Offene Rechnung Medi-Team trifft auf Gegner mit neuem Gesicht

Selbst zu zweit hatten die Münchner Paul Zipser (links) und Zan Mark Sisko (rechts) Probleme, Murphy Holloway zu stoppen. Dem Würzburger Kraftpaket darf man laut Medi-Coach Raoul Korner keine tiefe Position unter dem Korb gestatten. Foto: /Heiko Becker/Imago Images

Viele Veränderungen gab es beim Gegner von Medi Bayreuth. Dennoch soll die Revanche für die Hinspiel-Niederlage glücken.

Basketball - Medi Bayreuth hat in dieser Saison schon die gesamte Klaviatur der Emotionen bespielt. Selbst nach 22 Spieltagen fällt es schwer, den Bayreuthern in der Bundesliga eine klar definierte Rolle zuzuschreiben. Sie scheren früher oder später sowieso wieder aus. Zumindest gegen Übermut ist das Medi-Team mittlerweile aber immunisiert. Trotz zwei Siegen in Folge steht das Gastspiel am Montagabend um 20.30 Uhr bei S.O. Würzburg – der Beginn wurde kurzfristig verschoben – voll im Zeichen des Abstiegskampfes.

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Daran lässt zumindest Raoul Korner keinen Zweifel aufkommen. „Solange noch keine zehn Siege erreicht sind, ist niemand sicher“, fasst der Medi-Trainer die Situation der Klubs ab Platz zehn zusammen. Die Bayreuther stehen als Elfter aktuell bei acht Erfolgen (16:28 Punkte), die Würzburger bei sieben (14:26). Deren Coach Denis Wucherer formulierte nach der jüngsten 73:85-Niederlage seines Teams in Weißenfels unmissverständlich: „Ab heute muss wirklich jedem klar sein, dass es nur gegen den Abstieg geht.“ In Bayreuth ist die Stimmung weniger alarmistisch, der Ernst der Lage aber verinnerlicht. Zwar verkörperte das Medi-Team zuletzt beim überzeugenden 97:78-Heimsieg gegen den Tabellenvierten Crailsheim Merlins glaubhaft die Rolle eines Playoff-Anwärters, doch ein Hinweis auf die 92:97-Niederlage sechs Tage zuvor bei Schlusslicht Gießen 46ers reicht aus, um Träumereien einzufangen. „Es kann in dieser Liga sehr schnell gehen. Wir sind spielerisch in der Lage, den Klassenerhalt sicher zu schaffen, wissen aber, dass es kein Selbstläufer wird“, bemerkt Korner nüchtern.

Prominente Nachverpflichtungen

In Würzburg treffen die Bayreuther heute auf eine Mannschaft, die ihr Gesicht im Saisonverlauf wie keine zweite in dieser Liga verändert hat. Auffällig ist vor allem die Fluktuation bei den Kontingentspielern. Während mit Justin Sears, Brekkott Chapman und Zach Smith drei Spieler für den Frontcourt verletzungsbedingt längerfristig ausfallen, haben sich die Würzburger im Saisonverlauf von Aufbauspieler Tyler Persons sowie den Big Men Mark Ogden und Micah Downs getrennt. Dafür verpflichteten sie in den vergangenen Wochen prominent nach. Der NBA-erfahrene Perry Jones und Kraftpaket Murphy Holloway verstärkten die Unterfranken unter den Körben, während Robert Lowery (früher Alba Berlin) die Probleme im Spielaufbau beheben sollte. In seinen ersten drei Auftritten gelang dies dem 33-Jährigen auch hervorragend, ehe er sich eine Ellbogenverletzung zuzog, die ihn nun länger außer Gefecht setzt. „Das ist eine völlig andere Mannschaft als noch in der Hinrunde und eine mit deutlich mehr individueller Qualität. Die sportliche Notwendigkeit dazu war aber auch gegeben“, sagt Korner.

Im Vergleich zum Hinspiel, das die Bayreuther nach einer enttäuschenden Vorstellung mit 87:93 verloren, treten die Würzburger nicht nur mit verändertem Personal, sondern auch einer tieferen Rotation an. Die talentierten Joshua Obiesie, Nils Haßfurther und Jonas Weitzel, die in der Oberfrankenhalle nur zu Kurzeinsätzen kamen, erhalten inzwischen weitaus größere Spielanteile. Der Grund? „Sie haben performt, als die Würzburger von Verletzungen gebeutelt waren“, erklärt Korner. Ligaweit nehmen die Unterfranken nach den Bayern die zweitmeisten Würfe aus dem Zwei-Punkte-Bereich. Weil sie mit Vehemenz den Korb attackieren, gelte es für die Bayreuther vor allem, „die Zone dicht zu machen“, wie Korner bemerkt. Gerade einem Spieler wie Holloway, der von seiner Physis lebt, dürfe man keine tiefe Position unter dem Korb gestatten.

Nur ein verlässlicher Dreipunkteschütze

Diese Ausrichtung in der Defensive erscheint nur allzu naheliegend, verfügen die Würzburger doch nur über einen Spieler, der sich in dieser Saison als verlässlicher Dreipunkteschütze klassifizieren lässt. Cameron Hunt, der nach dem Ausfall von Lowery nun auch vermehrt als Spielgestalter gefragt ist, trifft fast 45 Prozent seiner Versuche von der 6,75-Meter-Linie. Alle anderen Würzburger Schützen liegen deutlich unter 40 Prozent, was vor allem bei Flügelspieler Florian Koch überrascht, der in der Vorsaison noch über 50 Prozent seiner Dreierwürfe getroffen hatte.

Die Bayreuther waren in der vergangenen Woche vor allem darum bemüht, im Rhythmus zu bleiben. Nach zuvor drei Spielen binnen sechs Tagen war die zehntägige Pause vor dem Würzburg-Spiel „nicht optimal“, wie es Korner formuliert. Immerhin erlaubte sie aber, dass Kapitän Bastian Doreth seine im Spiel gegen Crailsheim erlittene Oberschenkelverletzung auskurieren konnte. Damit treten die Bayreuther heute Abend in Bestbesetzung beim unterfränkischen Rivalen an.

 

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