Neu in Deutschland Kanadier Robin Farkas neuer Tigers-Trainer

Die Details sind ihm wichtig: Robin Farkas (links) machte seine Vorstellungen gleich am ersten Arbeitstag als Trainer der Bayreuth Tigers deutlich. Foto: Peter Kolb

Der neue Trainer der Bayreuth Tigers ist zum ersten Mal in Deutschland tätig: Der Kanadier Robin Farkas soll den Klub in der DEL2 aus der Krise führen.

Eishockey - Man muss schon anerkannter Experte sein, um den neuen Trainer der Bayreuth Tigers auf Anhieb einordnen zu können. Der Nachfolger des am Mittwoch entlassenen Petri Kujala heißt Robin Farkas.

Aufzeichnungen über die aktive Laufbahn des 54-jährigen Kanadiers sucht man vergeblich, und hinsichtlich der Trainer-Karriere beschränken sie sich auf amerikanische Nachwuchs-Mannschaften sowie zuletzt drei Jahre von 2015 bis 2018 als Co-Trainer beim SC Rapperswil in der Schweiz.

Dort feierte er zum Abschluss den historisch erst zweiten Finalsieg eines Zweitligisten im nationalen Pokalwettbewerb und den Aufstieg in die höchste Spielklasse. Zuletzt meldete im vergangenen Sommer der ERC Ingolstadt seine Verpflichtung als Nachwuchstrainer, die dann aber aus privaten Gründen nicht zustande kam.

Die Lücken im sportlichen Lebenslauf erklärt Farkas mit gesundheitlichen Problemen: „In meiner Jugend war eine Profi-Laufbahn mein Ziel, und das wurde mir auch zugetraut.“

Im Alter von 16 Jahren habe jedoch eine Rückenverletzung diesen Traum zunichte gemacht: „Ich nahm dann erst mal etwas Abstand vom Eishockey, aber die Leidenschaft für das Spiel blieb, und ich entschied mich für eine Trainerlaufbahn.“

In den zurückliegenden Jahren habe er auch dabei kürzer treten müssen und sich auf individuelles Coaching konzentriert: „Ich habe junge Spieler unterstützt, die den Weg zur Profi-Laufbahn einschlagen wollten.“

Leidenschaft für die Details

Zu einer solchen Tätigkeit passt die Beschreibung, die Farkas von seinem Stil als Trainer abgibt: „Ich würde mich als kommunikativ und leidenschaftlich bezeichnen. Ich will solides defensives Eishockey sehen, aber vor allem lege ich viel Wert auf Details. Deswegen widme ich bei der Taktik auch viel Aufmerksamkeit den Gegnern, um zu erkennen, wie sie zu schlagen sind. Details, Details, Details!“

Dass ihm noch der unmittelbare Kontakt zum Eishockey in Deutschland fehlt, betrachtet er dabei nicht als großen Nachteil: „Ich habe in Rapperswil mit Jeff Tomlinson gearbeitet, der auch schon Trainer in Berlin, Düsseldorf und Nürnberg war. Wenn man Chefcoach werden will, sollte man aber ohnehin alle Ligen im Blick haben, um dann auch bereit zu sein, wenn sich die Gelegenheit bietet.“

Von der DEL2 hat er dadurch eine hohe Meinung: „Die Liga hat sich in den letzten vier, fünf Jahren sehr positiv entwickelt mit guten Spielern und guten Trainern. Ich bin stolz darauf, nun ein Teil davon zu sein und freue mich auf diese Herausforderung.“

Den ersten Ansatz, um eine Mannschaft aus einer wochenlangen Abwärtsspirale herauszuholen, sieht der neue Tigers-Trainer in der Mentalität: „Man sollte nicht über die Vergangenheit urteilen, sondern nach vorne schauen. Und man muss sich auf die Faktoren konzentrieren, die man selbst kontrollieren kann: Das ist zu allererst der Einsatz – im Spiel sowieso, aber auch in jedem Training. Wenn der Einsatz im Training stimmt, kommen die Spiele fast von allein.“

Vom ersten Training angetan

In dieser Beziehung zeigte sich Farkas von seinem neuen Team nach der ersten gemeinsamen Eiszeit am Donnerstag sehr angetan: „Ich war schon in der Kabine überrascht, wie positiv die Spieler waren. Auch auf dem Eis war die Stimmung gut, und es wurde hart gearbeitet. Das ist die Basis für gute Ergebnisse.“

Inhaltlich sei es im ersten Training um das Attackieren der Angriffszone gegangen: „Es ist ja offensichtlich, dass wir mehr Tore schießen müssen.“ Für den Abend war dann Defensivarbeit geplant, aber die Verwirklichung aller seiner Vorstellungen erwartet der Trainer natürlich nicht heute oder morgen: „Ein System hängt immer von den Spielern ab – von ihren Fähigkeiten, es auch umzusetzen.“ Daher sei es in den ersten Tagen für ihn wichtig, möglichst viel über individuelle Stärken und Schwächen jedes einzelnen Spielers zu erfahren: „Beispielsweise für das aggressive Forechecking, das ich sehen möchte.“

Bei der Entwicklung eines Systems müsse man aber auch immer flexibel genug bleiben, um auf wechselnde Umstände reagieren zu können: „Das ist ein Puzzle, das sich ständig verändert – erst recht in diesen Pandemie-Zeiten. Es kann immer wieder zu Ausfällen kommen, die dann Spieler auch zwingen, andere Rollen zu übernehmen. Damit muss man umgehen können“, sagt Farkas. „Aber das macht es ja auch so spannend.“

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