Stolz betritt der frischgebackene Kraftfahrzeugtechnikmeister Maximilian Schlenk die Bühne. Mit der Übergabe des Meisterbriefes beginnt für den Bindlacher nach zehn Monaten des Lernens ein neuer Lebensabschnitt. Mit einem Notendurchschnitt von 1,5 erzielte er eines der besten Ergebnisse seines Faches.

Seine Handwerksmeisterkollegin Laura Scharf, die an der Meisterfeier die Ansprache hielt, erklärt: „Ab heute sind wir nicht mehr nur Handwerker. Nein, seit heute sind wir Spezialisten auf unserem Gebiet, eventuell angehende Unternehmer, Ausbilder und Vorbild für künftige Lehrlinge und Kollegen.“ Vergangenen Samstag wurden 446 Handwerkern, darunter 86 Frauen, ihre Meisterbriefe überreicht.

Handwerk und Religion gehören zusammen

Zum 25. Mal feiert die Handwerkskammer ihre Meisterfeier in Bayreuth, doch zum ersten Mal wurden Geistliche eingeladen, um einige Worte an die frischgebackenen Meister zu richten. „Früher hatten wir immer einen politischen Teil, bei dem Staatssekretäre oder Minister Reden gehalten haben. Aber da wir finden, dass Handwerk auch viel mit Religion zu tun hat, haben wir uns dieses Jahr entschieden, die Geistlichen einzuladen“, erklärt der Präsident der Handwerkskammer Thomas Zimmer. Kirche und Handwerk seien deswegen so eng miteinander verbunden, weil beide Bereiche die gleichen Tugenden wie Fleiß, Zusammenhalt und Verlässlichkeit teilen.

Bei einem Migrationsanteil von knapp 25 Prozent im Handwerk, wie Zimmer schätzt, war es naheliegend, nicht nur den evangelisch-lutherischen und den katholischen Dekan, sondern auch einen Imam einzuladen. „Ein Großteil unserer Migranten sind Muslime, was unser Handwerk unglaublich bereichert“, freut sich der Präsident. Das Handwerk sei durch die Migranten multikultureller und vielfältiger geworden. „Wir hatten in dem diesjährigen Kurs auch einen älteren Spanier, der hier in Oberfranken seinen Meister gemacht hat. Das zeigt doch um so deutlicher, wie international anerkannt dieser Abschluss ist“, erklärt Zimmer.

Plötzlich wird es ruhig im Saal. Nach den geistlichen Gedanken zum Meisterbrief des evangelisch-lutherischen Dekans Hans Peetz und des katholischen Dekans Marcel Jungbauer betritt der Imam Seyfettin Ulus die Bühne. Er stellt sich hinter das Rednerpult, schaut in die Menge, nickt kurz und beginnt zu sprechen. Während der kurzen Pausen, die der Imam zwischen den Sätzen lässt, übersetzt Osman Yilmaz mit tiefer melodischer Stimme das Gesagte. „Religion ist mit dem Menschen entstanden und ist ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen“, erklärt der Imam.

"Vor allem einen guten Verdienst" wünscht der Imam

In einer religiösen Gesellschaft sei das Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverhältnis ausgeglichen, weil der Arbeitnehmer sein Geld ehrlich verdienen und der Arbeitgeber die Arbeit fair vergüten will. Wie alle Religionen gestatte es der Islam nicht, zu töten, zu stehlen und zu begehren, was einem Dritten gehört. „Ein guter Muslime schädigt niemanden, geschweige denn tötet er.“ Er lässt eine kurze Pause, schaut in die Runde und sagt dann: „Ich wünsche Ihnen allen nach dem heutigen Tag ein gutes berufliches Weiterkommen und vor allem einen guten Verdienst.“

Der Kfz-Mechatronikmeister liegt Maximilian Schlenk quasi in den Genen. „Mein Vater hat hier auch schon seinen Meister gemacht und ich durfte von klein auf mit ihm an den Autos schrauben. Ab da war mir eigentlich klar, dass ich mal in seine Fußstapfen treten will“, erklärt der 23-Jährige mit einem Lachen. Nach einer Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker mit dem Schwerpunkt Nutzfahrzeugtechnik entschied er sich, den Meister zu machen, um „in der Firma weiterzukommen und etwas zu erreichen.“ Die Kurskosten von 10 000 Euro hat er selbst finanziert.

Viel gelernt für den fachspezifischen Bereich der Prüfung hat er allerdings nicht. „Wenn ich die Technik verstehe, dann brauche ich nicht viel lernen“, scherzt er. Einzig der kaufmännische Bereich und der Ausbilderschein waren für ihn eine Herausforderung. Schon im März hat er von seinem hervorragenden Notendurchschnitt von 1,5 erfahren. „Während der Meisterschule hat mich meine Familie immer unterstützt und mir geholfen, dafür bin ich ihnen echt dankbar“, erklärt er.

Von 488 Meisterschülern haben 446 den Abschluss geschafft. Ein Großteil davon kommt aus dem Friseurhandwerk und der Elektrotechnik. „91,4 Prozent haben den Meister geschafft, was mir um so mehr zeigt, wie gut unsere Ausbildung ist“, freut sich Präsident Zimmer.