Neuer Studiengang Globale Krisen im Fokus

Der Klimawandel, die Umwelt und unsere Gesundheit hängen zusammen. In Bayreuth wurde dazu ein Masterangebot entwickelt.

Umwelt, Klimawandel und Gesundheit: Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschk begrüßte die ersten Studenten und Studentinnen des zum Wintersemester 2022/23 gestarteten Studiengangs „Environment, Climate Change and Health“ an der Universität Bayreuth. Holetschek nahm am Freitag an akademischen Eröffnungsfeier teil. Dabei würdigte der Staatsminister für Gesundheit und Pflege den innovativen und interdisziplinären Ansatz des neuen Studienangebots. „Der Klimawandel ist ein Thema, das uns alle beschäftigen muss“, unterstrich Holetschek. „Bayreuth setzt sich an die Spitze der Entwicklung mit diesem aktuellen Studiengang.“

Denn Klimawandel und Gesundheitsschutz hätten eine enge Beziehung, sagte der Gesundheitsminister: „Was ist wichtiger, als die Menschen zu schützen?“ In Zukunft werde sich die Gesellschaft wandeln müssen, um auf veränderte klimatische Bedingungen zu reagieren. Die Kommunen würden Hitzeaktionspläne entwickeln, die Städteplanung neu überdacht werden. „Wie sehen die Städte der Zukunft aus?“, sei eine der zentralen Fragen. Nicht nur der Flächenverbrauch und bezahlbarer Wohnraum, auch die Durchlüftung spiele eine Rolle. „Sie drehen an einem Rad für die Zukunft der Menschheit“, lobte Holetschek alle Beteiligten an dem neuen Studienangebot. „Wir müssen uns fragen: Was haben wir hinterlassen? Wie geht es mit unserem Planeten weiter?“

In dem internationalen Master werden die Beziehungen zwischen Umwelt, Klima und Gesundheit erforscht und gelehrt. Denn ein gesunder Planet trägt zur Gesundheit der Menschen bei, so die Grundannahme. Dafür braucht es gut ausgebildete Fachkräfte, welche die Beziehungen zwischen dem Klimawandel und den Folgen für Menschen, Tiere und Umwelt verstehen.

Prof. Eckhard Nagel, Lehrstuhlinhaber für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften, skizzierte die gemeinsame Entwicklung des neuen Studienangebots. „Es ist dazu viel Expertise an der Universität Bayreuth vorhanden.“ Tigermücken, der West-Nil-Virus, Hitzetote in Deutschland: Eine Auswahl der Schlagzeilen der vergangenen Woche zeige, welche Bedeutung die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Umwelt, Klima und Gesundheit hat. „Es geht in den kommenden Jahren um die einmalige Gelegenheit, die Weichen neu zu stellen, um die schlimmsten Auswirkungen der planetaren Krisen abzumildern“, hob Nagel hervor. Dieser Master habe eine hohe Relevanz, weil er sich mit einer der zentralen Aufgaben des 21. Jahrhunderts befasse. Zugleich vereint er die Gesundheits-, Natur-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und Jurisprudenz miteinander. Fünf Fakultäten und das Exzellenzcluster Afrika Multiple sind beteiligt.

Medizin und Klimawandel seien eng miteinander verknüpft. Umwelt- und klimabedingte Erkrankungen und globale Veränderungen könnten nun fachübergreifend untersucht werden. Der Master sei nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Ausbau der Lebens- und Gesundheitswissenschaften am Campus Kulmbach entstanden. Der zweite „Vater“ des Studiengangs ist Prof. Carl Beierkuhnlein, Inhaber des Lehrstuhls für Biogeografie. „Es ist mutig in Zeiten knapper Kassen, was Neues zu entwickeln“, sagte der Professor. Doch wichtigen Zukunftsthemen und -feldern habe bislang die passende Disziplin gefehlt. Der Master „Global Change Ecology“ lege den Schwerpunkt auf die ökologischen Risiken des globalen Wandels. Forschung und Lehre in den Feldern Gesundheit, Klima und Umwelt habe in dieser Form bisher nicht stattgefunden. Dabei seien an der Universität Bayreuth renommiere Wissenschaftler auf diesem Gebiet tätig. „Wir wollen junge Menschen motivieren, die Sache in die Hand zu nehmen und voraus zu gehen.“

Anna Lindner aus Leipzig , vor drei Jahren Ärztin geworden, begründete ihr Interesse für das Masterstudium mit den Worten: „Luft, Wasser und Ernährung sind eng verknüpft mit unserer Gesundheit.“ Als Assistenzärztin in der Kinder- und Jugendpsychiatrie habe sie erfahren, wie stark das Vertrauen in medizinisches Personal sei. Da es jedoch derzeit kein wichtigeres Thema als den Klimawandel gebe, wolle sie darüber ihre Mitmenschen ebenso informieren, beraten und aufklären.

Der Ingenieur Sultan Achmad aus Afghanistan möchte sein Wissen ebenfalls erweitern. „Die Wasserversorgung ist bei uns extrem wichtig, 60 Prozent leben in den Bergen ohne Strom und Wasser und müssen dafür in die Städte kommen.“ Doch je niedriger der sozialökonomische Standard eines Landes sei, desto mehr würden die Menschen den Klimawandel zu spüren bekommen. Daher wolle er lernen, wie Ressourcen geschont werden könnten für die Sicherheit und Zukunft des Planeten.

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