Niederlage zum Saisonfinale Medi unterliegt in Braunschweig 85:100

Der energische Zug zum Korb war das Erfolgsrezept der Bayreuther in der ersten Halbzeit. Nicht zuletzt Kassius Robertson (rechts, im Duell mit DeAndre Lansdowne) hatte dabei starke Szenen. Foto: Peter Kolb

BASKETBALL. Mangelnde Einstellung konnte man Medi Bayreuth am letzten Bundesliga-Spieltag sicher nicht vorwerfen. Obwohl es für den Tabellenzwölften um nichts mehr ging, trug er bei den Löwen Braunschweig seinen Teil zu einem gutklassigen und lange Zeit offenen Spiel bei. Am Ende feierten die Gastgeber aber doch einen Sieg mit 100:85 (47:48), der ihnen den achten Platz und damit erste Playoff-Teilnahme seit sieben Jahren sicherte.

 

Entscheidend war dabei, dass die Bayreuther ihren taktischen Plan nur eine Halbzeit lang wunschgemäß umsetzen konnten. Im Mittelpunkt stand dabei das Ausnutzen der physischen Vorteile unter dem Korb, wo die Gastgeber durch den Ausfall ihres verletzten Centers Scott Eatherton empfindlich geschwächt waren. Das Medi-Team attackierte von allen Positionen aus konsequent die Zone und kam dadurch entweder zu guten Chancen aus der Nahdistanz, oder doch zumindest zu vielen Freiwürfen (9/11 im ersten Viertel), die gleichzeitig die Foulbelastung auf Braunschweiger Seite erhöhten. Durch die zweiten Fouls von Christian Sengfelder (6.) und Lars Lagerpusch (8.) waren die beiden Eatherton-Stellvertreter schon im ersten Abschnitt in Schwierigkeiten. Das hatte zur Folge, dass Medi-Center Hassan Martin im zweiten Abschnitt auf seiner Position dominierte und allein elf Punkte sammelte. Unterm Strich hatten die Bayreuther bei Halbzeit eine für sie durchaus untypische Bilanz mit nur fünf Dreier-Versuchen (drei Treffer) und 14/29 Würfen aus dem Zweier-Bereich.

Die Braunschweiger mussten bis dahin versuchen, von außen dagegen zu halten, was naturgemäß weniger beständigen Erfolg hatte. Den Anschluss hielten sie hauptsächlich durch die individuelle Klasse von DeAndre Lansdowne, der nach zehn Minuten schon 16 Punkte auf dem Konto hatte (4/5 Dreier). Sechs davon resultierten aus zwei Dreiern in den letzten 25 Sekunden vor der ersten Pause. Überhaupt zeigten sich die Löwen jeweils in den Schlussphasen nervenstark. Das zweite Viertel beendeten sie mit 6:1 Punkten, das dritte gar mit 10:2.

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Menz: "Doppeln unter dem Korb war der Schlüssel."

Vom zweiten Viertel an verteilten die Gastgeber ihre Punktausbeute schon besser, doch der entscheidende Fortschritt gelang ihnen erst nach dem Seitenwechsel. „Da haben wir unter dem Korb gedoppelt, das war der Schlüssel“, erklärte Löwen-Trainer Frank Menz nach dem Spiel. Martin war damit zwar weiterhin kaum zu stoppen, aber zumindest dämmten die Braunschweiger so die Foulbelastung ihrer langen Spieler ein (auch weil die Schiedsrichter vielleicht die Verteilung der Fouls von 13:6 in der ersten Halbzeit ein wenig ausgleichen wollten). Gleichzeitig wurde das Medi-Team in diesem Bereich geschwächt, als sich De’Mon Brooks bei 62:61-Führung nach seinem dritten Foul gleich noch das vierte als technisches einhandelte.

Letztlich wurde ein Spieler auf den großen Positionen sogar zum Braunschweiger Matchwinner: Sengfelder stabilisierte die bis dahin höchste Löwen-Führung beim 73:64 durch neun Punkte im Alleingang bis zum 82:71 (34.) und sammelte dann noch sieben weitere Zähler. „Meine frühen zwei Fouls haben weh getan“, sagte Sengfelder am Ende. „Umso mehr bin ich froh, dass ich dem Team noch helfen konnte.“

Die Bayreuther stellten zwar auch nach dem zweistelligen Rückstand den Widerstand nicht ein, aber näher als 90 Sekunden vor Schluss mit dem Dreier von Bastian Doreth zum 85:93 kamen sie nicht mehr heran. Vor allem Kassius Robertson wehrte sich bis zum Ende und erzielte in der zweiten Hälfte 15 Punkte.

NBA-Star Dennis Schröder jubelt mit

Am Spielfeldrand bejubelte NBA-Star Dennis Schröder den Erfolg seines Heimatvereins, zu dessen Gesellschaftern er gehört. „Ich habe mitgefiebert, und jetzt ist das ein Wahnsinnsgefühl“, sagte der Nationalspieler von Oklahoma City Thunder. „Seit ich hier mit in der Organisation bin, wurde viel gedreht, und dass es jetzt gleich mit den Playoffs geklappt hat, ist großartig. Ich bin unfassbar stolz, so müssen wir hier weiter machen.“ Auch bei den Playoffs will Schröder wieder als Zuschauer dabei sein.

