Nilpferdfreunde treffen sich im Rheingold

Von Moritz Kircher

Der Club der Nilpferdfreunde will „das Ansehen des Nilpferdes mehren und Schaden von ihm abwenden“. So steht es in der Vereinssatzung. Die Vereinsmitglieder aus ganz Deutschland, die sich am vergangenen Wochenende zu ihrer Jahrestagung im Hotel Rheingold getroffen haben, haben ein Faible fürs Nilpferd. Aber ganz so ernst nehmen sie die Sache oftmals nicht. Ein Amtsrichter schon, weshalb aus der Gründung des Vereins vor 31 Jahren beinahe nichts geworden wäre.

Karin Fuchs, Brigitte Szandar-Jäger und Lothar Aurich (von links) vom Club der Nilpferdfreunde. Der Verein richtete seine Jahrestagung 2016 im Hotel Rheingold in Bayreuth aus. Foto: Moritz Kircher Foto: red

Brigitte Szandar-Jäger ist eine Nilpferdfreundin der ersten Stunde. Die Bonnerin war damals dabei, als der Club in ihrer Heimatstadt gegründet wurde. Sie und ihre Mitstreiter wollten den Club der Nilpferdfreunde mit besagtem Satzungszweck ins Vereinsregister eintragen lassen. Doch den Nilpferdfreunden wieherte erst einmal der Amtsschimmel entgegen. Das Gericht lehnte ab – ohne Nilpferd kein Eintrag für einen Nilpferdverein.

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Über Umwege zum echten Nilpferd

Das war ein Problem. „In Deutschland ist es verboten, ein Nilpferd als Haustier zu halten“, sagt Lothar Aurich. Also besorgten sich die Nilpferdfreunde eines auf Umwegen. Gerd Simoneit-Barum, Direktor des gleichnamigen Zirkus’, hatte eins. Katharina Karla. Und er ließ sich überreden, dem Verein beizutreten. Er ist immer noch Ehrenmitglied.

„Dann kam irgendwann kommentarlos der Eintrag ins Vereinsregister“, erinnert sich Brigitte Szandar-Jäger. „Das war eine Juxidee“, sagt Lothar Aurich. „Wir dachten, das geht vielleicht drei oder vier Jahre.“ Das war im Jahr 1985, und der bizarre Streit mit dem Amtsgericht fand ein so großes Medienecho, dass die Mitgliederzahl des Vereins schnell auf 350 anwuchs.

Club überdauert den Happy-Hippo-Hype

Es war auch die Zeit, in der Karin Fuchs auf den Verein aufmerksam wurde. Damals hatte sie drei Plüschnilpferde. Heute hat sie 800 Hippopotamus amphibius – das ist der wissenschaftliche Name der Tiere – in ihrer Wohnung. Stofftiere, Teekannen, Toilettenbürstenhalter, Christbaumkugeln. „Es gibt Nilpferde in allen Ausführungen“, sagt sie.

Und obwohl der Happy-Hippo-Hype aus den Überraschungseiern schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, vorbei ist, „kommen jedes Jahr Nilpferde in neuen Ausführungen auf den Markt“, sagt Fuchs. Was Freunde und Verwandte ihr zum Geburtstag und zu Weihnachten schenken, ist klar.

Genscher stiftet dem Club einen Orden

Aber warum sind ausgerechnet Nilpferde seit mehr als 30 Jahren das Bindeglied zwischen den Vereinsmitgliedern in ganz Deutschland? „Zufall“, sagt Brigitte Szandar-Jäger. Die Schnapsidee von damals hat eben funktioniert. Lothar Aurich widerspricht. „Ich glaube nicht, dass das Zufall ist“, sagt er. „Wir sind eben alles Leute mit einer großen Klappe.“

So ist es nicht verwunderlich, dass auch einige prominente Politiker alsbald auf den Verein aufmerksam wurden. Der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher hat den Nilpferdfreunden in den Gründungsjahren einen Orden gestiftet – den Hippopotamus Diplomaticus am schwarz-rot-goldenen Bande, der immer noch jedes Jahr verliehen wird.

Club hegt auch ernsthafte Absichten

„Es gibt aber auch Mitglieder, die das ganz ernst nehmen“, sagt der Clubvorsitzende. Der Verein spendet an Zoos und Tierschutzorganisationen. Einige Mitglieder sind Tierpfleger in Nilpferdgehegen oder schreiben für Zoo-Magazine. Und Nilpferdfreunde gibt es nicht nur in Deutschland. Mit seinem französischen Pendant hat sich der Verein in den vergangenen Jahren schon ausgetauscht. Und Karin Fuchs hat mitbekommen, dass es auch in Japan einen Verein gibt. „Vielleicht sollten wir den mal besuchen“, sagt sie.