Neuer US-Center Medi Bayreuth verpflichtet Dererk Pardon

Medi Bayreuth hat die erste Ausländerstelle für die kommende Saison besetzt. Foto: Archiv

BASKETBALL. Die erste Ausländerstelle im Kader von Medi Bayreuth für die kommende Bundesligasaison besetzt ein Spieler für die großen Positionen: Wie bereits ein wenig voreilig im Internet gemeldet worden war (wir berichteten), gehört der Amerikaner Dererk Pardon künftig zum Aufgebot von Trainer Raoul Korner.

Der 23-Jährige ist 2,03 Meter groß, bringt 107 Kilogramm auf die Waage und verfügt bereits über Europa-Erfahrung. Nachdem er im vergangenen Jahr in der Summer League der NBA für Orlando Magic gespielt hatte (5,7 Punkte und 2,3 Rebounds in 13:48 Minuten Einsatzzeit), aber keinen Vertrag in der Profiliga ergattern konnte, spielte er in der vergangenen Saison für Reggio Emilia in der ersten Liga Italiens (Serie A). Dort war er unter anderem ein Teamkollege von Reggie Upshaw, der in der Saison 2017/18 als Topscorer und erfolgreichster Rebounder der Tigers Tübingen einen viel beachteten Eindruck in der BBL hinterlassen hatte.

Zum Zeitpunkt des Abbruchs der Saison in Italien aufgrund der Coronavirus-Krise lag Pardon mit seiner Mannschaft nach neun Siegen in 21 Spielen auf dem zwölften Platz. Sein persönlicher Beitrag dazu ist in den Statistiken mit 18:12 Einsatzminuten sowie 6,1 Punkten und 5,2 Rebounds notiert. Die Wurfversuche aus dem Feld verwandelte der Neu-Bayreuther mit einer Erfolgsquote von 54,3 Prozent, seine Freiwürfe mit 74,4 Prozent. Sein Engagement endete im März denkbar unglücklich, als er sich in einem Trainingsspiel einen Mittelhandbruch in der linken Hand zuzog. Daraufhin wurde der Vertrag vorzeitig aufgelöst.

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Die relativ unscheinbar wirkenden Statistiken von Dererk Pardon in Italien betrachtet Medi-Trainer Raoul Korner angesichts der Gesetze des Marktes durchaus nicht als Makel – eher im Gegenteil: „Dass er in Italien nur eine Nebenrolle in einem stark besetzten Team hatte, kommt uns jetzt zugute“, wird der Österreicher in einer Mitteilung des Klubs zitiert. Schließlich habe der Amerikaner schon vor einem Jahr „weit oben“ auf seiner Kandidatenliste gestanden, „bevor uns Reggio Emilia dazwischen gegrätscht ist“. Korner beschreibt ihn als „undersized“ (also für die Position relativ kleinen) Center, „der mit viel Energie spielt und mit seinen langen Armen und seinem hohen Motor ein Spiel verändern kann“: „Ich freue mich sehr, dass es mit einem Jahr Verspätung nun doch mit seiner Verpflichtung geklappt hat.“

Nach dem High-School-Abschluss in seiner Heimatstadt Cleveland hat Dererk Pardon die vier College-Jahre von 2015 an der Northwestern University verbracht, die neben ihrem Hauptsitz in Evanston auch einen Campus in Chicago unterhält. Bei den Wildcats verbesserte er seinen Punkteschnitt kontinuierlich, ehe im Senior-Jahr für ihn 14,0 Punkte, 7,8 Rebounds und 1,8 Assists in 33 Einsatzminuten pro Spiel verbucht wurden. Dabei verewigte sich der Center in den Bestenlisten seiner Universität mit 784 Rebounds als Fünfter und mit 148 geblockten Würfen sogar als Zweiter.

