Neue Angebote sollen Jugendliche anlocken Schützen im Raum Auerbach leiden unter Nachwuchsmangel

Von Anna Herzing

Früher als fester Bestandteil einer jeden Dorfgemeinde etabliert, haben die zahlreichen Schützenvereine in der Region heute um ihr Ansehen zu kämpfen. Nicht zuletzt das stetig wachsende Angebot an den Freizeitaktivitäten ist verantwortlich dafür, dass sich die Jugendlichen immer weniger für diese traditionelle Sportart entscheiden, wie eine Umfrage unter den Vereinen im Raum Auerbach ergab.

Immer weniger Jugendliche finden Gefallen am Schützensport.Foto: Archiv/Weichert Foto: red

D'Speckbachpelzer Michelfeld: Um der Problematik der sinkenden Beliebtheit der Schützenvereine entgegenzuwirken, versucht der Verein D’Speckbachpelzer aus Michelfeld neue Sparten aufzumachen, um durch ein vielseitiges Angebot Jugendliche für sich zu gewinnen, sagt der erste Schützenmeister Adam Leiser. Durch Alternativen zum klassischen Schützenwesen erhoffe man sich, den Schützensport wieder attraktiver zu machen. Neben dem traditionellen Schießen mit dem Luftgewehr werden die Laserschießtechnik und Armbrust- und Bogenschießen angeboten.

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Diese neuen Sparten lassen sich nicht nur ohne großen Investitionsaufwand tätigen, sie sind auch schon früher für den Nachwuchs praktizierbar. Während das klassische Luftgewehr erst ab einem Alter von zwölf Jahren bedient werden darf, können bereits Zehnjährige ein Lichtschießgewehr verwenden.

Als Hauptgrund für den Nachwuchsmangel sieht Leiser das stetig wachsende Angebot. Die große Anzahl an Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung bedeute eine große Konkurrenz zwischen den einzelnen Vereinen. So ist die Entwicklung in der Jugendarbeit eher mühsam, so Leisner. Positiv sei jedoch, dass trotz des geringen Jugendanteils von acht bis zehn Prozent diese Schützen durchwegs aktiv sind und regelmäßig an Wettkämpfen teilnehmen.

Waldmeister Krottensee: Ähnlich sieht es im Schützenverein Waldmeister Krottensee aus. Der Verein wurde im Jahr 1957 „von einer Hand voll“ Mitgliedern gegründet, sagt Schützenmeister Eduard Meyer. Und wuchs in den darauffolgenden Jahren rasch an. Zwischenzeitlich konnten über 150 Schießbegeisterte gezählt werden. Doch dieser Zulauf ist Vergangenheit. Heute sind es nur noch 137 registrierte Mitglieder, darunter auch noch Gründungsmitglieder, die inzwischen über 80 Jahre alt sind. Es sind nur etwa 30 Mitglieder, die aktiv an Wettbewerben teilnehmen. Nur 32 Schützen im Verein sind unter 26. Die Jugend zählt sogar nur acht Mitglieder unter 18 Jahren. Der schwindende Zulauf lässt sich auch daran erkennen, dass in den Mannschaften der Waldmeister vor allem Schützen im Alter zwischen 30 und 45 zu Wettkämpfen antreten, erklärt Meyer.

Unter Uns Nitzlbuch: Im Moment weniger Probleme sieht Josef Geyer, erste Schützenmeister von Unter Uns Nitzlbuch. Zu einer genauen Mitgliederzahl will er zwar keine Angaben machen. Aber immerhin: Rund 15 der eingetragenen Schützen sind Jugendliche, was etwa zehn Prozent der Mitgliederzahl ausmacht. Diese sind alle sehr aktiv und nehmen alle am wöchentlichen Training teil, so Geyer. Dementsprechend stolz zeigt sich der Schützenmeister, dessen Verein mit keinen großen Nachwuchsproblemen zu kämpfen habe: „Im Moment können wir sehr zufrieden sein“.

Doch auch er erinnert sich an Jahre, in denen der Schützenverein nur drei oder vier jugendliche Mitglieder zählte. Die Größenordnung des Schützennachwuchses hänge davon ab, wie geburtenstark die jeweiligen Jahrgänge sind. Und: Wo Schützenvereine früher einen festen Bestandteil der Gesellschaft als „traditioneller Dorfverein“ darstellten, haben auch sie heute keine sichere Stellung mehr. Daher versuchen die Unter Uns-Schützen neben Aktionen wie einem Tag der Offenen Tür, einem Jedermanns-Schießen oder einem Zeltlager für Jugendliche, auch mit Investitionen in neue Ausrüstung neuen Nachwuchs für die Sportart zu begeistern.

Eichenlaub Degelsdorf: Weniger gut sieht es derzeit im Schützenverein Eichenlaub in Degelsdorf aus. Auf die Frage, wie in Degelsdorf Jugendarbeit betrieben wird, winkt der erste Schützenmeister Peter Nittmann ab: „Da gibt es nicht viel zu erzählen.“ Das Interesse für den Verein hat in den letzten Jahren rapide abgenommen, heute hat der Verein überhaupt keinen Nachwuchs mehr zu verzeichnen. Die letzten Mitglieder, die noch als Jugendliche den Eichenlaub-Schützen angehörten, sind heute zwischen 20 und 22 Jahren alt. Waren früher immer einige Jugendliche an dem ortsansässigen Verein interessiert und sorgten so für natürlichen Nachwuchs und konstante Mitgliederzahlen, bleibt heute der Zuwachs aus. Die Gründe seien vielfältig, nicht zuletzt sieht Nittmann die Sportart selbst als mitverantwortlich an. Viele zeigten kein Interesse am Schützensport, da es eine sehr einseitige Sportart sei: „Man muss ja nur schießen.“ Anders als bei anderen Freizeitbeschäftigungen, in denen eine Vielzahl von Talenten und ein Zusammenspiel von mehreren Handlungen vorausgesetzt werde, könne das Schützenwesen sehr schnell recht eintönig werden.

