Neue Tabakproduktrichtlinie gefährdert Jobs BAT-Mitarbeiter fühlen sich im Stich gelassen

Von Frank Schmälzle

10.000 Arbeitsplätze stehen allein in Bayern auf dem Spiel, 100.000 sind es bundesweit. Doch weder die bayerische Staatsregierung noch die Europaabgeordneten scheint das auch nur die Bohne zu interessieren.

 Foto: red

Paul Walberer, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der British American Tobacco (BAT) Deutschland, "Ich war immer stolz auf unsere Freiheit in Europa. Aber die weicht immer mehr einer Regulierungswut und einer Politik, die an den Realitäten vorbeigeht." Was ihn und alle Betriebsräte der Zigarettenindustrie so erzürnt, ist die geplante Tabakproduktrichtlinie. Und die Art, wie viele Politiker das Thema ignorieren.

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Viele Beschränkungen

Kein Zusatzstoffe mehr in den Zigaretten und Einheitspackungen fast ohne Markenbezeichnungen, dafür mit Schockbildern, die die Packung zu drei Vierteln bestimmen. Keine Automaten mehr, keine Ausstellung von Zigaretten an den Verkaufsorten und eine Einschränkung von Bezeichnungen wie "Slim" oder "ohne Zusatzstoffe". Das steht drin im Vorschlag zu einer neuen Tabakproduktrichtlinie, der in der kommenden Woche im Europäischen Parlament in erster Lesung auf der Tagesordnung steht.

Absagen von Politikern

Warum ein erwachsener Raucher nicht selbst entscheiden dürfen soll, ob er ein legales Produkt konsumiert, warum die Politik so massiv in einen Markt eingreift, das würden Walberer und seine Kollegen von den anderen Zigarettenherstellern gerne mal mit den Entscheidern diskutieren. Aber, abgesehen von den Kommunalpolitikern, den Landtags- und den Bundestagsabgeordneten aus Bayreuth, ducken sich alle weg. Walberer scheut sich nicht Namen zu nennen. Vom Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer ist er "massiv enttäuscht". Der hat keine Zeit für ein Gespräch und stattdessen einen nichtssagenden Brief zurückgeschrieben. "Das zeigt die Wertschätzung, die er den Mitarbeitern der Tabkindutsrie gegenüber aufbringt".

Bei Verbraucherschutzminsterin Ilse Aigner in Berlin ist Walberer abgeblitzt, ein Gespräch gab es mit Mitarbeitern des Ministeriums. Dabei zeigten sich die Ministerialen von den Argumenten der Mitarbeitervertreter zum Teil überrascht. So hätten sie die Dinge noch nicht betrachtet. Und von der oberfränkischen Europaabgeordneten Monika Hohlmeier (CSU) "kommt mir viel zu wenig", sagt Walberer. "Es geht um Arbeitsplätze in ihrem Wahlkreis. Aber Frau Hohlmeier hält sich bedeckt."

BAT betreibt in Bayreuth das weltweit größte Werk der Unternehmensgruppe und ein Innovationszentrum. 1400 Menschen arbeiten dort.


Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der Donnerstagsausgabe (5. September) des Nordbayerischen Kuriers.

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