Gerade in einer Zeit, in der die Beziehung der USA zu vielen europäischen Partnern angespannt ist, ist auch der Wert von Erdogans enger Beziehung zu Trump nicht zu unterschätzen. "Erdogan ist eine großartige Führungsperson", lobte der US-Präsident vor knapp zwei Wochen im Weißen Haus. Der türkische Präsident habe alles getan, worum er ihn jemals gebeten habe.
Andere Nato-Partner in Europa hatte der US-Präsident zuletzt mehrfach mit Kritik überzogen, die er auch am ersten Tag des Gipfels nun wiederholte: Europäische Partner hätten die USA im Iran-Krieg hängenlassen. Explizit erwähnte er dabei Großbritannien, Italien, Deutschland und Frankreich.
Auf die Frage, was er sich von Alliierten wünsche, sagte Trump jüngst geradeheraus: "Ich will einfach nur ihre Loyalität".
Trump: Komme aus Respekt vor Erdogan zum Gipfel
Zum Nato-Gipfel wäre er nach seinen Erfahrungen der vergangenen Monate für die meisten Leute nicht gekommen, erklärte Trump vor knapp zwei Wochen. Doch Erdogan habe ihn angerufen und gesagt: "Bitte, ich habe ihn in der Türkei, du musst dabei sein, die Vereinigten Staaten müssen dabei sein." Trump hob hervor: "Deshalb gehe ich hin aus Respekt vor Präsident Erdogan".
Bei seinem persönlichen Treffen mit Erdogan beim Nato-Gipfel ließ Trump nun erkennen, dass er einen Verkauf hochmoderner Kampfflugzeuge vom Typ F-35 an die Türkei erwägt. Die Türkei hofft darauf schon lange - in den USA gibt es allerdings gesetzliche Hürden, Hintergrund sind Sicherheitsbedenken wegen eines von der Türkei gekauften russischen Flugabwehrsystems. Bewegung in der Sache könnte Erdogan als Erfolg verkaufen.
Trump zieht Parallele zwischen sich und Erdogan
Gönül Tol, Direktorin des Türkei-Programms am Nahost-Institut in Washington, fürchtet, dass die Ausrichtung des Nato-Gipfels und das Lob seiner Verbündeten dem türkischen Präsidenten noch weiter Auftrieb verschaffen könnten - und den Weg frei machen für ein noch härteres Vorgehen im Inland in den nächsten Tagen und Monaten.
Der US-Botschafter in der Türkei, Tom Barrack, hatte das Land im vergangenen Jahr als "in gewisser Weise autoritär" bezeichnet. Trump wiederum, dem Kritiker zu viel Nähe und Bewunderung für Autokraten vorwerfen, sagte jüngst über Erdogan: "Er ist ein Mann, der ein wenig umstritten ist, aber das bin ich auch."