Neues Konzept in Hollfeld Aus der Schule wird ein Lernhaus

Rektor Johannes Taubmann erklärte einigen Schülern schon mal, wo der Neubau hinkommt und warum ein Teil des Gebäudes abgerissen wird. Foto: Gerhard Leikam

HOLLFELD. Da geht es um ziemlich viel Geld: Die Generalsanierung der Grundschule Hollfeld-Plankenfels-Wonsees wird mehr als sieben Millionen Euro kosten. Die aktualisierten Pläne liegen jetzt auf dem Tisch, der Schulverband segnete sie in seiner Sitzung am Dienstagnachmittag ab. Am Ende soll etwas entstehen, das es in dieser Form in Bayern bisher kaum gibt – ein Lernhaus.

Dies sei ausdrücklicher Wunsch der Regierung von Oberfranken, sagte Helge Bey vom Architekturbüro Haase & Bey aus Karlstadt bei der Präsentation der neuen Version. Die fällt um 80 Quadratmeter größer aus als ihr Vorgänger. Das hängt mit den bisher fehlenden Zentren, mit den fehlenden „Marktplätzen“ zusammen. Klar, ein Zentrum werde der Neubau mit Pausenhalle und Aula sein. Aber die Wege dorthin sind lang. Die Regierung will mehr, will solche Zentren auch in den Klassentrakten, will die übliche Standardlösung mit langen Fluren und vielen Türen aufbrechen.

Aus den Fluren sollen Lernflure werden. Angelehnt an das Münchner Lernhaus-Konzept. „Das Ziel sind Aufenthaltsorte für Schüler wie Lehrer“, so Beys Kollege Werner Haase. Jeder Jahrgang solle seinen eigenen Bereich erhalten, seinen eigenen Multifunktionsbereich, „damit soll auch der Unterricht flexibler gestaltet werden können“. 

Das findet nicht nur die Regierung gut, sondern auch Schulleiter Johannes Taubmann. Er denkt an Lerntheken, ist überzeugt, dass mehr Abwechslung möglich ist im Sinne der Schüler. Gerade auch im musischen Bereich: „Eine Klasse singt im Chor, die andere ist instrumental unterwegs, die dritte in Sachen Bewegung.“ Das sei viel leichter umzusetzen mit diesem Konzept. 

Das in den Jahren 1959 und 1965 errichtete Schulgebäude, das mehrfach erweitert wurde, ist aus energetischer Sicht nicht mehr tragbar, auch beim Brandschutz hinkt man weit hinterher. Der wird künftig auch über drei Fluchtwege gewährleistet, dann können auch wieder Bilder aufgehängt und Garderoben in den Fluren angebracht werden. All das wurde verbannt, weil es sich um brennbare Materialien handelt. Der Neubau, der den Bereich ersetzt, in dem bisher die Eingangshalle, die WC-Anlagen und das Sekretariat untergebracht waren, wird wahrscheinlich viele Holzelemente enthalten, so Architekt Haase. Damit sei auch das Landratsamt einverstanden, „weil er sich damit besser abhebt vom Rest“. 

Unklar ist noch, ob Flächen für elf oder für zwölf Klassen mit Fördermitteln bedacht werden. Da spielen die bereits erwähnten 80 Quadratmeter eine Rolle. Bürgermeisterin Karin Barwisch ist überzeugt: „Wir können den Bedarf nachweisen.“ 

Die Architekten rechnen mit Gesamtkosten von sieben Millionen Euro. Sollte auch Klasse Nummer zwölf akzeptiert werden, kalkuliere man mit 7,2 Millionen – inklusive eines neuen Treppenhauses. Aus dem Topf des Finanzausgleichsgesetzes (FAG) dürften 65 Prozent an Zuschüssen fließen, damit wären unter anderem die 2,16 Millionen für die energetische Sanierung abgedeckt.

Bleiben laut Werner Haase drei Millionen Euro übrig, die sich bei niedrigsten Zinsen von deutlich unter einem Prozent über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) finanzieren ließen. Je höher der – bisher noch ungeklärte – Eigenkapitalanteil der betroffenen Kommunen sei, desto niedriger falle die Zinsbelastung aus. „Es geht da um 100 000 bis 120 000 Euro, die der Zweckverband jährlich schultern müsste“, so Haase. Dafür fielen die Kosten für Reparaturen weg, auch bei der Heizung spare man enorm. 

Das Vorhaben soll in zwei Bauabschnitten über die Bühne gehen, die Ausschreibung im Herbst erfolgen. Die Architekten wollen in nächster Zeit 
die „Ergebnis- und Genehmigungsplanung“ vorbereiten, sie gehen von einem Baubeginn im kommenden Jahr aus. Jeweils sechs Klassen und die Verwaltung müssen während der Bauphase in Containern lernen und arbeiten. – „Manchen gefällt das ja besser als die Atmosphäre in einem Klassenzimmer“, sagt Werner Haase. 

 

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