorstimme.

Wie er darf auch Hans-Arthur Falkenrath als Vater Lisas und als Onkel Tschang immer wieder Seitenhiebe auf die heutige Situation austeilen, etwa wie: „Es gibt Zeiten, in denen ein negatives Ergebnis eindeutig positiv sein kann.“ Oder wenn er die Gäste eines Balles zum „Dis-Tanz mit 1,5 Metern Abstand“ bittet. Mit solchen witzigen Einschüben bewahrt Regisseur Joachim Goltz die Operette vor der Verstaubtheit, die dem Genre allzu gerne vorgeworfen wird,ohne sie mit aller Gewalt zu modernisieren.

Zeitlose Geschichte

Die Handlung des „Land des Lächelns“ allerdings ist zeitlos: Zwei Menschen aus gänzlich unterschiedlichen Kulturen verlieben sich und scheitern an den Konventionen und Traditionen. Vollends aktuell wird das Ganze, wenn es sich wie hier um eine Frau aus der westlichen Hemisphäre und einen Mann aus China handelt.

Als Symbol für die Liebe der beiden haben Goltz und seine Ausstatterin Jodie Fox eine vielblättrige Lotosblüte gewählt, die am Zenit eines überdimensionalen Fächers – dem einzigen Bühnenbild-Teil – thront. So, wie die Liebe zwischen Lisa und Sou-Chong leidet und allmählich schwächer wird, so verliert auch die Blüte Blatt um Blatt. Bis die beiden erbittert streiten, und er sie in ihrem Gemach einsperrt. Dann ist schließlich nur noch ein Blatt übrig. Denn: Mit dem letzten Rest seiner Liebe lässt Sou-Chong Lisa frei und mit Gustl in die Heimat zurückkehren. Ihm bleibt: „Immer nur lächeln“ und die Erkenntnis: „... doch wie’s da drin aussieht, geht niemand was an.“

Musiktheater auf der Luisenburg

„Das Land des Lächelns“:
Die Operette von Franz Lehár ist bis zum 23. August noch in fünf weiteren Vorstellungen zu sehen: jeweils um 15 Uhr im Freiverkauf am Samstag, Sonntag, Montag und Dienstag; dazu am Samstag um 20 Uhr.

„Hänsel und Gretel“:
Vom Freitag, 26. August, bis Sonntag, 28. August, ist Opernzeit auf der Luisenburg. Die Landesbühnen Sachsen sind mit drei Vorstellungen von Engelbert Humperdincks beliebtem Märchenwerk zu Gast.

 

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