Notfallpraxis zieht ins Ausweichquartier

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Das Dok-Haus in der Spinnereistraße in Bayreuth gibt es nach diesem Wochenende nicht mehr. Notfallpatienten müssen vorübergehend in die Brandenburger Straße ausweichen. Foto: Archiv/Ronald Wittek Foto: red

Für die ärztliche Bereitschaftspraxis in Bayreuth bricht eine neue Zeit an. Dasfrühere Dok-Haus in der Spinnereistraße ist nach diesem Wochenende Geschichte. Die neueBereitschaftspraxis wird an derselben Stelle von einem anderen Träger fortgeführt, allerdings erst ab August. Bis dahin erhalten Patienten ärztliche Hilfe in einem Ausweichquartier.

Ab Samstag, 1. Juli, wird die Bereitschaftspraxis für Notfälle in Bayreuth an Wochenenden und nach Feierabend  in der Trägerschaft der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KV) liegen, teilte KV-Sprecherin  Birgit Grain dem Kurier auf Anfrage mit. 18 Jahre lang hatten  Bayreuther Hausärzte die Notfallversorgung von Patienten im Dok-Haus sichergestellt. Nach den neuen gesetzlichen Vorgaben könnten sie das nicht mehr leisten, teilten sie dem Kurier mit.

Umzug in die Brandenburger Straße

Wegen Umbaumaßnahmen wird die Bereitschaftspraxis ab Montag vorübergehend in die Räumlichkeiten der KV-Bezirksstelle Oberfranken in die Brandenburger Straße 4 umziehen. Danach soll sie nach KV-Angaben an den alten Standort in der Spinnereistraße zurückkehren, wird aber nicht mehr Dok-Haus heißen.  Der Umbau in der Spinnereistraße soll im  August abgeschlossen sein.

Öffnungszeiten werden ausgeweitet

Zunächst gilt eine Übergangsregelung: An diesem ersten Juli-Wochenende soll die Bereitschaftspraxis wie bisher in den Räumen des Dok-Hauses in der Spinnereistraße von 9 bis 12 Uhr und von 18 bis 21 Uhr geöffnet sein. Dann erfolgt der vorübergehende Umzug in die Brandenburger Straße 4. In der ersten Juliwoche wird die Bereitschaftspraxis Bayreuth am Mittwoch und Freitag von 16-21 Uhr geöffnet haben. Ab Samstag, 8. Juli, werden die Öffnungszeiten ausgeweitet. Die Bereitschaftspraxis ist dann täglich zu folgenden Öffnungszeiten besetzt: Montag, Dienstag, Donnerstag: 18-21 Uhr; Mittwoch, Freitag: 16-21 Uhr; Samstag, Sonntag, Feiertag: 9-21 Uhr. Das bisherige Dok-Haus war an Werktagen abends zwei Stunden geöffnet, an Samstagen und Sonntagen jeweils sechs Stunden.

Ärzte fühlen sich im Stich gelassen

Der Wechsel beim ärztlichen Notfalldienst geht nicht ohne Reibungen ab. Wie berichtet, hatten die Träger des Dok-Hauses der KV vorgeworfen, sie im Stich gelassen zu haben, weil sie für eine Übernahme des Dok-Hauses kein finanzielles Angebot vorgelegt habe. Dr. Alexander Wild, Sprecher des Dok-Haus-Betreibers Abacus, hatte die Vermutung geäußert, die KV habe das Dok-Haus wegen hoher Kosten nicht weiterbetreiben wollen. Abacus hatte eine fünfstellige Ablösungssumme verlangt. Die KV hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. In einer Mitteilung schreiben die Dok-Haus-Betreiber jetzt: „Eine sehr erfolgreiche, beliebte und einzigartige Anlaufstelle für unsere Patienten weicht einer bayernweiten Vereinheitlichung.“  (hierzu die Erklärung der Hausärzte). In der  neuen Bereitschaftspraxis werden nicht mehr nur Hausärzte, sondern auch Fachärzte Patienten behandeln.

