Neue Vorsitzende Einkäufer-Netzwerk will in der Region durchstarten

Jessica Polke hat neue Ideen für den Regionalverband Bayreuth-Oberfranken im Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik. Foto: Stefan Schreibelmayer

VORBACH/BAYREUTH. Wenn bei einem Verband völlig überraschend der Vorsitzende stirbt, dann muss man erst mal durchatmen, sich neu aufstellen und orientieren. Beim BME Bayreuth-Oberfranken, einem Netzwerk für Unternehmen und deren im Einkauf tätige Mitarbeiter, war das auch so. Doch mittlerweile wird wieder durchgestartet, sagt die neue Vorsitzende Jessica Polke.

Rund 150 Mitglieder hat die BME-Region Bayreuth-Oberfranken, die sich über ganz Oberfranken und die angrenzende nördliche Oberpfalz erstreckt. „Das sind entweder persönliche Mitgliedschaften meist von Einkaufsleitern oder Firmenmitgliedschaften“, sagt Jessica Polke, die den Vorsitz im März 2019 übernommen hat, nachdem ihr Vorgänger Armin Leppert verstorben war.

Die Zeit hat die 34-Jährige, die beim Autozulieferer Novem in Vorbach in der Leitung des Warengruppen-Einkaufs tätig ist, genutzt. Zum Beispiel, um eine Umfrage unter den Mitglieder durchzuführen und so herauszufinden, was man an den hergebrachten Abläufen ändern sollte. Die Antworten waren eindeutig: Gewünscht werden Veranstaltungen auch vor der eigenen Haustür, die sich nicht ausschließlich um Einkaufsthemen im engeren Sinne drehen und kostenlos sein sollen.

Wandern durch die Region

Polke und ihre sechs – männlichen – Vorstandskollegen haben deshalb für 2020 ein Programm mit zehn statt früher drei bis vier Veranstaltungen zusammengestellt. Kam man früher fast ausschließlich im Raum Bayreuth zusammen, „wandert“ der BME jetzt durch Oberfranken, ist in Himmelkron, Marktredwitz, Hof, Coburg, Rehau und Bamberg zu Gast.

Da geht es dann zwar auch um Fachthemen wie „Strategische Transformation im Einkauf: Der Weg vom Abwickler zum Strategen“. Ein Vortrag aber heißt: „Business Moms in der modernen Geschäftswelt“.

Auftakt ist am 28. Januar um 18 Uhr in der Frankenfarm in Himmelkron, wo der BME auch Nicht-Mitgliedern vorgestellt werden soll und auch ein Vertreter aus der Geschäftsstelle des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) in Eschborn mit seinen bundesweit rund 9400 Mitgliedern über die Vorteile einer Mitgliedschaft referieren wird. Und davon gebe es viele, sagt Polke.

Kostenloser Zugang

Der Verband biete kostenlosen Zugang zu Datenbanken wie etwa aktuelle Rohstoffreports, Leitfäden, die man für die tägliche Arbeit nutzen könne oder auch Rechtsberatung. „Am wichtigsten aber ist das Netzwerk“, sagt Polke. Denn man könne bei jedem Problem jemanden fragen, egal, ob man eine Einschätzung über Lieferanten brauche, eine Stelle in der eigenen Abteilung zu besetzen habe oder selber einen neuen Job suche. Der Austausch sei auch deshalb so interessant, weil die Mitglieder aus nahezu allen Branchen in Industrie, Handel und Handwerk sowie aus Unternehmen jeder Größe kommen.

Intensivieren will Polke auch den Kontakt zu den Hochschulen. Es sei geplant, dass BME-Vertreter regelmäßig Studenten an der Uni Bayreuth vermitteln, was und wie vielfältig der Einkauf ist. Und wie wichtig, schließlich gelte nach wie vor der Satz: „Der Gewinn des Kaufmanns liegt im Einkauf.“ An der Hochschule Hof will der BME einen Preis für herausragende Masterarbeiten sponsern.

Alles auch mit dem Hintergedanken, Absolventen für den Einkauf und für heimische Unternehmen zu gewinnen, indem man zum Beispiel Praktika vermittelt. Damit sei den Nachwuchskräften wie auch den Unternehmen geholfen. Und dem BME, der seine Mitgliederzahl weiter aufstocken will.


Zur Person

Jessica Polke arbeitet seit zwölf Jahren beim Autozulieferer Novem in Vorbach und ist dort in der Leitung des Warengruppen-Einkaufs tätig. Die 34-Jährige hat zunächst in einem anderen Unternehmen Bürokauffrau gelernt. Nach ihrem Wechsel zu Novem studierte sie sieben Jahre lang nebenberuflich Betriebswirtschaft in Bayreuth und Nürnberg und machte ihren Master in Einkauf und Logistik. Seit März 2019 ist sie Vorsitzende des Regionalverbands Bayreuth-Oberfranken im Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME).

Ihr Arbeitgeber Novem ist ein Autozulieferer, der Zierleisten für Türverkleidungen, Instrumententafeln und Mittelkonsolen für Fahrzeuge der Mittel- und Premiumklasse herstellt. Das Unternehmen, das seit 2011 dem Münchner Beteiligungsunternehmen Bregal gehört, hat weltweit rund 6500 Mitarbeiter an weltweit elf Standorten, darunter zusammen rund 1400 am Stammsitz in Vorbach (rund 1000) und in den Werken Eschenbach (300) und Grafendobrach bei Kulmbach (100).

Der Umsatz betrug im Geschäftsjahr 2018/19 709 Millionen Euro, 2012/13 waren es noch 334 Millionen Euro.

 

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