Zwei Tore von Stürmer Köpke reichen für den 1. FC Nürnberg nicht einmal zu einem Auswärtspunkt. Die entscheidende Szene erregt die Gemüter. Die unnötige Schlappe in Braunschweig erhöht den Druck.

Braunschweig (dpa/lby) - Die Empörung über den Last-Minute-Elfmeter bei der ärgerlichen Niederlage in Braunschweig überlagerte beim 1. FC Nürnberg einen schon wieder gefährlichen Trend. Nach dem 2:3 (2:1) beim Aufsteiger muss der "Club" in der 2. Fußball-Bundesliga beim Blick auf die Tabelle erneut nach unten schauen. Die Aufbruchstimmung unter Sportvorstand Dieter Hecking und Trainertalent Robert Klauß droht zu verpuffen. Sechs Punkte aus sechs Spielen sind zu wenig.

Dem 35-jährigen Klauß fiel es am Samstag schwer, die Niederlage zu akzeptieren. "Wir wollten unbedingt diesen Dreier und hätten einen Sieg auch verdient gehabt", meinte er nach 90 turbulenten Minuten, in denen die Franken schon wieder eine verdiente Führung verspielten und am Ende heftig mit Schiedsrichter Sven Waschitzki haderte. Der blieb auch nach dem Videostudium eines Zweikampfes von Verteidiger Lukas Mühl mit Braunschweigs Lasse Schlüter im Strafraum bei seinem Urteil Strafstoß. Den verwandelte Nick Proschwitz in der Nachspielzeit.

"Das ist niemals ein Elfmeter, auch wenn man sich das zehnmal anguckt. Es ist ein leichter Kontakt da, der aber ist nicht ursächlich für das Fallen", schimpfte Klauß. "Für mich ist das viel zu wenig für einen Elfmeter", beschwerte sich auch Verursacher Mühl: "So eine Situation wird nicht mal im Mittelfeld gepfiffen."

Schlitzohr Schlüter hatte den Elfer bewusst provoziert. "Für mich hält er mich oben und trifft mich unten leicht. Das nehme ich an und falle. Für mich war das ein klarer Elfmeter", schilderte Schlüter die Szene. Ehrlich gab der Elfmeter-Provokateur im Interview nach dem Spiel zu: "Ich hätte mich genauso beschwert, wenn ich auf der anderen Seite gewesen wäre. Dann hätte ich gefordert, dass es keiner ist."

Der strittige Elfmeter war jedenfalls spielentscheidend. Und selbst zwei Tore des starken Stürmers Pascal Köpke (31./42. Minute) langten vor 2788 Zuschauern so nicht mal zu einem Zähler für die Gäste. "Alle sind sehr sauer", berichtete Köpke. Unnötig war aber schon vor dem 2:3, dass die Braunschweiger nach dem Traumtor von Danilo Wiebe (25.) durch ihren Kapitän Martin Kobylanski (52.) ausgleichen konnten. "Die Situationen, die wir zugelassen haben, führten gleich zu Toren", kritisierte Klauß: "Dass wir so Punkte verlieren, ist sehr bitter."

Seine Mannschaft sah der Trainer "über großen Strecken des Spiels sehr dominant. Wir hatten viel Ballbesitz, auch in den gefährlichen Räumen." Aber zur Wahrheit gehört auch, dass die Franken nicht in der Lage sind, gerade nach Führungen reif und souverän aufzutreten.

Früh in der Saison gerät der "Club" nach dem Beinahe-Absturz in die 3. Liga wieder unter Zugzwang. "Du hast Druck, wenn du die Ergebnisse nicht erzielst", sagte Hecking in Braunschweig. Am kommenden Samstag kommt der Bundesliga-Absteiger Fortuna Düsseldorf nach Nürnberg. Der verhinderte Matchwinner Köpke mahnte: "Wir müssen jetzt die Köpfe wieder hochkriegen und schauen, dass wir gegen Düsseldorf drei Punkte holen." Der Abwärtstrend muss dringend umgekehrt werden.