Netrebko Es gilt der Musik

Anna Netrebko singt vorerst nicht in Bayreuth. Foto: Barbara Grindl

KOMMENTAR. Für die Bayreuther Festspiele wird die Welt nicht untergehen. Für Anna Netrebko auch nicht – selbst wenn die Star-Sopranistin nach derzeitigem Stand in der Bayreuther Festspielgeschichte wohl nicht mal als Randnotiz auftauchen wird.

Der Rummel um ihre Person und um ihr angekündigtes Debüt auf dem Grünen Hügel war allerdings gewaltig. Vor mehr als drei Jahren, als Netrebko an der Semperoper in Dresden die Elsa im „Lohengrin“ sang, war die Sache in Gang gekommen. In vermeintlich gut informierten Kreisen war sogleich von einer Art Generalprobe für Bayreuth die Rede.

Allerdings: Auch das böse Wort vom Teleprompter machte die Runde. Netrebko selbst hatte ja keinen Hehl daraus gemacht, dass sie sich mit der deutschen Sprache schwer tut.

In den „Lohengrin“-Aufführungen am 14. und 18. August wird nun Anette Dasch anstelle von Anna Netrebko die Elsa singen. Der Beifall, der im Festspielhaus aufbrandete, als bereits in der Aufführung am 29. Juli der Name der Einspringerin für Camilla Nylund bekannt gegeben wurde, zeigt den hohen Beliebtheitsgrad der Sängerin beim Bayreuther Publikum. Offenbar haben viele noch die Neuenfels-Produktion des Stücks in bester Erinnerung.

Durch Anette Daschs Engagement werden nun einige Fragen, die sich zunächst durchaus gestellt haben, obsolet: Gibt es im Bayreuther Festspielhaus eigentlich einen Teleprompter? Wo hätte man den platziert, ohne dass er in Neo Rauchs schönem Bühnenbild auffällt und dass Anna Netrebko jederzeit den Text lesen kann? Und: Wie oft hätte sich Wolfgang Wagner wohl im Grab rumgedreht? Bekanntlich wollte der langjährige Festspielleiter keinen Starrummel auf dem Grünen Hügel.

Mit solch nebensächlichen Fragen wird man sich nun nicht mehr beschäftigen müssen. In den weiteren „Lohengrin“-Aufführungen gilt’s der Musik. Wer auf Promirummel aus ist, guckt in die Röhre.

roman.kocholl@kurier.de

 

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