Marktredwitz - Seinen "Job" für Radspitz beschreibt Lars Rau so: "Wir wollen dem Publikum ein gutes Gefühl geben", sagt der Sänger der fränkischen Cover-Band. Doch was deutschlandweit ebenso gut funktioniert wie im vergangenen Jahr im Marktredwitzer Auenpark, wo Tausende mit Radspitz feierten, liegt jetzt auf Eis. Konzerte sind während der Corona-Krise ebenso verboten wie Proben-Treffen der Bandmitglieder aus Marktredwitz, Kronach, Bad Staffelstein, Bamberg und Bad Kissingen. Was n tun?

"Radspitz schaut immer nach vorne: Wir suchen das Positive", sagt der 38 Jahre alte Marktredwitzer Lars Rau. Spontan sei die Idee entstanden, die aktuelle Lage in einem Song ironisch zu thematisieren. "Aber bloß nicht auf so eine ruhige Art und Weise, das passt nicht zu Radspitz", erklärt Rau. In dieser bedrückenden Pandemie-Phase, in der sich die Leute viele Sorgen machten, wollten die Musiker etwas zum Schmunzeln bieten, um erneut dieses gute Gefühl zu erzeugen, das die Band-Konzerte so erfolgreich macht. Flugs entstand die Idee, einen Song mit aktuellem Text zu Hause aufzunehmen und ihn über die sozialen Medien zu verbreiten. "Andere Mittel haben wir aktuell nicht, um unser Publikum zu erreichen", stellt Rau klar.

Vor einer Woche schickte Bandleader Klaus Pfreundner aus Kronach Sänger Lars Rau erste Textpassagen; der Marktredwitzer sendete seine Entwürfe zurück. Leider konnten nicht alle fünf Radspitz-Mitglieder mitmachen, da nur Pfreundner und Rau über geeignete Studios zu Hause verfügen. Einzelne Szenen steuert Schlagzeuger Johannes Klütsch bei, der im Film an verschiedenen Instrumenten auftaucht. Weil er in Bamberg am Wasser wohnt, konnte sogar an Klütschs Anlegersteg gedreht werden. Wild hüpfend springen später Lars Raus Tochter und Sohn durchs Bild, um die Passage "Waschen, Bügeln, keine Schule, Kinder außer Rand und Band" zu illustrieren.

#Stayhome heißt es zu Beginn des Clips, zu sehen sind zunächst Mitschnitte eines großen Konzerts bei Mannheim, bevor es nach Hause geht zu Lars Rau und Klaus Pfreundner. Gezeigt wird, wie öde diese Ausgangssperre ist. Rau blättert gelangweilt im Kalender, irgendwann beißt er vor lauter Verzweiflung in eine Tulpe. Johannes Klütsch jongliert mit Klopapier, bevor die Kamera das textlich angekündigte "kurze Gitarren-Solo" ironisiert und Klütsch an der Ziehharmonika zeigt.

Wie in "We Didn’t Start the Fire" reihen auch die Radspitz-Sänger ungebremst Schlagworte um ihren Refrain "Wir haben nichts zum Feiern". Doch während Billy Joels 1989 veröffentlichtes Original Zeitgeschichte Revue passieren lässt, knallen Rau und Pfreundner aktuelle Zustandsbeschreibungen raus. Dieser Kunstgriff macht deutlich, welche Schneise aus Panik und Einschränkung das neue Virus sogar schon im Alltag derer geschlagen hat, die ebenso wie die Bandmitglieder "Schwein" hatten und nicht krank sind. Selbstironisch offenbaren Rau und Pfreundner die fatalen Folgen fieser Freiheitsberaubung: "Langeweile, keine Gigs, kein Geld, Kartoffelchips, zu viel Fett, Cholesterin, und das Bier ist aus."

Schlagwort für Schlagwort wechseln sich die beiden Sänger ab, dazu ist das Bild oft in zwei Hälften geteilt: Die eine zeigt Lars Rau zu Hause in Marktredwitz, die andere Klaus Pfreundner e in Kronach. Darunter wird der Text eingeblendet - natürlich auch das Happy End, mit dem die Radspitz-Musiker sich und allen Fans ordentlich Mut zusprechen:

"Wir werden wieder feiern:

Doch bis es soweit ist,

baut bitte keinen Mist.

Wir werden wieder feiern,

und irgendwann ist’s auch mit diesem Spuk vorbei, vorbei,

vorbei, vorbei, vorbei, vorbei."