Ofen in Unterkunft heizt nicht richtig, die Fenster sind mit Pappe abgedichtet Obdachloser sitzt in der Kälte

Von Peter Engelbrecht

Hans-Jürgen Kögel ist verzweifelt: Der 60-Jährige haust seit acht Monaten in einer Obdachlosenunterkunft in Kulmbach. Bei frostigen Außentemperaturen von 2,5 Grad Celsius zeigt das Thermometer auf der Fensterbank im Zimmer nur 9 Grad Celsius. Das Problem aus seiner Sicht: Der Ofen heizt nicht richtig, das zugewiesene Geld für Heizmaterial reicht nicht.

Obdachloser Hans-Jürgen Kögel aus Kulmbach. Foto:Harbach Foto: red

In dem heruntergekommenen Backsteinhaus in der Negeleinstraße 16 fristet der Hartz-IV-Empfänger seit Mai 2014 sein Leben. Im Erdgeschoss verfügt er über ein Zimmer, Küche und Flur, insgesamt 34 Quadratmeter. Waschen muss sich Kögel in der Spüle in der Küche, es gibt weder Bad noch Dusche. Nachdem seine Zwei-Zimmer-Wohnung zwangsgeräumt wurde, wies ihm die Stadt das Zimmer zu.

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Das Jobcenter überweist ihn monatlich 89 Euro für Heinzkosten. „Das reicht nicht. Der Ofen ist defekt. Die obere Zugklappe ist eingerostet, lässt sich nicht öffnen und schließen“, berichtet der gelernte Heizungs- und Lüftungsbauer. Die Luftzufuhr muss er durch das untere Ofentürchen regeln. Das hat fatale Folgen: „Die Wärme knallt sofort in den Schornstein, statt die Wohnung zu heizen.“

Wenn der Holz-Kohle-Ofen den ganzen Tag läuft, erwärmt sich die Luft im Zimmer auf maximal zwölf Grad Celsius, berichtet der Arbeitslose. Der Ofen sei mit einer Heizleistung von vier kW zu klein dimensioniert. Kögel betreibt den Ofen mit Braunkohlebriketts, zehn Kilogramm kosten 2,99 Euro. Bei winterlichen Temperaturen verfeuert er nach eigenen Angaben pro Tag 20 Kilogramm. Notwendig wären laut Kögel mindestens 120 Euro im Monat. Die Unterkunft ist schlecht isoliert, die Fenster sind undicht. Deshalb hat der Bewohner die Fenster innen mit Pappe und einer Isomatte abgedichtet. Die Situation beschreibt er als „Katastrophe“. Wenn draußen Frost herrscht, „ist es innen richtig kalt.“ Er habe den kaputten Ofen bei der Stadt schon mehrmals moniert. Kögel sitzt mit Pullover, dicker Hose und Wanderschuhen im Zimmer. Die Situation mit Schimmelbefall schade seiner Gesundheit, klagt der herzkranke Diabetiker. Seit einem Jahr sucht er eine Wohnung in Kulmbach, will „aus dem Loch“ ausziehen. Doch als Hartz-IV-Empfänger bekomme er nichts.

Das Jobcenter Kulmbach sieht keine Möglichkeit, höhere Heizkosten zu vergüten. Die Behörde stützt sich auf die Vorgaben des bundesweiten Heizspiegels vom Mieterbund, Kögel bekomme den Höchstsatz, erklärt Geschäftsführer Norbert Halhuber. Er empfiehlt ihm, sich um eine Wohnung zu kümmern, deren Miete und Heizkosten nach den Richtlinien vom Jobcenter übernommen werden könnten. Für eine Person ist in Kulmbach ein Wohnraum von rund 50 Quadratmeter für knapp 250 Euro Miete plus Heizkosten angemessen. Das Jobcenter zählt knapp 2000 Leistungsbezieher, die in Mietwohnungen leben. Den konkreten Fall bezeichnet Halhuber als „Einzelfall“. Auch die Stadt weist die Kritik zurück. Der Ofen sei jüngst von einer Fachfirma überprüft worden und entspreche dem Stand der Technik, erläutert geschäftsleitender Beamter Uwe Angermann. In der Unterkunft habe sich „kein deutlicher Hinweis auf Schimmelbildung“ ergeben.