„Nacht der Legenden“ „Crazy Elephant“ zieht für einen Abend in die Fabrik

Berühmt und berüchtigt – das muss ein guter Club sein. Das „Crazy Elephant“ in Bayreuth war so ein Club. Noch heute ist er eine Legende.

Bayreuth - Das „Crazy Elephant“ öffnete im Jahr 1984 seine Pforten. Eine steile Treppe führte hinunter in ein düsteres Kellergewölbe. Ganz vorne war die Tanzfläche, an der Seite ein langer Tresen. An jedem Tag der Woche wurde eine andere Musikrichtung gespielt.

Jeder fand seinen Lieblingsmusikstil

Im „Crazy“ war wirklich alles zu hören von Disko-Pop und Rock über Funk und Soul bis zu Indie und Alternative. „Genau das war das Erfolgsrezept“, erinnert sich Michael Angerer, der im „Crazy“ von 1985 bis 1986 auflegte. Der Stil des „Crazy“ war gewissermaßen, dass es keinen Stil gab. Oder anders ausgedrückt: Jeder konnte dort seinen Lieblingsmusikstil finden.

Michael Angerer war damals schon mit dem heute ebenso legendären „Studio 3“ unterwegs. „Bayreuths erste Boygroup“, sagt er heute lachend. Die mobile Disko wurde für Schulpartys und fürs Kommunale Jugendzentrum gebucht. Dort durften Jugendliche ab 14 Jahren am Sonntag hin. „Noch heute sprechen mich die Leute darauf an.“

Am Wochenende DJ

So ähnlich ist das auch mit dem „Crazy Elephant“. „Ich war damals das Nesthäkchen und war entweder Freitag, Samstag oder Sonntag dran.“ Mit den anderen DJs Selly, Jak, Marty und Lui wechselte sich Micha Angerer ab. Unter der Woche ging er seinem Beruf als Sozialpädagoge nach.

Mittlerweile ist er Chef der Veranstaltungsagentur Nord-Süd-Programm. Und mit dieser will er in einer „Nacht der Legenden“ per Live-Stream die kultige Zeit von damals wieder aufleben lassen. Mit im Boot ist Ahmad Kordbacheh von der „Fabrik“. Die Location sei genau das Richtige, findet Angerer: „Das Crazy war damals der beste Club in der Stadt, heute ist das die Fabrik.“ Ahmad Kordbacheh begann 2006 seine Party-Macher-Karriere, übernahm 2010 erst den Trichter und führt seit 2015 die Fabrik.

Acht Jahre hinterm Plattenteller

Einer, der wahrlich von der ersten bis zur letzten Sekunde im Crazy dabei gewesen war, ist Selly, weiß Angerer. „Der wohl bekannteste der DJs der Kultdisco. Er legte am ersten und auch am letzten Abend 1992 die Platten auf. Sein bevorzugter Tag war Sonntag“. Dank Sellys Rockmusik mit Songs von Nirvana, Metallica oder den Red Hot Chili Peppers wurde der Sonntag immer beliebter. Was die damalige Generation zuvor auf MTV sah, konnte sie später im Crazy hören und ausgelassen dazu tanzen. Doch Selly, auch an anderen Tagen im Crazy anzutreffen, spielte auch Funk und Italian Rock.

Donnerstag seitdem Ausgehtag

Auch Jak sei über die ganzen Jahre immer mit von der Partie gewesen. Sein Tag war der Mittwochabend und „legte er das auf, was sich sonst keiner traute.“ Sein Alternative-Angebot sei auf ein dankbares Publikum gestoßen und ergänzte das Repertoire im Crazy. Marty stand wiederum von 1984 bis 1987 hinter dem Mischpult. „Er kann noch heute vom ersten Tag mit technischen Problemen erzählen bis hin zum Großbrand genau über dem Crazy Elephant.“ Immer donnerstags machte er Stimmung im Crazy. Damals entwickelte sich schließlich der Donnerstag zum festen Ausgehtag für die jungen Bayreuther und Studenten.

Die Kunst des passenden Übergangs

Ein weiterer Zauberer an den Plattentellern: Lui, der schon seit 1987 nicht mehr in Bayreuth, sondern in Nürnberg lebt. Ludwig de Jonge, so sein richtiger Name, studierte Jura in Bayreuth. Lui betrieb früher mit drei Freunden die Kneipe „Chez bléd“, einst der „Holzwurm“. „Das Crazy war sehr speziell“, sagt er im Rückblick. Als Nachfolger des „Max 30“ mitten in der Stadt gelegen und mit einer Kunstkneipe verbunden, konnte von 20 Uhr bis 3 Uhr morgens Musik aufgelegt werden. „Ich mochte New Wave, die Talking Heads und U2, aber auch Grandmaster Flash oder die Rolling Stones.“ Die Kunst sei gewesen, immer die passenden Übergänge zu finden. „Damit die Tanzfläche nicht plötzlich leer war.“

Jeder bringt fünf Lieblingssongs mit

Noch heute besitzt er eine Plattensammlung. Fünf Lieblingssongs bringt er wie auch seine Mitstreiter zur „Nacht der Legenden“ mit. Als er weggezogen war, kehrte er nur noch an Samstagen zum Auflegen nach Bayreuth zurück. „Er spielte querbeet alles, was die Menschen auf die Tanzfläche brachte“, sagt Michael Angerers, was auch seine Philosophie ganz gut beschreibt.

Angerers Lieblingshit damals war „Ain’t nobody“ von Chaka Khan, wie er erzählt. Cool and the Gang, Foreigner, Police oder Supertramp waren seine „Klassiker“. Angerer legte auch im „Butterfly“ in der Sophienstraße auf. Damals sei die Freundschaft zu Michi Jobst, heute Geschäftsführer der TC-Promotion Eventgroup. Diese sorgt am 26. Februar, dem Crazy-Freitag, für einen technisch reibungslosen Ablauf der „Nacht der Legenden“.

Aus der Fabrik ins Wohnzimmer

Denn es ist geplant, die Musik von einst mit den legendären DJs von damals als Live-Stream auszustrahlen. Aus der jüngeren Generation ist DJ Mad T dabei vom Crazy Elephant Verein dabei. Denn in Corona-Zeiten kann keine Crazy Elephant Party mit echtem Publikum veranstaltet werden. „Trotzdem hat uns die Stadt mit dem Ordnungsamt bei der Planung unterstützt.“ Ein Hygienekonzept wurde erarbeitet, vor Ort werden Schnelltests gemacht.

INFO: Wer Fotos von damals hat, kann sie per Mail an nachtderlegenden@web.de senden. Eine Auswahl davon wird an dem Abend eingeblendet. Ab 20 Uhr läuft der Stream aus der Fabrik über Vimeo. Der Link ist auf Facebook und auf der Homepage der Fabrik zu finden: www.fabrik-bayreuth.com.
 

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