Nachtschicht Drogensünder nach Verfolgungsjagd geschnappt

SELB. Halb sechs an einem Freitagabend in Selb (Lkr. Wunsiedel), es dämmerte - unter den Bewohnern der Kleinstadt machte sich Wochenendstimmung breit. Von der spürten Werner Schellenberg und sein Kollege Harald Nürnberger nichts - die beiden sind Beamte der Bundespolizei Selb. An jenem Freitag lagen ganze zwölf Stunden Nachtschicht vor den beiden Bundespolizisten.

Zusammen mit ihren Kollegen sind sie für ein 57 Kilometer langes Stück der deutsch-tschechischen Grenze zuständig. Hier sagen die beiden all denen, die unerlaubt nach Deutschland einreisen, Drogen schmuggeln oder Ähnliches im Schilde führen, den Kampf an. "Freitagabends ist viel los. Viele fahren für ihren Wochenendeinkauf noch einmal schnell in das Nachbarland, aber auch die, die Drogen oder Waffen drüben einkaufen, sind jetzt unterwegs", erklärte der 29-jährige Polizist Schellenberg zu Schichtbeginn.

Die erste Station der beiden Bundespolizisten an jenem Abend: Die Staatsstraße, die Selb mit der tschechischen Stadt Asch verbindet. Kurz nachdem die Beamten dort eingetroffen waren, stach ihnen ein Auto mit slowakischem Kennzeichen ins Auge. Die beiden Polizisten nahmen darauf die Verfolgung auf. Ein Treffer. Im Laufe der Kontrolle stellte sich heraus, dass die junge Frau am Steuer nicht nur ohne Führerschein unterwegs und ihr Auto nicht zugelassen war, sondern dass sie auch Crystal Meth konsumiert hatte. Für die Dame endete die Fahrt damit vorzeitig. "Wenn ich unter berauschenden Mitteln Auto fahre, gefährde ich nicht nur mich, sondern auch andere. Wir übergeben die Frau nun an die Landespolizei", resümiert Schellenberg. Wenig später traf der Freund der Frau, der sie wohl suchte, durch Zufall auf die Beamten. Als er erfuhr, dass seine Freundin zur nächsten Polizeiinspektion gebracht wurde, weil sie unter Drogeneinfluss hinterm Steuer saß, schossen dem jungen Mann Tränen in die Augen.

Für Schellenberg und seinen Kollegen Nürnberger ging es dennoch weiter. Ihr nächstes Ziel: Die Bundesstraße 303, die von Schirnding aus in Richtung Eger führt. Zusammen mit zwei weiteren Streifen richteten die Beamten dort eine stationäre Kontrollstelle ein. Zunächst blieb alles ruhig, doch kurz nach Mitternacht durchbrach ein VW die Kontrollstelle. Die Beamten nahmen daraufhin die Verfolgung auf und konnten den VW wenig später stoppen. Zunächst schien es so, als ob die Fahrerin - eine tschechische Staatsbürgerin - die Kontrollstelle lediglich übersehen hatte. Ein Trugschluss. "Es stellte sich heraus, dass die Frau - wie auch die erste Dame - keinen Führerschein hat. Auch sie darf nicht weiterfahren", erklärte Schellenberg.

Um 5:30 Uhr am Samstagmorgen endete der Arbeitstag von Schellenberg und Nürnberger. Es sollte an jenem Abend, an dem wir die beiden Bundespolizisten begleiten durften, eine lebhafte Schicht werden. Neben den beiden Frauen gingen den Polizisten auch noch drei Syrer ins Netz. Die jungen Männer reisten ohne Ausweis wieder nach Deutschland ein. "Die Nacht war ereignisreich, aber auch sehr erfolgreich für uns. Wir konnten Gefahren für den Straßenverkehr abwenden und haben einige Feststellungen gemacht - das ist unser Alltag hier an der Grenze", sagte Schellenberg.

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