Nachts alleine auf dem Parkplatz

Von Peter Engelbrecht

Ein bisschen einsam ist es hier draußen schon. Vielleicht auch ein wenig unheimlich, wenn es langsam dunkel wird. Doch Thomas Frank kann über solche Einwände nur milde lächeln. Er ist Lastwagenfahrer auf der Autobahn und sucht einen Platz für die Nacht. Den hat er an der Bundesstraße 2 zwischen Schnabelwaid und Creußen nun auch gefunden.

Ein Lastwagen von der Autobahn steht auf dem Parkplatz an der Bundesstraße bei Creußen. Foto: Peter Engelbrecht Foto: red

Der 59-jährige mit langen Haaren fährt für eine Spedition aus dem Landkreis Günzburg. Er ist ein alter Hase, seit nunmehr 40 Jahren ist er fast täglich auf Tour. „Ab 20 Uhr findet man keinen Platz mehr auf Autobahnparkplätzen“, klagt er. Deshalb verließ er die Autobahn bei Pegnitz und sucht sich regelmäßig einen Stellplatz auf einem der Parkplätze entlang der Bundesstraße. Elf Stunden wird er heute bleiben. Natürlich ist das eine Notlösung, denn hier draußen gibt es weder Straßenlaterne, Waschgelegenheit noch eine Toilette. Komfort sieht anderes aus.

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17 Prozent mehr Lastwagen

Der Verkehr auf der A 9 ist in den vergangenen Jahren massiv gewachsen. Kein Wunder, dass Stellplätze fehlen. Beispiel Zählstelle Trockau: Der Schwerlastverkehr hat hier zwischen 2000 und 2015 um 17,4 Prozent zugenommen. Das bedeutet eine Steigerung auf durchschnittlich 9920 Lastwagen in 24 Stunden. Fast jedes fünfte Fahrzeug ist ein Lastwagen. Doch auch der gesamte Autobahnverkehr wuchs in dem Zeitraum: um 14,4 Prozent. Das zeigen Zahlen der Autobahndirektion Nordbayern in Nürnberg.

"Noch nie etwas passiert"

Lastwagenfahrer Thomas Frank spürt das jeden Tag. „Es gibt keine Parkplätze mehr. Auch in Gewerbegebieten abseits der Autobahn herrscht häufig Parkverbot“, beschreibt er die aktuelle Situation. Die Einsamkeit auf den Parkplätzen abseits der Autobahn macht ihm nichts aus. „Es ist noch nie etwas passiert“. Planenschlitzer, die regelmäßig Ladegut stehlen, gibt es auf Autobahnraststätten, aber nicht hier draußen. Seinen Müll nimmt er wieder mit, „von mir gibt es keine Spuren“, lächelt er aus dem Führerhaus. Frank will sich die Ausweichstellplätze durch wilde Müllablagerungen nicht kaputt machen. Das ist häufig ein Grund dafür, warum Lastwagenfahrer nicht mehr in Gewerbegebieten oder auf Supermarktparkplätzen übernachten dürfen. Nun wird er die Nacht in der Nähe des Craimoosweihers verbringen. In aller Herrgottsfrühe um 4 Uhr geht es dann weiter nach Berlin.

In Ruhe schlafen

Die Bundesstraße zwischen Pegnitz und Bayreuth liegt für die Lastwagenfahrer günstig. Es gibt relativ viele Parkplätze und man kommt schnell wieder auf die Autobahn zurück. Das weiß auch ein Berufskollege, der gegen 18 Uhr auf dem Parkplatz hinter Creußen in Fahrtrichtung Bayreuth steht. „Hier habe ich wenigstens meine Ruhe“, sagt der 43-Jährige aus Ingolstadt. Seinen Namen will er nicht in der Zeitung lesen. Auf den Raststätten gehe es abends zu laut und hektisch zu. Trinkwasser hat er dabei, geduscht hat er dort, wo er zuletzt seine Ware abgeladen hat. Der europaweite Preiskampf der Spediteure sei brutal, „der deutsche Fahrer stirbt aus“, meint der Mann aus Oberbayern trocken. Eine Ursache für die Parkplatznot ist für ihn die Zunahme der ausländischen Lastwagen. Normalerweise müsse man schon ab 17 Uhr einen Stellplatz suchen. Auf Autohöfen kostet dieser zehn Euro für eine Nacht, dafür gibt es einen Gutschein.

Direktion baut neue Parkplätze

Der Autobahndirektion ist das Problem mit den fehlenden Parkplätzen längst bekannt. 2008 gab es im gesamten Bundesgebiet entsprechende Erhebungen. Im Abschnitt der A 9 zwischen dem Bindlacher Berg und dem Autobahnkreuz Nürnberg fehlten demnach rund 250 Plätze, bilanziert Pressesprecherin Edith Kolarik. Seitdem wurden in dem Bereich gut 60 neue Lkw-Stellplätze gebaut. Die große Entlastung erwartet sich die Direktion durch die geplante unbewirtschaftete Rastanlage mit WC „Trockauer Höhe“. Hier sollen auf der Ost- und Westseite insgesamt 130 neue Lastwagenparkplätze geschaffen werden. Der Baubeginn ist für 2018 vorgesehen. Eine schnelle Lösung ist also nicht in Sicht. Und der Verkehr auf der A 9 soll weiter wachsen. Die Lastwagenfahrer von der Autobahn werden weiter an den Bundesstraßen stehen. Na dann, gute Nacht!