Neben Uni Apart bröckelt die Fassade

Von Katharina Wojczenko

Seit das Studentenwohnheim Uni Apart steht, hat Werner Strömsdörfer ein Problem: In seinem Haus in der Alexanderstraße 15 sind Risse aufgetaucht. Strömsdörfer sagt: "Der Neubau ist schuld". Ein Gutachten gibt ihm Recht. Er ist nicht der einzige Nachbar, der über Schäden klagt. Doch seit anderthalb Jahren passiert nichts.

Wie alles begann

Im Sommer 2014 ging der Ärger los, sagt Strömsdörfer. Sein Haus, Alexanderstraße 15, grenzt direkt an das Haus Josephsplatz 1, das wiederum an das neue Studentenwohnheim anschließt. Nachdem das letzte Teilstück zwischen dem Uni Apart und dem Haus Josephsplatz 1 eingesetzt wurde, entdeckten Mieter in Strömsdörfers Haus die ersten Risse in den Wohnungen. Er meldete diese der Baufirma. Alle paar Tage habe ein anderer Mieter bei ihm angerufen.

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Die Schäden sind dokumentiert: Fotos zeigen klaffende Fugen, bröckelnden Putz, Risse in Wänden und Decken. Auf dem Dach sind Ziegel zerbrochen, es habe hereingeregnet. In jeder Etage seien etwa drei Zimmer betroffen, sagt Strömsdörfer. "Alles in Räumen, die an der Stoßkante zum Nachbargebäude sind", sagt Strömsdörfer. Das ist das Haus Josephsplatz 1, ein Gebäude mit Sandsteinfassade, in dem sich die katholische Dekanatsverwaltung und die Familienseelsorge befinden. Zwischen den beiden Häusern ist ein Spalt, einen weiteren gibt es auf der Rückseite zum Hof. Beide Risse waren vor dem Bau des Uni-Apart-Gebäudes nicht dort, sagt Strömsdörfer.

Das sagen die Nachbarn

Stadtpfarrer Karl Steger bestätigt Schäden am Gebäude der Dekanatsverwaltung. Mehr will er nicht sagen. Eine Nachbarin sagt dem Kurier: Aus der Fassade des Sandsteinbaus seien sogar Quader gefallen, die wieder hineinmontiert wurden.

Das Gebäude der Alexanderstraße 11 bis 13 gehört der Immobilienfirma Gebelein. Verwalterin Gisela Schmiedl berichtet von sechs beschädigten Garagen im Hof. Mit Haarrissen habe es angefangen, dann sei die Rückwand so rissig geworden, dass Steine herausfielen. "Im Sommer 2015 habe ich die Garagen für 13.000 Euro auf eigene Kosten machen lassen", sagt Schmiedl, "damit die Autos nicht beschädigt werden." Das Geld will sie zurück haben. Seit Herbst 2015 seien auch im Haus Risse zu sehen. Manche Bodentüren ließen sich nicht mehr schließen. Sie ist sicher, dass der Neubau schuld ist. "Das Haus steht seit 1955. Bisher gab es nie Risse." Sie hat ein Anwaltsbüro eingeschaltet, bislang ohne Erfolg. "Es ist eine Sauerei, wenn Leute Schäden anrichten und nicht dazu stehen."

Das sagt die Baufirma

Die Firma Markgraf hat die Schadensmeldungen an ihre Versicherung weitergegeben. Daraufhin sah sich im Sommer 2015 ein Gutachter die beiden betroffenen Häuser an und bestätigte, dass einige Schäden neu sind. Das Ergebnis: "Die Risse sind nicht auf fahrlässige Arbeit zurückzuführen", sagt Prokurist Harald Nitzl. Die Baufirma habe korrekt gearbeitet. "Das sind zwangsläufige Risse, die aufgrund der Bodenbeschaffenheit entstanden sind." Nitzl sieht die Verantwortung beim Bauherrn. Der Gutachter habe eine Schadenssumme von unter 10.000 Euro bei Strömsdörfers Haus ermittelt. Dieses liege auch dem Bauherrn vor. "Das ist für uns abgeschlossen", sagt Nitzl.

Das sagt der Bauträger

"Das ist ein Versicherungsfall. Dazu will ich mich nicht äußern, bis er abgeschlossen ist", sagt Uni-Apart-Geschäftsführer Alexander Orthmann. Sieht er seine Firma in der Verantwortung?  Er wisse weder, ob die Risse durch den Neubau entstanden sind noch was in dem Markgraf-Gutachten stehe. "Und was in dem Gutachten meiner Versicherung steht, darf ich Ihnen nicht sagen." Der Bauträger habe zusätzlich zur Haftpflicht auch eine freiwillige Versicherung abgeschlossen - bei der Allianz. "Beide Versicherungen winden sich", sagt Orthmann. Doch es sei Uni Apart daran gelegen, das Problem zu lösen. "Das Ganze dauert schon viel zu lange."

Das ist der aktuelle Stand

Die Allianz will für den Schadensfall nicht eintreten. Dagegen hat Werner Strömsdörfer Widerspruch eingelegt. Darin steht, dass die Allianz nicht für die Uni Apart GmbH in dem Schadensfall eintreten könne. Einzelheiten dürfe sie nicht mitteilen, dazu solle Strömsdörfer sich an die Firma wenden. Von der hat der Hausbesitzer aber keine zufriedenstellende Antwort bekommen, obwohl er immer wieder nachfrage. Seit dem Rundgang des Gutachters seien weitere Risse in der rückseitigen Außenwand und der fünf bis zehn Zentimeter breiter Riss zum Nachbargebäude hinzugekommen. Passiere nichts, verschlechtere sich die Bausubstanz, Feuchtigkeit könne eindringen. "Da muss ein Fachmann ran, das wird teuer." Strömsdörfer schätzt die Kosten auf 25.000 Euro. Was ihn ärgert: "Keiner fühlt sich zuständig, der Geschädigte ist allein."

Strömsdörfer ist 69 Jahre alt. Der Schriftwechsel mit Baufirma, Bauträger, Anwälten füllt einen dicken Ordner. "Das hat meine Frau und mich schon so viel Zeit und Nerven gekostet", sagt er. Er habe schlaflose Nächte gehabt vor Sorge, dass das Haus unbewohnbar wird. "Wir haben ein Darlehen zu bedienen." 

Das sagt der Sachverständige

"Da muss etwas Außergewöhnliches passiert sein", sagt Harald Hugel. Der Bamberger war in den vergangenen 30 Jahren als Sachverständiger in Oberfranken unterwegs, um Bauschäden zu begutachten. Er sagt. "Es muss bei solchen Projekten seit Jahren verbindlch ein Bodengutachten von Geologen vorliegen, in der Stadt sowieoso. Das ist von der bayerischen Bauordnung so gefordert."

Nach Sichtung aller Unterlagen müssen beurteilt werden, ob für das Projekt eine so genannte Gebäudebeweissischerung notwendig war. Im Rahmen einer solchen Untersuchung messen Fachleute unter anderem die Erschütterungen, begutachten Kanäle, Straßen und Bauten. Die Geschädigten müssen sich nun fragen, ob eine Sammelklage sinnvoll ist. "Aber das ist ein langer Weg", warnt Hugel. "Auch Sachverständige haben unterschiedliche Meinungen." (apa)