Problematisch sieht Nittmann auch die niedrige Geburtenrate. Im Dorf gibt es allgemein zu wenig Kinder und Jugendliche. Und von dieser sowieso schon sehr geringen Anzahl ist es dann umso schwieriger noch einige Nachwuchsschützen für sich zu gewinnen. So kommt es nicht nur, dass unter den 114 Mitglieder kein einziger Jugendlich ist, das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt mindestens bei 45, schätzt er. Als weiteren Grund sieht der Schützenmeister die Eltern, die nicht zuletzt selbst mitverantwortlich für diese Entwicklung sind. Wenn Erwachsene als Mitglieder, eventuell sogar als aktive Schützen im Verein sind, bringen sie ihre Kinder meist automatisch mit.

Ist dies jedoch nicht der Fall, kann es sogar sein, dass die Abneigung bereits von den Eltern ausgeht. Wenn diese nicht wollen, dass ihr Nachwuchs dem Schießsport nachgeht oder sich schlichtweg für andere Alternativen interessieren, ist den Jugendlichen von Anfang an dieser Weg der Freizeitgestaltung zugebaut.

1890 Auerbach: Noch drastischer sieht es Dietmar Neugebauer, Schützenmeister des Vereins 1890 in Auerbach. Teilweise wollen die Eltern nicht nur, dass ihr Kind nicht schießt, sie hätten sogar Angst davor, dass ihr Nachwuchs Umgang mit Waffen hat. Und wenn die Eltern nicht hinter der Sportart ihrer Kinder stehen, können diese sie nur sehr eingeschränkt oder auch gar nicht ausüben. Der Hauptgrund für das nachlassende Interesse sei jedoch ein anderer: das Internet. Jugendliche verbringen zunehmen mehr Zeit daheim vor ihren Computern und halten sich in der virtuellen Welt auf, sagt Neubauer. Die Jugendlichen müssten sich in einem Verein unter- oder zumindest einordnen, denn so ist ein Verein nun mal aufgebaut, ergänzt er. Dies sei für viele ein Grund, den strukturierten Organisationen den Rücken zuzukehren und ihre Zeit lieber selbst zu Hause und ohne irgendwelche Vorgaben zu verbringen.

Dadurch bedingt kann auch der Schützenverein 1890 nur zwei bis drei Jugendliche zu seinen Mitgliedern zählen. Diese sind zwar fest eingetragen, doch das wöchentliche Trainingsangebot wird vom Nachwuchs kaum genutzt, so Neugebauer. Problematisch sieht er auch, dass man erst ab zwölf Jahren eine Waffe benutzen darf, das heißt, es macht erst ab diesem Alter Sinn einem Schützenverein beizutreten. Daraus ergibt sich jedoch, dass viele andere Kinder sich schon eine andere Sportart oder eine andere Freizeitbeschäftigung ausgesucht haben. So konnten bereits andere Vereine die Jugendlichen vor ihrem 12. Geburtstag für sich gewinnen. Wenn die Kinder dann schon einen vollen Terminkalender auf Grund andere Beschäftigungen haben, bleibt keine Zeit mehr auch noch einem Schützenverein beizutreten.

Um dieser Problematik entgegenzuwirken, haben die 1890er Schützen in eine elektronische Schießanlage investiert. Bei dieser Laserschusstechnik wird nur mit Licht geschossen, es besteht also keine Unfallgefahr. Diese Ungefährlichkeit könnte nicht nur Eltern überzeugen, ihren Nachwuchs in Schützenvereinen anzumelden, auch ist das Eintrittsalter auf zehn Jahre gesenkt.

Ein guter Ansatz, bisher leider nur in der Theorie. Dietmar Neugebauer muss, zumindest im Hinblick auf die Jugendarbeit, eine ernüchternde Bilanz ziehen. Im vergangenen Jahr wurde die Lichtschießanlage beim Kinderfestival der Stadt Auerbach vorgestellt und konnte auch einen großen Zulauf verzeichnen. Viele der Kinder und Jugendlichen waren begeistert, was natürlich auch den Verein und seinen Schützenmeister erfreute. Es wurden auch Gutscheine ausgegeben, die die Jugendlichen animieren sollten, wieder zu kommen und als Mitglieder regelmäßig zum Schießen zu kommen. Im Nachhinein muss Neugebauer jedoch feststellen, dass sich keiner der Besucher des Festivals noch einmal gemeldet hat. Doch das sei kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken: Genau wie die anderen Schützenvereine auch werden die 1890-Schützen verstärkt versuchen, ihren Schützensport wieder interessanter zu machen und mehr in den Fokus der Jugend zu rücken. Erreichen will Neugebauer dies unter anderem mit einer erneuten Teilnahme am Ferienprogramm der Stadt.