Oktokopter soll Rehkitze vor dem Mähtod bewahren Ein fliegender Retter für Bambi

Susanne Schumann

Für Rehkitze sind große Wiesen mit hohem Gras die ideale Kinderstube – bis der Bauer zur Mahd anrückt. Rund 30.000 Jungtiere kommen bundesweit jedes Frühjahr unter die Messer, sagt Adolf Reinel, Vorsitzender des Jägervereins Bayreuth. Dabei würden die Kitze „regelrecht zerhackt“.

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Das ist sowohl für Jäger als auch für Bauern ein Problem – nicht nur ein moralisches. Und für die Rinder könne eine gesundheitliche Gefahr entstehen, wenn sich Fleischteile in ihrem Futter befänden. Deshalb tun Bauern und Jäger, was sie können, um die Bambis zu retten. „Wir mähen immer möglichst spät. Dann können einige Kitze schon weglaufen“, sagt Stefan Möckl. Der 37-Jährige bewirtet einen Hof bei Emtmannsberg. Die gefährliche Phase dauere allerdings bis Ende Juni. Doch so lange könne man die Mahd nicht hinauszögern.

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Gute Tarnung

Vom Traktor aus sei ein Rehkitz im Gras kaum zu erkennen, sagt Möckl. Das liegt Reinel zufolge neben der ohnehin guten Tarnung des Tieres an seinem Drückinstinkt: „Bei Gefahr duckt sich das Tier und verharrt regungslos in seinem Versteck.“ Auch die Wiesen vor der Mahd zu Fuß abzusuchen oder Vogelscheuchen aufzustellen, bringe nur mäßige Erfolge und sei mühsam.

Doch am Horizont schwirrt eine neue Hoffnung heran: der Wildretter-Oktokopter. Oktokopter sind ferngesteuerte Fluggeräte mit acht Rotoren. Zum Wildretter wird ein solcher Oktokopter, wenn er eine geeignete Sensorik an Bord hat – eine Infrarot- und eine optische Kamera – und in 50 Meter Höhe über die kritischen Wiesen hinwegschwebt. Die Idee für den fliegenden Wildretter stammt vom Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR). Die ersten Prototypen wurden im Mai dieses Jahres vorgestellt und vom Bayerischen Jagdverband zur Mähsaison getestet. „Die Testphase lief gut, die Sucherfolge waren offenbar sehr groß“, sagt Peter Haschberger vom DLR in Oberpfaffenhofen.


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