Online-Konferenz Ideen für die Landesgartenschau

Brigitte Grüner

Bis 27. Mai hat die Stadt Auerbach Zeit, um sich endgültig für eine Landesgartenschau in den Jahren 2028 bis 2032 zu bewerben. Bei einer Online-Veranstaltung wurden jetzt auch Vorschläge von Bürgern eingeholt.

Auerbach - Etwas mehr Zeit als zunächst gedacht bleibt der Stadt für die Einreichung der konkreten Bewerbung für eine Landesgartenschau in den Jahren 2028 bis 2032. Ursprünglich war der 8. April als letztmöglicher Termin genannt worden. Die Bewerbungsfrist wurde inzwischen seitens der Landesgartenschau GmbH in Abstimmung mit dem Ministerium auf den 27. Mai 2022 verlängert, berichtet Bürgermeister Joachim Neuß. Er kennt auch den Grund: „Viele der bewerbenden Kommunen hatten Schwierigkeiten, entsprechende Planungspartner zu gewinnen.“

Planungsteam aus Nürnberg

Die Stadt Auerbach befinde sich derzeit gemeinsam mit dem Planungsteam der Nürnberger WGF Landschaft GmbH noch in der Phase der Informationsgewinnung und Sondierung. Es fanden bereits Experten-Workshops mit Ämtern und Behörden statt, und auch mit den örtlich betroffenen Vereinen wurde Kontakt aufgenommen – beispielsweise mit dem Sportanglerverein und dem SC Glückauf. Ferner wurden bereits vorhandene örtliche Planungskonzepte ausgewertet, Abstimmungsgespräche mit einzelnen Grundstückseigentümern geführt und in mehreren Besprechungen die grundsätzlichen Möglichkeiten und Detailfragen geklärt.

Bei der ersten Bürgerwerkstatt, die am Mittwochabend als Online-Konferenz stattfand, ging es darum, Ideen, Wünsche und Anregungen der Bürger aufzunehmen. In einem nächsten Schritt werde sich der Stadtrat im Rahmen einer Klausurtagung am 12. Februar mit dem Thema beschäftigen. Danach erst wird das eigentliche Konzept ausgearbeitet, erklärt der Rathauschef, das in einer weiteren Bürger-Werkstatt voraussichtlich Anfang April der Bevölkerung vorgestellt wird. Am 27. April wird sich der Stadtrat nochmals mit dem Thema befassen und ein Konzept für die zweite Bewerbungsphase beschließen.

Mehrwert für Bürger

Eine Landesgartenschau lockt auswärtige Besucher für wenige Monate. Umso wichtiger ist den Planern das, was nach der Veranstaltung als Mehrwert für die Bürger bleibt: Attraktivere Parks und Spielplätze gehören dazu, ebenso städtebauliche Verbesserungen und ein deutlich besseres Image der Stadt.

Landschaftsarchitekt Prof. Gerd Aufmkolk weiß, wovon er spricht. Er hat mit seiner WGF schon viele Städte begleitet. Eine Landesgartenschau habe zwar den Gartenbau mit drei Wechselbepflanzungen als wichtigstes Element, doch das sei nicht alles, sagte er. Das Einbinden der Naturlandschaft, das Aufwerten und Vernetzen von Parks und Grünanlagen, Spielanlagen für alle Generationen, bildende Kunst und ein buntes Rahmenprogramm mit Veranstaltungen und Informationen seien weitere wichtige Ziele.

16 Bewerber

Für eine Stadt bleibe meist ein „Nachglanz“; einige Kommunen profitierten noch Jahre später. Für die Landesgartenschauen 2028 bis 2032 gibt es aktuell 16 Bewerber, fünf erhalten den Zuschlag. Sollte Auerbach nicht dazu gehören, gehe das Konzept nicht verloren. Es könne trotzdem sukzessive verwirklicht werden, allerdings nicht mit der Förderung, die als Veranstaltungsort einer LGS möglich wäre.

Über die angedachten Maßnahmen informierte Landschaftsarchitekt Michael Voit von WGF. Eine LGS sei stets auch ein Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung. Es gelte daher vor allem, Chancen und dauerhafte Verbesserungen für eine Kommune zu suchen. Für Auerbach wäre es sinnvoll, auch den Ortsteil Michelfeld mit seinem Kloster sowie Flächen im Außenbereich wie die Maffeischächte oder die Grubenfelder Leonie mit einzubeziehen.

