Nordhalben Endlich verkauft!

Susanne Deuerling

Seit vier Jahren hofft der Markt Nordhalben auf eine neue Nutzung des Polytec-Areals. Dieser Wunsch könnte sich nun erfüllen, dank einer Firma aus Baden-Württemberg.

Das Firmengelände ging nicht gerade weg wie warme Semmeln. Nun hat ausgerechnet eine Firma aus der Bäckereibranche das Gelände gekauft. Der Bürgermeister ist froh, dass sich hier wieder etwas tut. Foto: Archiv / Anja Barthen

Nordhalben - Das Polytec-Areal in Nordhalben ist verkauft. Neue Besitzerin ist eine Firma, die Maschinen für Großbäckereien herstellt und ihren Stammsitz in Baden-Württemberg hat. Dies teilte Bürgermeister Michael Pöhnlein (FW) in der jüngsten Marktgemeinderatssitzung am Dienstag mit. Den Namen des Unternehmens wollte Pöhnlein noch nicht bekannt geben. „Der Verkauf hat erst vor Kurzem stattgefunden und ich hatte noch keine Gelegenheit, den neuen Eigentümer persönlich kennenzulernen“, sagte der Rathauschef zur Begründung.

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Grundsätzlich sei der Verkauf „positiv zu bewerten“, so Pöhnlein. Das Gelände wäre ansonsten verfallen. Mit einem neuen Eigentümer gebe es hingegen die Chance auf eine Belebung des Grundstücks. Welche Pläne der Investor für das Areal habe, „wissen wir noch nicht“. Aus Sicht der Gemeinde wäre ein Gewerbepark, der auch andere kleine Firmen beherbergt, die beste Lösung. „Es wäre super, wenn das möglich wird.“ Doch die Entscheidung hierüber treffe der neue Eigentümer.

Seit zehn Jahren Leerstand

Die Schließung des Nordhalbener Polytec-Standorts, in dem unter der Regie einer österreichischen Unternehmensgruppe schwerpunktmäßig Tür- und Rücksitzverkleidungen gefertigt wurden, hatte die Region im Jahr 2012 schwer getroffen. Die Geschäftsleitung argumentierte seinerzeit, es seien perspektivisch nicht genug Aufträge zu erwarten, um den Standort rentabel zu halten. Betriebsrat und Gewerkschaften verwiesen dagegen auf eine hohe Wirtschaftlichkeit des Standorts und kritisierten das in ihren Augen unseriöse Geschäftsgebaren der Unternehmensleitung. Man habe zahlungskräftige Kunden verprellt und Managementfehler gemacht. Dennoch wurde seitens der Belegschaft und der Politik viel versucht, um die Schließung zu verhindern. Die Beschäftigten hätten beispielsweise freiwillig auf 30 Prozent ihrer Löhne und Gehälter verzichtet. Doch es war nichts zu machen: 2012 schlossen sich die Werkstore für immer.

Seither hat es mehrere erfolglose Vorstöße gegeben, das Areal zu beleben. 2014 versuchten die Abgeordneten Hans Michelbach und Jürgen Baumgärtner (beide CSU) in persönlichen Gesprächen bei Polytec in Österreich, eine Nachnutzung zu organisieren. Auch ein Kontakt zur Ansiedlungsagentur „Invest in Bavaria“ wurde vermittelt.

Idee eines Gewerbeparks platzt

Die Gemeinde führte ebenso zahlreiche Gespräche. Im vergangenen Jahr schien Bürgermeister Michael Pöhnlein eine neue Perspektive auftun zu können: einen Industrie- und Gewerbepark unter der Regie der Kommune. So verhandelte er einen Deal mit der Regierung von Oberfranken, der unter gewissen Voraussetzungen Fördermittel für Sanierungs- und Rückbaumaßnahmen hätte fließen lassen. Doch dieser kam dann doch nicht zustande. Voraussetzung wäre die Ansiedlung mindestens einer größeren Firma gewesen, die sich innerhalb eines Jahres auf dem Areal niederlässt und für entsprechende Arbeitsplätze sorgt. Doch diese Firma fand sich nicht.

Seither kümmerte sich Polytec wieder selbst um eine Vermietung oder um einen Verkauf. Zuletzt auch mithilfe eines Maklers, der nun in Baden-Württemberg erfolgreich war. „Ob sein Deal ein Sechser im Lotto für Nordhalben wird oder ein Dreier mit Zusatzzahl, werden wir noch sehen. Wichtig ist aber erst mal, dass es überhaupt wieder eine Perspektive gibt“, so Pöhnlein.