Wo immer Beckenbauer auftauchte, starrte alle Welt hingerissen auf den Leuchtschweif der Lichtgestalt, justierte die Kameralampen, richtete die Mikrofone aus und eilte zum Telefon, um seine Machtworte um den Erdball zu schicken – der Trainerguru Otto Rehhagel spürte: „Wenn der Franz behauptet, dass der Ball sechseckig ist, jubeln alle: Endlich hat es mal einer gesagt.“ Das Glück schien ihm in den Schoß zu fallen.
Schatten über der Lichtgestalt
Bis 2014. Wie aus dem Nichts legten sich jähe Schatten über die Lichtgestalt. Das Denkmal begann auf dem Sockel zu wanken, als gefragt wurde: Wie war das beim deutschen „Sommermärchen“ 2006, ist fragwürdiges Geld geflossen? Noch einmal war seine Antwort ein Schlenzer mit dem Außenrist. „Ich hab alles blind unterschrieben.“ Der Leitartikler des Fachblatts „Kicker“ brachte uns Deutschen danach schonend bei: „Das Kaiserreich ist zu Ende.“
Im Exil in Österreich hat sich Beckenbauer zurückgezogen, man sah ihn immer seltener in der Öffentlichkeit. Nicht nur die Vorwürfe und Verdächtigungen machten ihm das Leben schwer, sondern auch eine komplizierte Herzoperation. Und eine familiäre Tragödie: 2015 starb Sohn Stephan an einem Gehirntumor, mit 46. In der Traueranzeige stand der alte Leitspruch des Vaters: „Und wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.“
Die Ruhe gefunden
Franz Beckenbauer hat seine Ruhe gefunden in dem, was er schon in seiner frühen Biografie so beschrieb: „Ich glaube an ein Weiterleben nach dem Tod, in einer anderen Existenz.“ Auch in seiner alten wäre er uns wieder willkommen – als Kaiser, Lichtgestalt oder einfach Franz.