Neue Käserei eingeweiht 55 Millionen in Bayreuth investiert

Die neue Käserei kostete 55 Millionen Euro. Foto:  

Nach allem, was über ihn gesagt wurde, ist er der Retter der Käserei Bayreuth. Albert Deß, langjähriger Vorstandsvorsitzender der Bayernland eG ist am Samstag in Bayreuth verabschiedet worden. Was er Bayreuth hinterlässt: ein 55-Millionen-Euro-Projekt, die modernste Schnittkäserei Europas.

Die neue Käserei kann pro Jahr rund 400 Millionen Kilogramm Milch zu rund 40.000 Tonnen Käse verarbeiten. Sie hat 680 Käseformensätze, sechs Salzbadbecken mit einem Volumen von 1200 Kubikmetern. Das Werk hat eine Grundfläche von 8100 Quadratmetern. 8500 Kubikmeter Beton sind verbaut, mehr als 1000 Tonnen Stahl.

Aus Bayreuth soll Schnittkäse und Emmentaler nach ganz Europa geliefert werden, vorwiegend nach Italien: In Verona hat Bayernland ein großes Vertriebszentrum. Im Jahr 2017 fiel bei Bayernland die Entscheidung, die neue Käserei in Bayreuth zu bauen. Aufgegeben wurde dafür die in die Jahre gekommene Käserei in Kemnath, jedoch nicht deren Mitarbeiter: Auf 350 wuchs die Personalzahl in Bayreuth an, sagt Hauptgeschäftsführer Gerhard Meier auf Kurier-Nachfrage.

Eine Erfolgsgeschichte. ja. Doch Bayernland und die Käserei Bayreuth kamen von ganz unten. Hoch gebracht hat sie ein Mann: Albert Deß. Fast 27 Jahre war er Vorstandsvorsitzender und am Samstag zur Einweihung der neuen Käserei wurde er von mehreren Lobrednern – bis hin zum Finanzminister Albert Füracker – als Retter der Bayernland gefeiert. Denn die Genossenschaft war 1995 so gut wie pleite. Deß, der Bauernsohn und Landwirt aus dem Landkreis Neumarkt, der auch ein aufstrebender Politiker in der CSU war, wurde der Posten angetragen – mit dem Auftrag einer anständigen Abwicklung.

Der 1947 geborene Deß aber hatte, wie er selbst sagt, Glück und die richtigen Mitarbeiter: Einen Revisor, der ihm den Ernst der Lage erst richtig klar machte. Einen kleinen, aber kompetenten Beamten aus einer Kommunalverwaltung, den er als neuen Geschäftsführer durchsetzte und der ihm das Sparpotenzial der angeschlagenen Bayernland vor Augen führte. Parteifreunde in der CSU, die ihm Türen zu Geldgebern öffneten.

Deß und seine Mannschaft schafften das unmögliche, sie sanierten die Bayernland und machten sie zu einer der erfolgreichsten Molkereien Europas. Mehrere der Laudatoren, etwa der Vorsitzende des Deutschen Raiffeisenverbands, Franz Josef Holzenkamp, sprachen von einem „Wirtschaftskrimi“, wie Deß die Rettung schaffte. Holzenkamp zeichnete Deß mit der Goldenen Raiffeisenmedaille aus. Und Deß selbst gab ein Geheimnis preis: In das entscheidende Gespräch mit den Banken zur Stundung der Kredite ging er mit einem Zettel in der Tasche, auf dem ihm von der Landesbank eine Million zugesagt worden war.

Deß wurde am Samstag vor dem Festakt zur Einweihung der Käserei zum Ehrenvorsitzenden auf Lebenszeit bestellt. Sein Nachfolger als Vorstandsvorsitzender ist der 60-jährige Milchbauer Markus Götz.

Bayreuths Oberbürgermeister Thomas Ebersberger sagte, die neue Käserei sei eine „wichtige Investition in die Zukunft unserer Region“. Er sorgte für Lacher im Festzelt, als er voller Respekt darauf hinwies, dass Bayernland die veranschlagte Bausumme von 55 Millionen Euro eingehalten habe und wehmütig anmerkte: „Ich würde mich freuen, wenn das bei öffentlichen Bauprojekten auch so wäre.“

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