"Nicht gekannt" Uni Bayreuth lädt Links-Extremen ein – und wieder aus

Das Plakat zu Amanns erster Veranstaltung, die von der Uni abgesagt wurde. Foto: Vanessa Lutz

BAYREUTH. Ein linker „Aktionskünstler“, der Studenten beibringen wollte, wie man Straßenblockaden macht. Diese Veranstaltung hat die Uni Bayreuth jetzt abgesagt. Durch Recherchen des Kuriers war herausgekommen: Der Mann gehört zu einer Gruppe, die der Verfassungsschutz beobachtet. An der Uni war das nicht bekannt.

Marc Amann lehrt die „Kunst des kreativen Straßenprotestes“. So jedenfalls hieß der Workshop, der an diesem Samstag im Iwalewa-Haus von 9.30 bis 16.30 Uhr angekündigt war. Dezidiert eingeladen waren die jungen Leute, die sich bei Fridays for Future engagieren und weitere Gruppen, die sich für Klimaschutz stark machen wollen.

Nur ein Klick im Internet zeigt, Amann gehört zum Umfeld der sogenannten Interventionistischen Linken (IL). „Die IL wird vom Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet. In Bayern verfügt sie über Ortsgruppen in Aschaffenburg, München und Nürnberg“, sagt Sönke Meußer, Sprecher des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz in München. Drei Seiten stünden über die Organisation im aktuellen Verfassungsschutzbericht, der öffentlich einsehbar ist.

"Wir haben es nicht gewusst"

Wieso lädt die Universität einen „Aktionskünstler“ ein, der dem Verfassungsschutz ein Dorn im Auge ist und stellt ihm ihre Räume zur Verfügung? „Weil wir es nicht gewusst haben“, sagt Manfred Miosga, Professor für Professor für Stadt- und Regionalentwicklung Universität Bayreuth und Vorsitzender der Gruppe Forum 1.5, die sich für Klimaschutz in Bayreuth einsetzt.

In dieser Gruppe sind auch Lokalpolitiker und Vertreter der Kirche engagiert – auch dort scheint man sich nicht mit der geistigen Heimat von Amann beschäftigt zu haben. „Wir sind nicht draufgekommen“, sagt Miosga. Der Vorschlag, Amann einzuladen, sei aus „zivilgesellschaftlichen Foren“ heraus gekommen.

Man wollte eine Diskussion, wie man Aufmerksamkeit bei Aktionen für den Klimaschutz erreiche könne – auf legalem Weg. „Was Amann im Netz schreibt, passt zu der Veranstaltung und unseren Zielen gut“, sagt Miosga. Es sei eben gerade um die Frage gegangen, wo bei Veranstaltungen Grenzen überschritten werden. Auch die Schüler bei den Fridays-for-Future-Veranstaltungen überschreiten eine: Sie schwänzen die Schule. Und jetzt? „Wir sagen die Veranstaltung ab“, sagt Miosga. Eine ähnliche Veranstaltung sei jetzt für den Herbst geplant.

„Die Einstellung zur Gewalt ist taktisch geprägt, sie wird nicht grundsätzlich abgelehnt“, heißt es im Verfassungsschutz-Bericht. Für den politischen Kampf gegen den Kapitalismus sei ein „revolutionärer Umsturz“ angestrebt.

Die Grundlagen „autonomer Politik“, so heißt es im Bericht weiter, sollten neu definiert werden. „So soll insbesondere die Vermittelbarkeit auch gewaltsamer Aktionsformen gegenüber weiten Teil der Gesellschaft“ verbessert werden.

Kein Forum für Extremismus

Zur Absage der Veranstaltung sagt Uni-Präsident Stefan Leible: „Als Universitätspräsident kann ich nicht jeden Gast auf dem Campus kennen. In dem Moment, als bekannt wurde, um wen es sich hier handelt, haben die Verantwortlichen sofort Konsequenzen gezogen. Zu Recht. Wir, die Universität Bayreuth, geben jedweder Form von Extremismus, egal aus welcher politischen Ecke er kommt, kein Forum.“

Auch Leible hat erst durch Kurier-Recherchen erfahren, dass Amann einer Gruppierung zugerechnet wird, die der bayerische und des bundesdeutsche Verfassungsschutz beobachten.

Die Zusagen zu der Veranstaltung sind öffentlich im Internet einzusehen. Darunter auch viele Studenten und Schüler, die sich für Klimaschutz einsetzen, und über die auch diese Zeitung schon berichtet hat. „Man hätte Angriffsflächen aufgemacht“, sagt Miosga – vor allem auch für Gruppen von Rechtsaußen. Die Gefahr sei dann, dass die Aufmerksamkeit vom Klimaschutz weggehe, um „den es eigentlich gehen müsste“.

Das merken die Schüler der Fridays for Future, die in die Kritik geraten sind, als Aktivisten der linken Antifa in ihren Reihen mitgelaufen sind. „In der Bayreuther FFF Whatsapp Chatgruppe grämt sich der Unmut“ darüber, heißt es. Das veröffentlichte die sogenannte Gruppe UA, die laut Informationen des Kuriers auch aus Mitgliedern der Universitäts-Fachschaft SpLit besteht und die sich öffentlich auf die Seite der Antifa stellt.

Amann selbst schreibt auf Anfrage des Kuriers: „Es ist kein Geheimnis, dass ich öffentlich für gesellschaftlich notwendige Aktionen des Zivilen Ungehorsams einstehe. Ich hatte mich auf eine offene Diskussion darüber gefreut, ob es angesichts der Zerstörung der Lebensgrundlagen auf der Erde notwendig ist, zivilen Ungehorsam zu leisten. So wie es u.a. Fridays for Future, Extinction Rebellion und Ende Gelände bereits tun. Und wie es früher die Anti-Atomkraft-Bewegung und die Friedensbewegung getan haben.“

Warum sein Workshop abgesagt wurde, erklärt er so: „Der wahre Grund, weswegen ich ausgeladen werde, scheint mir zu sein, dass diese Diskussion von höchster politischer Ebene in Bayreuth und Bayern nicht gewollt ist.“ Dazu dass die IL vom Verfassungsschutz beobachtet wird, sagt er nichts.

 

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