Pilotregion mit Fahrdiensten

Zeitgleich mit dem Wechsel in Bayreuth eröffnet die KV am Montag auch am Klinikum Kulmbach und an der Sana-Klinik in Pegnitz jeweils eine neue Bereitschaftspraxis für Patienten, die außerhalb der üblichen Sprechstundenzeiten medizinische Hilfe brauchen. In den Landkreisen wird nach Mitteilung der KV eine "Pilotregion" zur Weiterentwicklung der Bereitschaftsdienste gestartet. Neben den Bereitschaftspraxen wird zusätzlich  von der KV  ein Fahrdienst organisiert, der medizinisch notwendige Hausbesuche durchführe. Der diensthabende Arzt werde von einem medizinisch geschulten Fahrer  zum Einsatzort begleitet. Bayernweit gibt es derzeit 80 Bereitschaftspraxen, die sich in der Regel an Kliniken befinden. Ihre Zahl soll auf 110 steigen.

Gedikom profitiert

Von der Neuregelung profitiert auch die in Bayreuth ansässige KV-Tochter Gedikom, die die Bereitschaftspraxen im Auftrag der KV betreibt. In Bayreuth sind nach Auskunft von Bereichsleiter Philip Bogdahn dadurch 21 neue Arbeitsplätze entstanden, vor allem in der Verwaltung. Insgesamt habe Gedikom mittlerweile 300 Mitarbeiter, rund 220 davon in Bayreuth.

INFO: Die Öffnungszeiten aller bayerischen Bereitschaftspraxen sowie eine Anfahrtsbeschreibung sind  auf der Internetseite www.bereitschaftsdienst-bayern.de zu finden. Telefonisch ist der Bereitschaftsdienst kostenlos und vorwahlfrei unter der bundesweit einheitlichen Telefonnummer 116117 erreichbar.

 Erklärung der Bayreuther Hausärzte:

Diese Erklärung verschickten die bisherigen Betreiber des Dok-Hauses: "Das Dok-Haus in Bayreuth hat am 30.Juni 2017 seine Pforten geschlossen. Eine lange Phase hausärztlicher Notfallversorgung geht zu Ende.  Etwa 90 000 Mitbürger aus Bayreuth und dem weiten Umland haben unsere Dienste seit der Gründung in Anspruch genommen. Ab 1999 in der Hindenburg-, seit 2009 in der Spinnereistraße. 42 Hausärzte versorg(t)en dort in den sprechstundenfreien Zeiten jährlich ca. 15 000 Krankheitsfälle.  

Das Dok-Haus ist aus einer Privatinitiative engagierter Hausärzte hervorgegangen und wurde nach den gesetzlichen Richtlinien der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) betrieben.

Diese Regeln ändern sich zur Jahresmitte 2017 landesweit grundlegend.

Nach diesen neuen Vorgaben können und dürfen wir im Dok-Haus nicht wie bisher weitermachen. Wir haben unser Möglichstes getan, wenigstens den Standort zu erhalten. Ob das gelingt, liegt nicht mehr in unserer Hand.

Ab 1.7.17 sind wir weder organisatorisch noch inhaltlich für den Betrieb einer Bayreuther Notfallpraxis zuständig. 

 Mit Bedauern und Wehmut scheiden wir aus unserem Projekt Dok-Haus aus. Eine sehr erfolgreiche, beliebte und einzigartige Anlaufstelle für unsere Patienten weicht einer bayernweiten Vereinheitlichung.  

Es bleibt Dank zu sagen für das Vertrauen, das wir in all den Jahren bei Ihnen, unseren Patienten, genießen durften. Ein Dank geht auch an unsere tüchtigen, hoch belastbaren Helferinnen und an das benachbarte MedCenter, mit dem wir gut zusammengearbeitet haben."

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