Das ist schwierig zu vergleichen, wir haben viele, viele tolle Turniere. Aber natürlich ist es hier in dem Park, in dem noch nie ein Turnier stattgefunden hat, etwas ganz Besonderes gewesen, vor allem beim Geländeritt. Insgesamt war es ein fantastischer Wettbewerb, der klasse war für unseren Sport, für den wir hier eine Woche lange sehr gute Werbung gemacht haben.
Die Sommerspiele in Paris gehen noch eineinhalb Wochen weiter, allerdings ohne Michael Jung. Er hätte sehr gerne im olympischen Dorf gewohnt, nachträglich dort noch einzuziehen, ist aber kein Thema. Denn daheim in Horb wartet viel Arbeit, schon Mitte September geht es wahrscheinlich zum Turnier nach Donaueschingen.
Was motiviert Sie immer wieder neu?
Jeder will doch in dem, was er tut, zeigen, dass er gut ist, vielleicht sogar der Beste. Wir haben das tolle Glück, mit Tieren zusammenzuarbeiten, da läuft nicht immer alles wie geplant. Deswegen heißt es ja, dass man als Reiter eigentlich zwei Leben benötigt – eines zum Lernen und eines zum Genießen. Es gibt immer wieder neue Dinge, die man nie zuvor gehabt hat. Das ist auch das Schöne an der Ausbildung von jungen Pferden. Da können extrem viele Kleinigkeiten dazwischenkommen.
Werden Sie bis zu den Sommerspielen 2028 in Los Angeles weitermachen?
Definitiv.
Sie haben in der Pressekonferenz erklärt, als Springreiter bei Olympischen Spielen zu starten, wäre kein unmittelbares Ziel, aber ein Traum. Wie realistisch ist dieses Szenario?
Das Bestreben, der Beste zu sein, ist natürlich da. Deswegen mache ich das alles – weil es mir Spaß macht, immer dazuzulernen und weiterzukommen. Und ich glaube, dass ich auch tolle Pferde dafür habe. Aber das muss alles ein bisschen wachsen. In vielen Sportarten ist die Altersspanne für Athleten sehr knapp bemessen. Das Tolle am Reiten ist, dass man es deutlich länger genießen kann.
Ist es denkbar, bei einer Großveranstaltung wie den Olympischen Spielen in der Vielseitigkeit und im Springen zu starten – oder wäre das doch zu viel?
Das werden wir sehen.
Es hörte sich schwer danach an, als würden dem Reiter, der sich zum Sonnenkönig von Versailles gekrönt hat und der an diesem Mittwoch seinen 42. Geburtstag feiert, die Herausforderungen so schnell nicht ausgehen. Kann er tatsächlich auf der größten Bühne, die der Sport zu bieten hat, nicht nur die Vielseitigkeit dominieren, sondern womöglich noch in einer zweiten Disziplin um Medaillen kämpfen? Laura Collett würde das nicht überraschen. „Er ist ein Genie“, schwärmte die Britin, nachdem sie Bronzue in der Vielseitigkeits gewonnen hatte, „Michael Jung hat uns gezeigt, wie man reiten kann.“