Ebenfalls einen positiven Akzent setzt Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Sie sieht im ländlichen Raum „wahnsinnig viele engagierte Menschen, die ihre Zukunft gestalten“. „Ich denke hier nur an die Dorfläden oder Dorfgemeinschaftshäuser und neuerdings wiederbelebte Wirtshäuser.“
Nicht verhehlen will Finanzminister Albert Füracker, dass der Freistaat mit hohen finanziellen Zuwendungen geholfen habe, Oberfranken voranzubringen. „Natürlich wollen die heimischen Abgeordneten, allen voran Martin Schöffel, immer weitere Förderungen. Aber inzwischen sind wir auch auf der Suche nach einem Plan, wie es jenseits des Geldes weitergehen kann. Hier geht es um neue Ideen.“
„Des alte Glump“
Der an diesem Abend in der Rolle des ewigen Mahners sprechende Günter Dippold sieht Oberfranken auf einem guten Weg, wenn es um Wirtschaft und Technik geht. Ein Defizit attestiert er den Oberfranken, wenn es um das Bewusstsein für die Wertigkeit zum Beispiel historischer Bausubstanz oder das Kulturelle geht. „Noch immer heißt es vor allem im ländlichen Raum ,schiebt es weg, des alte Glump’. Irgendwann verliert die Region so ihr Gesicht.“
Einem Besucher aus dem Raum Coburg geht es um Grundsätzliches, den Flächenverbrauch. „Es passt nicht, wenn in Innenorten der Discounter nach vier Jahren schließt und am Ortsrand neu baut. So bluten die Zentren aus. Ebenso kann es nicht sein, dass Industrieruinen ungenutzt bleiben und an der Peripherie immer neue Baugebiete wachsen.“
Ein Plädoyer ganz nach dem Geschmack des Wunsiedler Landrats Peter Berek. „Wir führen mit allen Städten und Gemeinden ein Flächenmanagement ein. Zur Wahrheit gehört aber, dass wir kleine Städte mit viel innerörtlicher Struktur haben.“ In diesen Orten gebe es Sanierungsbedarf, wofür mancherorts das Geld fehle. Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz bläst ins selbe Horn: „Oberfranken arbeitet daran, sein Gesicht zu erhalten. Leider können wir nicht jedes Gebäude erhalten, das es wert wäre, aber immerhin die identitätsstiftenden.
Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und Heimatminister Albert Füracker zeigen sich offen für alle Ideen. „Und wenn ein Ort auf Tiny-Häuser setzt, um den Flächenverbrauch zu reduzieren, ist der Freistaat der Letzte, der das verbietet.“
Frei nach Gorbatschow
Doch was hat der Abend eigentlich gebracht? Die Erkenntnis, dass Oberfranken zwar insgesamt ländlich, aber eben auch enorm vielfältig und modern ist. Dass es sich in der Region gut leben lässt, es aber noch zu häufig an Bewusstsein für die kulturellen Werte der Heimat fehlt, zu denen auch historische oder altehrwürdige Gebäude gehören. Und dass die Oberfranken findig und ideenreich sind, aber ihre Leistungen als eher klein einschätzen. In Anlehnung an Michail Gorbatschow könnte man sagen: „Wer zu klein denkt, den bestrafen die anderen – mit Nichtbeachtung.“
An einem den Zukunftsdialog begleitenden Onlineforum haben sich rund 5000 Bürger beteiligt und Anregungen geäußert. Zusammen mit den Beiträgen der Präsenzveranstaltungen fließen diese in die Heimatstrategie der Staatsregierung ein. Davon erhoffen sich insbesondere die Oberfranken viel.