Er habe sich in den vergangenen Jahren oft Gedanken gemacht über das Thema Zivilcourage, sagt Jörg Ziegler im Gespräch mit dem Kurier. „Wenn ein Unfall passiert, wenn eine Frau in Bedrängnis gerät, wenn jemand Hilfe braucht: Die Zivilcourage wird da nicht besonders hoch gehängt. Eher zücken die Leute noch ihr Handy um zu filmen, was ein absolutes No-Go ist, statt Hilfe zu holen.“ Darauf, sagt der 43-Jährige, habe er gar keine Lust – im Gegenteil: „Mir geht es darum, aktiv was zu tun.“ Deshalb hatte er sich schon vor sechs Jahren beworben, bei der Sicherheitswacht dabei zu sein. „Wahrscheinlich war ich damals zu spät dran, jetzt hat es ja geklappt.“

Im September war die Ausbildung abgeschlossen

Ziegler, der im normalen leben Krankenpfleger an der Hohen Warte ist, ist einer von sieben Männern, die wegen Corona lange auf den Abschluss ihres 40-stündigen Lehrgangs warten mussten und jetzt im September fertig wurde – und in Dienst gestellt – worden sind.

Mit hoheitlichen Befugnissen

„Ein Ehrenamt mit hoheitlichen Befugnissen“, so beschreibt Harald Stadter, Sachgebietsleiter Einsatz bei der Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt und einer der Ausbilder der Sicherheitswacht, den Dienst der 13 Männer und Frauen. „Aus dem Sicherheitswacht-Gesetz ergibt sich die Aufgabenverteilung: Sie können beispielsweise Leuten einen Platzverweis erteilen, sie können aber auch Personalien feststellen und Befragungen durchführen.“ Aber, unterstreicht Stadter, die Mitglieder der Sicherheitswacht seien „keine Hilfssheriffs, sondern sind dazu da – zusammen mit der Polizei – für das subjektive und objektive Sicherheitsempfinden der Bürger zu sorgen“.

Zu Fuß unterwegs an abgelegene Orte

Der Vorteil: „Sie gehen grundsätzlich ohne konkreten Auftrag auf Streife. Und sie sind zu Fuß unterwegs, kommen also auch an Orte, an denen man mit dem Streifenwagen normalerweise nicht hinkommt“, sagt Stadter. Übers Funkgerät seien die Mitarbeiter stets direkt mit der Polizei verbunden, „können Hilfe holen, wenn es zu heiß wird“. Bekommen aber auch mit, was läuft in der Stadt – und könnten im Notfall sogar unterstützend eingreifen.

Erstmals seit sechs Jahren wieder Ausbildung

Zum ersten Mal seit 2014 seien neue Kräfte ausgebildet worden in Bayreuth, sagt Stadter, der neben Heiko Engelhardt aus dem Sachgebiet Einsatz einer der Ausbilder war.

Erste brenzlige Situationen

Ziegler, der schon die ersten Streifengänge mit erfahrenen Kollegen hinter sich hat – „wir haben Mitglieder der Sicherheitswacht, die seit 1996 dabei sind“, sagt Stadter – hat auch die ersten brenzligen Situationen erlebt: „Es kann schon passieren, dass man das Tränengas einsetzen muss“, sagt er. Grundsätzlich aber gehe es darum, „überlegt zu handeln, die Situation zu beurteilen. Wir sind nicht dazu da, uns unüberlegt in etwas rein zu stürzen.“ Die Mehrheit der Bürger spreche die Sicherheitswacht an, frage, was sie so machten – oder fragt nach dem Weg. Um mit Sicherheit Auskunft zu bekommen.