2017 gehörte Pardon zum ersten Team in der Geschichte der Northwestern University, das den Einzug ins NCAA-Turnier schaffte. Mit 14 Punkten und elf Rebounds hatte er sogar entscheidenden Anteil daran, dass dort in der ersten Runde ein 68:66-Sieg gegen Vanderbilt gelang.

Gespräche mit Seiferth wieder aufgenommen

Noch offen ist, wer mit Dererk Pardon künftig das Bayreuther Centerduo bilden wird. Geschäftsführer Björn Albrecht hat aber in einem virtuellen Business-Club-Treffen betont, dass die Corona-bedingt unterbrochenen Gespräche mit Andreas Seiferth inzwischen wieder aufgenommen worden sind: „Es ist kein Geheimnis, dass wir es uns sehr gut vorstellen könnten, ihn nach seiner aktiven Karriere hier in die Organisation zu integrieren. Gleiches gilt im Übrigen für Basti Doreth."

Lukas Meisner kehrt Bayreuth den Rücken

In die Freude über Neuzugang Dererk Pardon mischt sich bei Medi Bayreuth auch eine gehörige Portion Wehmut. Denn nun steht fest, dass Lukas Meisner nicht mehr nach Bayreuth zurückkehren wird. Wie berichtet nutzte der Forward eine Ausstiegsoption, die ihm vertraglich zugesichert worden war. „Mittlerweile sind für mich ganz neue Alternativen entstanden, die es vor kurzem noch nicht gab“, sagt Meisner, der aber nicht konkreter werden will und auch nicht preis gibt, ob er weiter in der BBL auflaufen oder im Ausland sein Glück versuchen wird. „Nur als Gerüchte“ bezeichnete der 24-jährige gebürtige Braunschweiger Meldungen, wonach er künftig einen Arbeitsplatz in Heimatnähe anstrebe. „Fakt ist, dass ich unbedingt den nächsten Schritt machen möchte. Ich bin ja längst kein Jugendspieler mehr. Und da ist die geografische Lage erst einmal zweitrangig.“

Bis zuletzt hatte auch Medi-Trainer Raoul Korner darauf gehofft, dass sich Meisner doch noch einmal für Bayreuth entscheiden würde, zumal er in der vergangenen Saison zu einem Leistungsträger avanciert war. „Lukas hat in den letzten beiden Jahren bei uns eine Bilderbuch-Entwicklung hingelegt. Durch seine professionelle Trainingseinstellung hat er sich zu einem der besten deutschen Forwards entwickelt. Es war eine Freude, mit ihm zusammen zu arbeiten“, wird Korner in einer Mitteilung des Vereins zitiert.

Die Statistiken aus der abgelaufenen Saison bestätigen die Worte des Medi-Coaches eindrucksvoll. In 18 BBL-Spielen brachte er es in der letzten Saison in 21:26 Minuten Einsatzzeit auf einen Schnitt von 10,2 Punkten und 3,8 Rebounds, nachdem er in der Bundesliga-Vorsaison nur 12:02 Minuten Einsatzzeit erhalten und dabei im Schnitt 2,9 Punkte und 1,7 Rebounds markiert hatte. Das Vertrauen des Trainers, aber auch sein eigenes Engagement seien ausschlaggebend für seine enorme Leistungssteigerung gewesen. „Ich habe in der Pre-Season einfach unheimlich hart gearbeitet, sicher härter als manch anderer“, sagt Meisner, der „Raoul, dem Verein und den Fans unheimlich dankbar“ ist. „Ich habe hier wahnsinnig viel gelernt, es war eine tolle Zeit in einer besonderen Stadt.“ Was er an Bayreuth besonders vermissen wird? „Auf jeden Fall die Menschen. Diese ganz vielen tollen Menschen“, antwortet Meisner wie aus der Pistole geschossen. „Schäufele kann ich auch in Hamburg essen, die Menschen, die mir hier ans Herz gewachsen, treffe ich dort aber nicht.“