Neuer Bezirksvorsitzender Tiefe Gräben beim SPD-Bezirksparteitag

HIMMELKRON. Der neue SPD-Bezirksvorsitzende kommt aus Hochfranken. Jörg Nürnberger löst nach einer Kampfabstimmung Anette Kramme aus Bayreuth ab, die nicht mehr angetreten war. Beim Bezirksparteitag wurden aber tiefe Gräben im Vorstand offensichtlich.

Mit einem knappen Vorsprung von 53 zu 48 Stimmen ist Jörg Nürnberger, Vorsitzender der SPD Hochfranken, am Freitagabend zum neuen Bezirksvorsitzenden seiner Partei gewählt worden. Der 52-Jährige setzte sich gegen einen der bisherigen Stellvertreter im Bezirksvorstand, Sebastian Müller aus Lichtenfels, durch. Die Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin Anette Kramme aus Bayreuth, hatte nach zwölf Jahren nicht mehr als Vorsitzende kandidiert. Ganz freiwillig war dieser Verzicht aber wohl nicht. Ihrem Nachfolger verweigerte sie den Gruß.

Genossen unzufrieden

Es war ein Krimi, dessen Spannung nur besonders aufmerksame oder bestens informierte Betrachter aufnehmen konnten. Der Verzicht Anette Krammes auf eine erneute Kandidatur um den Bezirksvorsitz der SPD dürfte weitaus weniger freiwillig gewesen sein, als das während des Bezirksparteitags der Öffentlichkeit gegenüber in Himmelkron dargestellt wurde. Zahlreiche Genossen waren offenbar unzufrieden mit ihrem Bezirksvorstand. Der, so lautete der Vorwurf, sei seit Jahren nur noch ein Verwaltungsgremium, von dem keine politischen Impulse ausgehen. Namentlich Anette Kramme, mit ihrem Bundestagsmandat und ihrer Arbeit als Parlamentarische Staatssekretärin im Sozialministerium auch nach eigenen Angaben ausgelastet, musste sich intern einige Kritik anhören. Die Konsequenz: Aus Hochfranken kam bereits seit Wochen die Initiative, mit Jörg Nürnberger einen Gegenkandidaten aufzustellen.

Der trat dann zwar nicht gegen Anette Kramme an. Sie hatte wie berichtet von sich aus kurz vor dem Bezirksparteitag angekündigt, nicht mehr zu kandidieren. Allerdings, wird von Insidern berichtet, sei sie die treibende Kraft gewesen, mit Sebastian Müller dem Vorsitzenden der SPD Hochfranken wenigstens einen Gegenkandidaten gegenüberzustellen.

Lagerbildung

Dass sich Lager gebildet hatten unter den oberfränkischen Genossen, war unübersehbar. Kurz vor dem offiziellen Beginn des Parteitags zogen sich jeweils etwa die Hälfte der gut hundert Delegierten in entgegengesetzte Ecken zurück, um sich leise, aber eindringlich zu beraten. Doch das war nicht das einzige Indiz. Jörg Nürnberger streckte Anette Kramme die Hand zum Gruß entgegen. Sie verweigerte sie mit eisiger Mine ebenso wie die Gratulation nach der Wahl. Mit Jörg Nürnberger wolle sie sich auf keinen Fall fotografieren lassen, machte sie deutlich und blieb, demonstrativ auf ihrem Handy tippend, sitzen, als wenigstens Nürnbergers Gegenkandidat Sebastian Müller dem Gewinner die Hand schüttelte.

Nur einmal offene Kritik

Sebastian Fischer aus Sparneck war der einzige, der während des rund vierstündigen Bezirksparteitags offen Kritik übte. Die Bundespartei habe in Bezug auf den Vorsitz keine Personalperspektive. Die SPD sei zum Wasserträger der Union geworden. Es gehe nur noch um Postengeschacher, und es sei höchste Zeit, aus der großen Koalition auszusteigen. Die SPD müsse wieder durch inhaltliche Arbeit glänzen, statt Posten zu verteilen. Das gilt nach Fischers Überzeugung offenbar auch auf regionaler Ebene. „Wir werden heute einen Umbruch schaffen mit einem neuen Vorstand, der uns herausbringt aus dieser Lethargie“, sagte er vor der Wahl.

Nürnberger gelassen

Jörg Nürnberger nimmt die offensichtliche Zurückweisung Anette Krammes gelassen. Das Verhalten der langjährigen Bezirksvorsitzenden sei für ihn überraschend gekommen, sagt er und weist darauf hin, dass Kramme aus freien Stücken auf eine erneute Kandidatur verzichtet habe. „In einem demokratischen Verfahren wurde ein neuer Vorsitzender bestimmt. Ich kann mir nicht erklären, warum sie sich so verhalten hat. Das muss Anette Kramme mit sich selbst ausmachen.“

Doch so einfach wird es für Nürnberger nicht werden. Kramme war zwar nicht mehr anwesend, als ihre Wahl zur stellvertretenden Bezirksvorsitzenden bekanntgegeben wurde. Aber sie wird mit Nürnberger zwangsläufig arbeiten müssen, wenn sich Anfang September der neue Vorstand konstituiert.

 

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