EINZELKRITIK

Adonis Thomas (0 Punkte / 19:09 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: -11): Die größte Enttäuschung im Medi-Team: 0/5 Würfe, zwei Rebounds, ein Ballgewinn.

KASSIUS ROBERTSON (23 / 25:15 / -8): Mit schnellem Antritt zum Korb (4/7 Zweier) ebenso gefährlich wie an der Dreierlinie (4/4); fünf Assists, zwei Rebounds und ein Block unterstreichen den starken Gesamteindruck, auch wenn Gegenspieler Lansdowne genauso viele Punkte sammelte.

David Stockton (6 / 10:58 / -12): Bei weitem nicht der Faktor, den man von einem ausländischen Spielmacher erwartet (1/3 Würfe, 3/4 Freiwürfe, drei Assists, zwei Ballverluste).

BASTIAN DORETH (3 / 29:43 / -3): Bei fast 30 Einsatzminuten muss sich der Kapitän als Spielmacher Nummer eins am Braunschweiger Rahon messen lassen (15 Punkte, sieben Assists), und dafür ist seine offensive Bilanz zu mager: 1/2 Dreier, vier Assists.

Andreas Seiferth (5 / 10:03 / -15): In den Pausen für den dominierenden Martin konnte er das Niveau nur schwer halten (2/4 Würfe, drei Rebounds).

HASSAN MARTIN (21 / 29:57 / 0): Seiner Physis war kein Braunschweiger gewachsen. In der ersten Halbzeit hatte er sogar gute Chancen für noch etwas mehr als 13 Punkte (6/11 Würfe), aber am Ende konnte sich auch die Trefferquote sehen lassen (10/16). Für die Bayreuther Defensive wurde allerdings der größere Aktionsradius von Sengfelder ein Problem.

Gregor Hrovat (7 / 20:38 / -6): Relativ unauffällig für seine Verhältnisse: 2/6 Würfe, drei Assists, drei Rebounds.

Lukas Meisner (7 / 17:55 / -5): Der gebürtige Braunschweiger war sichtlich motiviert und hatte gute Szenen (1/1 Dreier, 1/2 Zweier, 2/2 Freiwürfe, vier Rebounds, ein Assist, zwei Ballverluste).

DE’MON BROOKS (9 / 22:05 / -10): Trotz der Konzentration des Bayreuther Spiels auf die großen Positionen kam er nur vereinzelt zur Geltung (4/5 Zweier, kein Rebound). Dazu trug auch sein viertes Foul bei, das er sich als technisches einhandelte (27.).

NIK RAIVIO (4 / 14:17 / -5): Bemüht, aber nicht so stark wie zuletzt (2/5 Würfe, drei Rebounds, zwei Assists).

Johannes Krug: Nicht eingesetzt.

STATISTIK

Löwen Braunschweig

Nawrocki (0 Punkte / 6:44 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: -14), BLAKE (4 / 16:34 / 5), Figge (5 / 10:19 / 11), LANSDOWNE (23 / 32:20 / 5), Klepeisz (10 / 26:28 / 17), SENGFELDER (23 / 25:28 / 15), Kovacevic (2 / 1:33 / -6), HINES (12 / 35:45 / 13), RAHON (15 / 31:31 / 23), Lagerpusch (6 / 13:18 / 6); Feldwurfquote: 36/70 (51 Prozent), davon 13/33 Dreier (39 Prozent): Lansdowne (5/9), Sengfelder (3/6), Hines (2/9), Figge (1/1), Klepeisz (1/2), Rahon (1/3); Freiwürfe: 15/17 (88 Prozent); Rebounds: 20 defensiv, 12 offensiv (Sengfelder 2/5, Hines 3/2, Lansdowne 4/1); Assists: 21 (Klepeisz 7, Rahon 7); Ballgewinne: 6 (Lansdowne 2); Ballverluste: 7 (Lansdowne 3); Effektivität: 117 (Sengfelder 29, Lansdowne 22, Rahon 20).

Medi Bayreuth

Feldwurfquote: 32/62 (52 Prozent), davon 8/14 Dreier (57 Prozent): Robertson (4/4), Hrovat (1/1), Meisner (1/1), Doreth (1/2), Stockton (1/2); Freiwürfe: 13/16 (81 Prozent); Rebounds: 23 defensiv, 9 offensiv (Martin 5/2); Assists: 21 (Robertson 5, Doreth 4); Ballgewinne: 2; Ballverluste: 13 (Martin 3); Effektivität: 96 (Robertson 27, Martin 23).

SR: Anne Panther, Kovacevic, Oruzgani; Zuschauer: 3327.

Stationen: 5:10 (4.), 10:15 (6.), 16:15 (7.), 16:20 (8.), 27:26 (1. Viertel), 29:32 (12.), 31:40 (15.), 43:47 (18.), 47:48 (Halbzeit), 55:55 (23.), 66:64 (28.), 71:64 (3. Viertel), 80:68 (33.), 89:80 (37.), 100:85 (Ende).

 

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