Nur 17 Bewerber für Hillgruber-Nachfolge

Von Katharina Wojczenko

In genau einer Woche (19. August) hat Sozialreferent Carsten Hillgruber seinen letzten Tag in der Stadtverwaltung. Einen Nachfolger gibt es aber immer noch nicht. Warum hat sich kaum jemand beworben und wie geht es weiter?

In weniger als einer Woche hat Sozialreferent Carsten Hillgruber seinen letzten Tag. Einen Nachfolger gibt es noch nicht. Foto: Andreas Harbach Foto: red

Das ist bisher passiert:

Gerade einmal 17 Bewerbungen sind für den Posten des Referenten für Familie, Schulen und Soziales bei der Stadt eingegangen, sagt Pressesprecher Joachim Oppold. Die Stellen-Ausschreibung hatte der Stadtrat Mitte Mai beschlossen, bis Ende Juni lief die Frist.

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Nach Kurier-Informationen, welche die Stadt offziell nicht bestätigen will, wurden zwei Kandidaten zum Bewerbungsgespräch eingeladen, von denen nur einer in Bayreuth erschien. Was feststeht: Kein Bewerber hat den Stadtrat bislang überzeugt. Deshalb wird die Stelle erneut ausgeschrieben. Das ist am Mittwoch Thema im nichtöffentlichen Teil des Ferienausschusses.

Das könnten die Gründe sein: 

Liegt es womöglich an der Bezahlung oder an der Aufgabe? Sozialreferent Hillgruber hatte als Gründe für den Wechsel neben der neuen Herausforderung zumindest auch den finanziellen Aufstieg genannt. Die Stadt hatte eine A15-Stelle für einen Volljuristen mit Prädikatsexamen ausgeschrieben. Das entspricht einer Bruttobesoldung zwischen 4851 und 6090 Euro pro Monat. In einer Großkanzlei bekommen solche Juristen ein Einstiegsgehalt von 90.000 bis 100.000 Euro im Jahr. 

Mit dem Geld nach oben gehen, kann die Stadt nicht. "Diese Rahmenbedingungen gibt der vom Stadtrat verabschiedete Stellenplan für das Jahr 2016 vor", sagt Oppold. Und: Mehr Geld gab es noch nie für den Sozialreferenten.

Gleiches Geld für alle Referenten gibt es nicht: Die Spannweite reicht von der Besoldungsgruppe A 15 bis hoch zu B2. Die Stadt habe auch nicht vor, den Zuschnitt des Ressorts zu ändern: "Es handelt sich um ein großes, verantwortungsvolles Referat."

Das sagen die Fraktionen:

"Es ist generell schwer, für den Bereich Soziales Bewerber zu finden", sagt Grünen-Fraktionsvorsitzende Sabine Steininger. "Der Markt ist abgegrast". Bei der Bezahlung sieht sie keinen Spielraum. Eine Frage stelle sich allerdings: "Nutzen wir die Chance, um Ressorts umzustrukturieren? Darüber könnte man nachdenken."

Iris Jahn (Junges Bayreuth) sieht das ähnlich. "Andere Städte wie Bamberg haben weniger Referate." Referate umzustrukturieren sei eine Möglichkeit, Geld zu sparen. Da im Februar auch der Stadtbaureferent in Ruhestand gehe, hätte die Stadt nun die Chance, etwas zu ändern. "Nochmal die gleiche Ausschreibung zu machen, ist Quatsch."

"Das Bayreuther Modell hat sich bewährt", sagt hingegen SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Bauske. Er ist dafür, die Ausschreibung zu weiten, nicht nur Volljuristen mit Prädikatsexamen zuzulassen, sondern zum Beispiel auch Sozialwirte.

Dem widersprechen Stefan Specht (CSU) und Stephan Müller (BG). Bei dem Prädikatsexamen ließen sie mit sich reden, einen Juristen brauche es jedoch unbedingt. "Die Note ist aber nicht das entscheidende, wenn der Bewerber gute Ideen für die Weiterentwicklung der Stadt Bayreuth hat", sagt Thomas Hacker (FDP).

"Sozialrecht wird immer komplizierter", sagt Specht, der selbst Jurist ist und überrascht über die wenigen Bewerber auf diese "attraktive Stelle". Wenn der Referent kein Jurist sei, müsse immer das städtische Rechtsamt bei juristischen Fragen beauftragt werden. "Das wird auf Dauer nicht gehen", sagt auch Stephan Müller. Der Referent müsse seine Dienststellen vor Gericht vertreten.

In einer Sache scheinen sich die Stadträte einig zu sein, die Sabine Steininger so ausdrückt: "Ich sehe die Situation nicht so angespannt, weil wir fähige Dienststellenleiter haben." Dienststellenleiter sind die direkten Untergebenen eines Referenten.

Blick nach Bamberg:

In der ähnlich großen Stadt Bamberg sind die vier Referenten alle berufsmäßige Stadträte. So ist der Sozial-, Ordnungs- und Umweltreferent auf sechs Jahre gewählt. Neben der Aufgabe als Referent nimmt  Ralf Haupt an den Sitzungen des Stadtrats und der Ausschüsse teil, darf dort Anträge stellen, aber nicht mitstimmen. Bei Neuausschreibungen gebe es meist um die 100 Bewerbungen, sagt Siebenhaar.

Referenten der Stadt Bamberg verdienen zwischen B3 (7490 Euro) und B5 (8068 Euro), je nach Dauer der Amtszeit, Wiederwahl und Lebensalter, sagt Pressesprecherin Ulrike Siebenhaar. Die Referenten liegen damit deutlich über dem Bayreuther Sold. 

So geht es weiter:

Wie im Vertretungsplan festgelegt, übernimmt Personal- und Rechtsreferent Ulrich Pfeifer übergangsweise Hillgrubers Aufgaben. Ob sich Stellenbeschreibung und Bezahlung in der zweiten Ausschreibung ändern, entscheidet der Ferienausschuss.

Eine Frist, wie lange Hillgrubers Stelle unbesetzt bleiben darf, gibt es nicht.