Aber mit dem Vorfall tut sich einmal mehr die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Zölibats auf, das eine völlig lebens- und realitätsferne Vorgabe ist. Die Begründung, sich durch die Einhaltung des Zölibats vollständig auf den Glauben konzentrieren zu können beziehungsweise wie es bei Ordensschwestern heißt, mit Jesus verheiratet zu sein, ist weltfremd. 

Im Gegenteil: Größtes Verständnis ist Pater Lugun zu zollen, der dazu steht, dass er eine Frau liebt. Äußerst befremdlich aber seine Aussage, er sei „leider“ menschlich schwach geworden. Das „leider“ meint wohl den Bruch mit den Regeln der Kirche. Aber warum leider? Bedauert er es? Warum ist er traurig und bedrückt? Es ist doch etwas Schönes, jemanden zu lieben.

Sollte sich Pater Lugun nicht eher fragen, ob der Fehler bei der katholischen Kirche liegt, die das Priestertum und die gleichzeitige Beziehung zu einer Frau verbietet? Warum sollte beides nicht miteinander zu verbinden sein? In anderen Kirchen funktioniert das doch auch. 

Die Rolle der Frau in der katholischen Kirche und der zölibatäre Gedanke sollten dringend endlich überdacht werden. Seit ewigen Zeiten ist das Thema immer wieder in der Diskussion, aber es geschieht nichts. Die Welt entwickelt sich auf allen möglichen Gebieten weiter und die katholische Kirche bleibt stur stehen. Und was ist die Folge? Eben solche Vorfälle wie jetzt mit Pater Lugun. Dass es für Aufruhr und vielerorts Unverständnis sorgt, dass auch ein katholischer Geistlicher menschliche Gefühle auslebt. 

Es ist zu hoffen, dass der Geistliche zusammen mit der Frau, die er liebt, das Ganze durchsteht, verständnisvolle Menschen an seiner Seite hat, die ihn dabei begleiten. Und, dass er, wenn er doch vor die Frage gestellt wird „Amt oder Liebe“, die richtige Antwort findet.