Neujahrsempfang der Arbeitgeber Licht und Schatten in Oberfrankens Wirtschaft

Matthias Will
Die Corona-Pandemie verlangt Wirtschaft und Bürgern viel Geduld ab, weil es immer wieder Einschränkungen gibt. Foto: dpa/Christophe Gateau

Materialnot, Corona-Beschränkungen und stark gestiegene Energiepreise – noch immer kämpft die oberfränkische Wirtschaft mit vielen Problemen. Dennoch gibt es auch ermutigende Stimmen.

Thurnau - Das zurückliegende Jahr hat den Unternehmen in der Region nicht zuletzt wegen der anhaltenden Corona-Pandemie viel abverlangt. Nun blickt die Wirtschaft trotz der derzeit hohen Infektionszahlen, die auch in diesem Winter wieder Einschränkungen notwendig gemacht haben, positiv in das neue Jahr 2022. Das verkündete Thomas Kaeser am Mittwochabend beim Neujahrsempfang der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW), der traditionell gemeinsam mit dem oberfränkischen Medientag in Thurnau stattfand. Der oberfränkische VBW-Bezirksvorstandsvorsitzende sagte: „Wir haben hoffentlich einen Weg aus der Krise gefunden. Er führt über das Impfen und Boostern.“ Kaeser appellierte an alle Bürgerinnen und Bürger, sich impfen zu lassen, sofern keine medizinischen Gründe da­gegensprächen. Jede Erhöhung der Impfquote sei ein Schritt zur schnellen Rückkehr zur Normalität.

Lob, aber auch Tadel gab es für die neue Bundesregierung. Vieles, was im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP vereinbart worden sei, klinge ermutigend, so Kaeser. Er nannte die geplante Offensive zur Modernisierung und Digitalisierung. Positiv sei ebenfalls, dass die Ampelpartner die öffentliche Verwaltung entbürokratisieren und Genehmigungsverfahren beschleunigen wollen. Außerdem gehen nach Einschätzung der VBW die angedachten Maßnahmen in den „wichtigen Zukunftsbereichen Energie, Klima, Transformation, Mobilität, Forschung und Digitalisierung in die richtige Richtung“.

Fachkräftepotenzial sinkt

Allerdings befürchtet die VBW, die Sprachrohr von 153 bayerischen Ar­beitgeber- und Wirtschaftsverbänden sowie 47 Einzelunternehmen ist, auch die eine oder andere Verschlechterung. „Die Lohnzusatzkosten werden in den kommenden vier Jahren die Marke von 40 Prozent spürbar durchbrechen“, mahnte Kaeser. Die Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro entspreche einer Steigerung der Personalkosten um 25 Prozent. „Da­mit greift der Staat in viele Tarifverträge ein und missachtet so das Prinzip der Tarifautonomie“, monierte der VBW-Bezirkschef. Ebenso kritisierte er, dass der Koalitionsvertrag insgesamt vage und die Gegenfinanzierung „fast durchgehend offen“ bleibe.

Als große Herausforderung für die oberfränkische Wirtschaft nannte er die drei Ds: Dekarbonisierung, Di­gitalisierung, Demografie. „Wir müs­sen die schwierige Transformation zum klimaneutralen Industrieland hinbekommen. Da werden Geschäftsmodelle und ganze Firmenstrukturen umgewandelt werden.“ Statt auf Zwang und Verbote müsse man dabei auf Technologie und Innovationen setzen. Das Fachkräftepotenzial im Bezirk werde weiter abnehmen, sagte Kaeser. Er verwies auf Berechnungen des Landesamtes für Statistik, wonach die Bevölkerungszahl in Oberfranken bis 2039 gegenüber 2019 um 4,2 Prozent sinken wird.

Raus aus dem „Katastrophen-Modus“

Positives Denken, psychische Ro­bustheit und Motivation, aber auch Flexibilität und Fokussierung sind nicht nur im Sport entscheidende Faktoren, sondern auch in der Ar­beitswelt. Gastredner Arno Schimpf hob die Bedeutung von physischer und psychischer Gesundheit hervor. Denn bei aller Begeisterung für die Digitalisierung bleibe der Mensch biologisch ein „analoges Wesen“, sagte der Berater, Psychologe und Sportwissenschaftler. Um bis ins hohe Alter fit zu sein und selbstbestimmt leben zu können, müsse man aber auch etwas tun. Regelmäßig Sport und Bewegung – das erfordere Selbstdisziplin und Willensstärke. „Gesundheit müssen wir uns tagtäglich neu erarbeiten“, betonte Schimpf, der Spitzensportler, da­runter auch Olympiamedaillengewinner und Weltmeister, und Führungskräfte aus der Wirtschaft coacht. Eine positive Grundhaltung sei ein entscheidender Erfolgsfaktor. Hingegen seien negative Gedanken und ständig schlechte Nachrichten nicht nur für die mentale Gesundheit hinderlich, sondern auch für das körperliche Wohlbefinden. Mit Blick auf die Corona-Pandemie forderte der Referent: „Wir müssen raus aus diesem Katastrophen-Modus.“

Führungskräften riet Schimpf, die Stärken ihrer Mitarbeiter zu fördern, statt auf ihren Schwächen herumzureiten. Zentrale Aufgabe in leitenden Positionen sei es, Spielräume zu schaffen, in denen der einzelne Beschäftigte seine Kompetenzen zum Wohle des Unternehmens einbringen könne. So entstehe Leidenschaft für den Job, die gerade in Zeiten des wirtschaftlichen Wandels so wichtig sei.

 

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