Voit ging ein auf die Weiherkette an der B 85, auf den Stadtpark, die Altstadt mit Oberer und Unterer Vorstadt und auf das Klostergelände in Michelfeld. Für alle Teilbereiche nannte der Planer Pluspunkte und Verbesserungspotenzial. Es fehle beispielsweise ein echter Zugang zum Wasser. Der Stadtpark habe aktuell nur wenig Aufenthaltsqualität. Trotz Innenstadtsanierung mit guten Ergebnissen gebe es bauliche Mängel, Leerstände oder unattraktive Zugänge zum Stadtzentrum. In Michelfeld wären vor allem die Türme und die Höfe vor dem Kloster, das in den kommenden Jahren generalsaniert wird, zu verbessern.

Einige Vorschläge haben Planer, Stadt und Behörden schon zusammengetragen. Ideen der Bürger waren und sind willkommen. „Wir möchten die Landesgartenschau nicht vom grünen Tisch aus konzipieren“, betonte Bürgermeister Neuß: „Dumme Ideen gibt’s nicht.“

Wo können Besucher parken? Wo wird es Übernachtungsmöglichkeiten geben? Sind die Wege barrierefrei? Gibt es günstige Jahreskarten für Anwohner? Können Vereine und sportliche Events eingebunden werden? Die Fragen der Bürger zur Landesgartenschau (LGS) sprudelten bei der Online-Bürgerversammlung nur so.

Jede Menge Fragen und Anregungen

Am Ende gab es auch Lob. „Ihr seid auf dem richtigen Weg!“ fand Grundschulleiterin Gabriele Appl. „Danke für die interessante Vorstellung“, sagte Christoph Roßbacher vom gleichnamigen Gärtnerei-Fachbetrieb. Er hat bereits bei der LGS in Bayreuth viele Erfahrungen als Aussteller gesammelt.

Ein Zuhörer namens Max wollte wissen: „Wer pflegt das alles nach der LGS?“ Das sei eine berechtigte Frage, erwiderte Gerd Aufmkolk vom Nürnberger Fachbüro für Landschaftsarchitektur. Im Konzept würden die Investitions- und die Unterhaltskosten ermittelt. Es gebe Gemeinden, die im Nachhinein einen Gärtner anstellen, um die langfristig angelegten Flächen zu pflegen. In Marktredwitz habe sich ein Bürgerverein gegründet, um diese Aufgabe zu übernehmen und die Kommune zu entlasten. Die aufwendigen Pflanzbeete würden nach einer LGS zurückgenommen, dennoch sei zusätzlicher Aufwand erforderlich, sagte Bürgermeister Joachim Neuß.

Temporäre Parkplätze

Auch das Thema „Parken“ wurde bereits im Vorfeld der Initiativbewerbung angedacht. Vorgesehen sind laut Neuß temporäre Parkplätze, die nur für die Veranstaltung angelegt und später wieder rückgebaut werden. Günstig wäre eine Fläche an der Hohen Straße. Der Eingang zur LGS wäre dann beim Herrenweiher unterhalb dieser Fläche. Ein weiterer Parkplatz könnte in der Nähe des Wertstoffhofs vor dem Ortseingang entstehen. Auch in Michelfeld wäre wohl eine größere Parkfläche nötig, um den Besuch des bis dahin sanierten Klosterareals zu ermöglichen.

Was Übernachtungen betrifft, erwartet Neuß, dass das Hotelprojekt Auperplace im Gewerbegebiet Saaß bis dahin in Betrieb ist. Gerd Aufmkolk ergänzte, dass LGS-Besucher meist Tagesgäste sind.

Bühne im Freien

Eine dauerhafte Bühne im Freien für Kulturschaffende aus der Gemeinde wünscht sich Joachim Kroher aus Michelfeld. Da zu einer LGS auch Rahmenprogramm gehöre, wäre eine Bühne gewiss dabei, sagte Neuß.

Dieter Hofmann schlug das Gelände des SC Glückauf als Fläche für Sport und Spiele vor.

Weitere Ideen waren ein E-Bike-Verleih, Sportveranstaltungen oder die Verbesserung des Fußweges am Schulsportplatz. Edmund Goß wollte wissen, ob es auch für private Maßnahmen Unterstützung gebe. Eine Beratung vielleicht auch in Sachen Gartengestaltung wäre auf jeden Fall möglich, meinte Gerd Aufmkolk. Gefragt wurde auch, ob die Bewohner von Regens Wagner auf die LGS-Flächen in Michelfeld dürfen. Es sei keinesfalls geplant, die Lebenswelt der Menschen mit Behinderung einzuschränken, betonte Neuß. Im Gegenteil: Inklusion solle durch die Veranstaltung offensiv gefördert werden.

 

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