Nazi-Verbrechen Der schöne Frankenwald

Blick zu den Baumkronen im Frankenwald bei Presseck. Foto: Daniel Karmann/dpa

KOMMENTAR. Der Frankenwaldverein legt ein seltsames Geschichtsverständnis an den Tag. Er will nur „die Schönheiten und die positiven Aspekte“ der Region darstellen, und alles andere ausblenden.

Doch die Heimatgeschichte hat nicht nur Schönes und Gutes zu bieten, es gibt auch dunkle Seiten. Und auch die sollten nicht verschwiegen werden. Ein Heimatverein wäre hier in der Pflicht, zumal er sich ja mit Geschichte beschäftigt. Aber dabei geht es um die „schöne“ Heimat wie den typischen Schiefer oder den bekannten Naturforscher Alexander von Humboldt.

Die schlimme Nazizeit will der Hauptvorsitzende Dieter Frank am liebsten ausblenden. Einem Hobbyhistoriker, der einen Beitrag über die Verbrechen kurz vor Kriegsende 1945 angeboten hatte, beschied Frank, die Vereinsführung möchte es dem Frankenwald „ersparen, unnötigerweise in ein schlechtes Licht gerückt zu werden“.

Fakt ist, dass mindestens drei brutale Todesmärsche durch die Region geführt haben und mindestens 65 Menschen den Euthanasie-Morden der Nazis zum Opfer fielen. Der gebürtige Frankenwälder Horst Mohr hat dies in Archiven und Gedenkstätten recherchiert.

Warum Hauptvorsitzender Frank so ablehnend reagiert, ist nicht nachzuvollziehen. Mit seiner Argumentation rückt er die Arbeit des renommierten Vereins in ein schiefes Licht.

peter.engelbrecht@nordbayerischer-kurier.de

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading